Zwei junge Islamisten aus Osnabrück und Kassel sollen vorab von dem Terroranschlag in Wien mit vier Todesopfern am 2. November 2020 gewusst haben.

Die Bundesanwaltschaft verdächtigt die Männer der Nichtanzeige geplanter Straftaten und ließ am Mittwochmorgen ihre Wohnungen durchsuchen, wie in Karlsruhe mitgeteilt wurde. Festgenommen wurde niemand.

Bei dem Anschlag vor rund acht Monaten hatte ein Anhänger der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) in der österreichischen Hauptstadt 4 Menschen getötet und mehr als 20 Menschen zum Teil schwer verletzt, bevor er selbst durch Polizeischüsse starb. Unter den Todesopfern war eine 24 Jahre alte Deutsche, vier Deutsche zählten zu den Verletzten. Schon damals gingen die Ermittler davon aus, dass der 20 Jahre alte Attentäter Teil eines radikal-islamistischen Netzwerks war, das über Österreich hinausreicht.

Verbindungen ins Ausland früh bekannt

Die beiden Verdächtigen, ein Kosovare und ein Deutscher, waren schon kurz nach dem Attentat ins Visier der Ermittler geraten. Am 6. November hatte die Bundesanwaltschaft die Wohnungen von vier Männern im Alter von 19 bis 25 Jahren durchsuchen lassen, die Verbindungen zu dem Attentäter gehabt haben sollen. Damals wurden aber noch alle als Zeugen geführt, es ging um die Sicherstellung möglicher Beweise.

Inzwischen haben die Ermittler konkretere Anhaltspunkte: Beide Männer hatten - wie schon im November bekannt wurde - im Juli 2020 den späteren Attentäter in Wien besucht und auch bei ihm übernachtet. Nun teilte die Bundesanwaltschaft mit, dass der Attentäter kurz vorher das später genutzte Schnellfeuergewehr gekauft habe. Es habe damals Treffen mit anderen Islamisten aus Österreich und der Schweiz gegeben, das DNA-Profil einzelner Teilnehmer habe später auf den bei dem Anschlag verwendeten Waffen und auf dem IS-Siegelring nachgewiesen werden können, den der Attentäter bei der Tat getragen hatte.

Die Ermittler folgern daraus, dass die beiden Männer es seit diesem Besuch «zumindest für möglich» hielten, dass der spätere Attentäter seine Absichten in die Tat umsetzen würde. «Dies nahmen die Beschuldigten billigend in Kauf, ohne diese Anschlagspläne - wie es das Gesetz bei solchen Taten verlangt - bei den zuständigen Behörden anzuzeigen.» Stattdessen hätten die Männer am Abend des Anschlags noch vor dessen Beginn angefangen, auf ihren Handys und in sozialen Netzwerken ihre Kommunikation mit dem Attentäter zu löschen.

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