Wiesbaden
Kindeswohl

Jugendämter: Über 20.000 Kinder in ihren Familien gefährdet

Im vergangenen Jahr haben die Jugendämter in 21.700 Fällen eine Gefährdung für Kinder und Jugendliche in ihrer Familie registriert. Dabei ging es in den meisten Fällen um Vernachlässigung.
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Deutschlandweit sind über 20.000 vernachlässigte Kinder und Jugendliche in ihren Familien gefährdet. Symbolfoto: pixabay/Counselling
Deutschlandweit sind über 20.000 vernachlässigte Kinder und Jugendliche in ihren Familien gefährdet. Symbolfoto: pixabay/Counselling

Vernachlässigung, Demütigung, Misshandlung: Im vergangenen Jahr haben die Jugendämter in bundesweit rund 21.700 Fällen eine akute Gefährdung für Kinder und Jugendliche in ihrer Familie festgestellt. Im Jahresvergleich stieg die Zahl leicht um 0,6 Prozent an, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte.

Hinzu kamen knapp 24.100 Fälle, in denen eine Kindeswohlgefährdung nicht ausgeschlossen werden konnte. Die Jugendämter müssen auch dann eingreifen und Unterstützung anbieten oder den Fall dem Familiengericht melden.

In den meisten Fällen Vernachlässigung

Anzeichen für Vernachlässigung lag in knapp 61 Prozent der Fälle vor, Anzeichen für psychische Misshandlung wie Demütigung, Einschüchterung, Isolierung oder emotionale Kälte in knapp 30 Prozent, wie das Bundesamt berichtete. Bei rund jedem vierten Kind oder Jugendlichem gab es Anzeichen für körperliche Misshandlung, bei 4,5 Prozent für sexuelle Gewalt.

Fast jedes vierte betroffene Kind war jünger als drei Jahre, etwa jedes fünfte Kind jünger als sechs Jahre. Knapp 23 Prozent der Fälle betrafen Grundschulkinder. Kinder zwischen 10 und 13 Jahren stellten 19 Prozent der Fälle, Jugendliche knapp 16 Prozent. Meist kam der Hinweis ans Jugendamt von Polizei, Gerichten oder Staatsanwaltschaften. Auch Schulen, Kitas, Bekannte oder Nachbarn meldeten Verdachtsfälle. Jeder zehnte Hinweis ging anonym ein.