Aufforderung zur Impfung bei Heranwachsenden: Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin ruft Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren zur Corona-Impfung auf.

Verbandspräsident Jörg Dötsch sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) am Sonntag (17. Oktober 2021), es seien mittlerweile Daten von über zehn Millionen Kindern und Jugendlichen erhoben wurden. Daher empfehle er "die Impfung den über 12-Jährigen heute allgemein und uneingeschränkt, ich werbe dafür so dringlich wie bei Erwachsenen".

Deutlich mehr Corona-Fälle bei Kindern: Inzidenz stark gestiegen 

Die Risiko-Nutzen-Abwägung falle eindeutig zugunsten der Impfung aus. Das RKI hatte am Freitag von besonders vielen Corona-Ansteckungen bei Kindern und Jugendlichen in einzelnen Regionen Deutschlands berichtet.

Währenddessen ist die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland ist den fünften Tag in Folge gestiegen: Das Robert Koch-Institut (RKI) gab den Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche am Sonntagmorgen mit 72,7 an. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 70,8 gelegen, vor einer Woche bei 66,1 (Vormonat: 74,7). Am höchsten war die 7-Tage-Inzidenz in Thüringen (135,6), gefolgt von Sachsen (113,8) und Bayern (109), am niedrigsten in Schleswig-Holstein (27,9).

Der Leiter der Virologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Oliver Keppler, geht indes davon aus, dass sich der bislang milde Anstieg der Corona-Infektionen in den nächsten Monaten erheblich beschleunigen wird. "Im vor uns liegenden Herbst und Winter müssen wir von einer deutlichen Verschärfung des Infektionsgeschehens ausgehen. Unser Leben verlagert sich nach innen", sagte er der Deutschen Presseagentur.

Drohen wieder schärfere Maßnahmen? Virologe mit klarer Meinung

Zu härteren Corona-Maßnahmen rate er aber trotzdem nicht: "Grundsätzlich müssen wir in dieser Phase der Pandemie in verschiedenen Bereichen Lockerungen versuchen, um zu sehen, was gut vertretbar ist und wo man noch Hygienemaßnahmen oder Testungen zur Absicherung beibehalten muss."

Es gebe in Deutschland insgesamt eine "gute Impfquote", eine große Anzahl an Genesenen und eine hochwertige Testinfrastruktur, erläuterte er.

Entgegen mancher Befürchtungen stehe Deutschland nach Einschätzung Kepplers keine große Grippewelle bevor. «Ich erwarte keine schwere Grippesaison», sagte er. «Die Grippe wandert alternierend von der Süd- zur Nordhalbkugel und wieder zurück» - immer im jeweiligen Winterhalbjahr.

Gefährliche Grippe diesen Winter "unwahrscheinlich" 

Aber weltweit seien Influenzaviren in der Bevölkerung durch die Corona-Hygienemaßnahmen weit zurückgedrängt worden. "Auf der Südhalbkugel waren zwei Winter hintereinander kaum Infektionen zu verzeichnen. Einen effizienten Eintrag des Virus bei uns im bevorstehenden Winter halte ich daher für unwahrscheinlich."

Das sollte aber kein Grund zur Sorglosigkeit sein, mahnte Keppler: "Alle Personen, denen die Ständige Impfkommission auch in früheren Jahren die Grippeimpfung empfohlen hat, sollten sich wie zuvor impfen lassen." Dazu zählen unter anderem Menschen ab 60 Jahren, Schwangere, Vorerkrankte und medizinisches Personal.

Vorschaubild: © Michael Reichel, dpa (Symbolbild)