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Arbeitsmarkt

Jeder dritte Deutsche lässt schwarz arbeiten

Putzen, Tapezieren oder Kinderbetreuung ohne Rechnung: Fast jeder dritte Bundesbürger beschäftigt Schwarzarbeiter. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hervor, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde.
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Nur als Silhouetten sind Bauarbeiter auf einer Baustelle im Hamburger Stadtteil Eppendorf beim Aufbauen eines Baugerüsts zu erkennen. Foto: Kay Nietfeld/dpa
Mit einem Anteil von knapp 19 Prozent werden am häufigsten Handwerksarbeiten schwarz erbracht. An zweiter Stelle folgen Haushaltsarbeiten wie Putzen, Einkaufen oder Gärtnern (15,8 Prozent), auf Platz drei Autoreparaturen (13,7 Prozent). Acht von zehn Befragten gaben in der Umfrage aus dem Jahr 2007 an, sie hätten kein schlechtes Gewissen, eine Hilfe illegal zu beschäftigen.
„Schwarzarbeit im Haushalt wird von der Bevölkerung weitgehend akzeptiert“, sagte Karen Horn vom IW in Berlin. Rund 95 Prozent der insgesamt 4,5 Millionen Haushaltshilfen arbeiteten am Finanzamt vorbei. Laut IW gibt es in Deutschland vor allem Bedarf an Familien unterstützenden Dienstleistungen. Zum einen gebe es immer mehr ältere Menschen, die im Haushalt nicht mehr allein zurechtkommen. Zum anderen seien immer mehr Frauen berufstätig, so dass für die Hausarbeit wenig Zeit bleibe.
Die Analyse zeige aber auch, dass vor allem die Anbieter ein Interesse an illegaler Tätigkeit hätten, sagte Horn. Jeder fünfte Erwachsene hatte in dem Jahr vor der Umfrage selbst schwarzgearbeitet - durchschnittlich 6,5 Stunden pro Woche für etwa zehn Euro pro Stunde. „Der typische Schwarzarbeiter ist männlich, noch keine 30 Jahre alt und verdient weniger als 1500 Euro netto“, erläuterte Horn.
Der Studie zufolge könnten rund 600 000 legale Vollzeitstellen entstehen, wenn jeder mit Bedarf eine Kinder- oder Putzfrau anstellen und anmelden würde. Bislang beschäftigten nur acht Prozent der Paare mit Kindern und ein knappes Viertel der alleinstehenden Senioren eine legale Hilfskraft. Durch eine Legalisierung von 30 bis 60 Prozent der Schwarzarbeit in Privathaushalten könnten 177 000 bis 355 000 reguläre Stellen entstehen, sagte Horn.
Der Berechnung wurde ein Stundenlohn von acht Euro zugrunde gelegt. Derzeit würden 8,83 Euro pro Stunde gezahlt. Bei zehn bis zwölf Euro Stundenlohn könnten 417 000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Politik könne Schwarzarbeit einschränken, indem sie die Bürger von Steuern und Sozialabgaben entlaste und die Selbstständigkeit als Erwerbsform fördere, empfiehlt das arbeitgebernahe Institut. dpa