SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach kann sich einen Ministerposten gut vorstellen. Das sagte der SPD-Politiker dem Berliner "Tagesspiegel" in der Samstagsausgabe. Das sei zum einen die Gesundheitspolitik, zum anderen der Bereich Bildung, Wissenschaft und Forschung. Gleichzeitig stellte er für die anstehenden Sondierungen der SPD mit Grünen und FDP die seit langem geforderte Bürgerversicherung zur Disposition. "Unverhandelbar ist zum jetzigen Zeitpunkt gar nichts", sagte der Experte. Man dürfe "die Sondierungen nicht mit roten Linien belasten".

Was den Posten des Gesundheitsministers betrifft, sagte Lauterbach: "Ich wäre nicht erschrocken und würde es mir zutrauen. Aber mein Leben geht auch weiter, wenn ich nicht Minister werde." Für ihn habe "nie das Amt im Vordergrund" gestanden habe, "sondern immer der Wunsch, gute Arbeit machen zu können".

Lauterbach könne sich aber auch vorstellen, Bildungs- und Forschungsminister zu werden: "Natürlich würde ich ein Ministeramt nicht ablehnen in Bereichen, in denen ich mich gut auskenne", so Lauterbach gegenüber dem Tagesspiegel. 

An seinem potenziellen Vorgänger als Gesundheitsminister, Jens Spahn (CDU), übte Lauterbach deutliche Kritik: Viel sei unter dem CDU-Minister "liegengeblieben" - hier gebe es viel zu tun, etwa bei der Finanzierung des Gesundheitssystems. Die Pflege müsse anders finanziert werden, das Fallpauschalensystem in Krankenhäusern sei zu modifizieren. "Und wir haben ein Riesenproblem, über das bisher kaum gesprochen wird: In ein paar Jahren gehen uns nicht nur die Pflegekräfte, sondern auch die Ärzte aus." Das sei besonders besorgniserregend, weil es ausgerechnet zu einem Zeitpunkt geschehe, "wo so viele Menschen wie noch nie, nämlich die aus der Babyboomer-Generation, zu versorgen" seien. "Hier müssen wir dringend und sehr schnell gegensteuern", forderte Lauterbach. Konkret verlangte er, in der kommenden Legislatur "mindestens 5000 zusätzliche Medizinstudienplätze pro Jahr zu schaffen". Zudem müsse man "dem Nachwuchsproblem in der Pflege durch attraktivere Arbeitsbedingungen begegnen".