Für die Eltern in Deutschland rückt die Entscheidung näher, ob sie ihre Kinder ab 12 Jahren gegen Corona impfen lassen. Voraussichtlich knapp 6,4 Millionen Impfdosen will der Bund den Ländern für die Impfung von Kindern und Jugendlichen zur Verfügung stellen, wie das Bundesgesundheitsministerium den Ländern mitteilte. Einen Tag nach dem Impfgipfel von Bund und Ländern am Donnerstag in Berlin will die europäische Arzneimittelbehörde EMA über eine Zulassung des Biontech-Impfstoffs für Kinder ab zwölf Jahren beraten.

Die Länder bereiten sich zudem auf das grundsätzliche Ende der Priorisierung der Impfungen am 7. Juni vor. Auch nach Aufgabe der Vorrangliste für den Impfschutz sollen allerdings Ältere, Menschen mit Vorerkrankungen und Angehörige bestimmter Berufsgruppen vorrangig geimpft werden, wenn sie bisher noch nicht an der Reihe waren.

Update vom 28. Mai 2021, 17.20 Uhr: EU-Behörde erteilt Zulassung für Corona-Impfstoff für Kinder

Die EU-Arzneimittelbehörde EMA hat grünes Licht gegeben für die Zulassung des Corona-Impfstoffs der Hersteller Biontech und Pfizer für Kinder ab zwölf Jahren. Das teilte die EMA am Freitag in Amsterdam mit. Es ist der erste Impfstoff in der EU, der auch für Menschen unter 16 empfohlen wird. "Wir haben Daten, die zeigen, dass die Anwendung bei Kindern sicher ist", sagte der EMA-Direktor für Impfstrategien, Marco Cavalleri.

Der zuständige Experten-Ausschuss der EMA hatte in einer außerordentlichen Sitzung über den Antrag des deutschen Herstellers Biontech und seines US-Partners Pfizer beraten. Diese hatten Studien vorgelegt, die nach Angaben der EMA die sehr gute Wirksamkeit und gute Verträglichkeit bei 12- bis 15-Jährige belegen. Die EU-Kommission muss der Erweiterung der Zulassung noch zustimmen. Das aber gilt als Formsache.

Durch die positive Entscheidung der EMA wird die Diskussion über die Kinder-Impfung weiter angeheizt. Die Ständige Impfkommission (Stiko) in Deutschland hat bereits angedeutet, dass sie möglicherweise auch im Fall einer EMA-Zulassung keine allgemeine Impfempfehlung für alle Kinder geben wolle, sondern nur für vorerkrankte Kinder. Bisher war der Pfizer-Impfstoff in der EU nur für Menschen ab 16 Jahren zugelassen. In Kanada und den USA hatten die Gesundheitsbehörden bereits vor einigen Wochen die Anwendung auch bei 12- bis 15-Jährigen erlaubt.

Der Schutz vor einer Covid-19-Erkrankung liege bei 100 Prozent, wie die Studie der Hersteller zeigte. Nach der Impfung hätte es höchstens leichte Reaktionen gegeben. Es gebe keinerlei Anzeichen für schwere Nebenwirkungen, wie die EMA erklärte.

Update vom 27.05.2021, 18.30 Uhr: Datum für Impfungen für Kinder steht - Söder erklärt "keine Impfpflicht"

Kinder ab 12 Jahren sollen sich in Deutschland ab 7. Juni um einen Corona-Impftermin bemühen können. Mit der erwarteten Zulassung des Biontech-Impfstoffs für diese Altersgruppe durch die europäische Arzneimittelbehörde EMA könnten sie sich ab dem geplanten Ende der Priorisierung um eine Impfung bei den niedergelassenen Ärzten oder in Impfzentren bemühen, teilte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach Beratungen von Bund und Ländern am Donnerstag in Berlin mit.

Die Länder können dem Beschluss zufolge Angebote in Impfzentren machen oder Programme für die Altersgruppe auflegen. Die Minderjährigen sollten sich aber insbesondere in den Praxen um einen Termin bemühen können. Bis zum Ende des Sommers soll auch den Kindern und Jugendlichen ein Impfangebot gemacht werden. Ein sicherer Schulbetrieb soll unabhängig davon, wie viele Schülerinnen und Schüler ein Impfangebot wahrnehmen, gewährleistet werden.

Weiterhin hat auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) versichert, dass es keine Corona-Impfpflicht für Kinder und Jugendliche geben soll. "Keiner muss geimpft werden", sagte Söder, der aus Nürnberg zugeschaltet war, am Donnerstag nach Beratungen von Bund und Ländern. "Wir wollen Impfangebote machen, aber es gibt keine Impfpflicht." Schule werde trotzdem möglich sein, betonte er.

Insgesamt zeigte sich Söder zuversichtlich, was die Corona-Lage und den Stand der Impfkampagne angeht - auch wenn man noch nicht über dem "Impf-Berg" sei. Insgesamt werde die Lage jeden Tag besser. Aber es gebe keinen Anlass für Übermut und Euphorie, es gebe noch viel Arbeit.

Impfgipfel: Millionen Impfdosen für Kinder ab 12 Jahren

Die Gesundheitsminister der Länder hatten bereits beschlossen, dass bis Ende August allen Kindern ab zwölf Jahren ein Impfangebot gemacht werden soll. Eine Einschätzung der Ständigen Impfkommission (Stiko) dürfte aber auch nach einer Zulassung noch etwas auf sich warten lassen. Die Stiko will bis in anderthalb Wochen ihre Bewertung abschließen, wie Stiko-Mitglied Martin Terhardt im RBB sagte. Eine Variante könne eine Impfempfehlung nur für chronisch Kranke sein. Einer generellen Empfehlung für eine Impfung steht ein Mangel an Daten über mögliche Risiken von Infektionen und Impfungen entgegen.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte: "Es ist am Ende eine wohlabgewogene Entscheidung von Kindern, Eltern, Ärztinnen und Ärzten." Direkt nach einer Zulassung könne der Impfstoff genutzt werden. Als Kriterien nannte er: "Was sind Vorerkrankungen, was ist die persönliche Situation, die familiäre Situation, welchen Nutzen gibt es, welche Risiken gibt es auch einer Covid–19–Infektion, die natürlich auch über die Altersgruppen unterschiedlich sind?" Es werde definitiv keine verpflichtenden Impfungen geben - "auch nicht an Schulen oder Kindergärten".

Der Bund will die für die Impfung von Kindern und Jugendlichen nötigen Dosen zur Verfügung stellen. Angesichts von 5,3 Millionen Menschen dieses Alters geht der Bund von einem Bedarf von jeweils 3,18 Millionen Dosen für die Erst- und die Zweitimpfung aus - bei einer angenommenen Impfbereitschaft von 60 Prozent. In den Ländern sind Impfungen in den Praxen, den Impfzentren und vereinzelt Aktionen an Schulen vorgesehen, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. 

Impfgipfel: 75 Prozent aller Menschen über 60 geimpft

Menschen mit besonderem Risiko wie Alter, Vorerkrankungen oder bestimmten Berufen, die noch nicht geimpft sind, sollen auch weiter vorrangig an die Reihe kommen. Zwar soll in gut einer Woche die Priorisierung aufgehoben werden. Aber das Ressort von Spahn stellte fest: "Auch nach der Aufhebung der Impfpriorisierung stellen die Länder sicher, dass etwaige Nachzügler aus den Priorisierungsgruppen möglichst kurzfristig ein Impfangebot erhalten können."

Die Länder könnten auch entscheiden, die Priorisierung in Impfzentren aufrecht zu erhalten. Mehr als 75 Prozent der Über-60-Jährigen seien im Bundesschnitt mindestens einmal geimpft, über 30 Prozent voll geschützt.

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Im kommenden Monat werden in Deutschland voraussichtlich mehr als 31 Millionen Corona-Impfdosen ausgeliefert, wie die Daten des Gesundheitsressorts zeigen. Von den ursprünglich für das gesamte zweite Quartal 80 Millionen zugesagten Impfdosen wurden demnach 31 Millionen bereits geliefert. Allein von Biontech werden im Juni mehr als 25 Millionen Dosen erwartet. Astrazeneca und Johnson & Johnson kündigten Lieferungen hingegen nur kurzfristig an.

Insgesamt wurden in den Ländern 88 Prozent der gelieferten Impfdosen verimpft - die Spanne reicht von 76 Prozent in Brandenburg bis 98 Prozent in Bremen. Vom Biontech-Präparat wurden 91 Prozent verimpft, von Moderna 76 und von Astrazeneca 87 Prozent. Bei Johnson & Johnson, dem einzigen Serum, bei dem nur eine Spritze reicht, liegt die ausgewiesene Quote bisher nur bei 35 Prozent. Für das dritte Quartal liegen laut Gesundheitsministerium außer von Moderna bisher keine Lieferpläne vor - erwartet werden über 120 Millionen Impfstoff-Dosen.

Impfen beim Hausarzt: Bislang 12 Millionen Impfdosen verwendet

Für die Impfzentren wurden und werden den Ländern laut dem Bund im Mai und Juni zwischen 2,4 und 2,6 Millionen Dosen pro Woche geliefert. Etwa wegen eines Sonderkontingents für Länder mit Grenzgebieten gibt es einen späteren Ausgleich für andere Länder. 65 000 niedergelassene Ärztinnen und Ärzte beteiligen sich aktuell an der Impfkampagne. In den sieben Wochen, seitdem auch die Praxen impfen, wurden dort 12,6 Millionen Dosen gespritzt. Betriebsärzte und niedergelassene Privatärzte sollen routinemäßig ab dem 7. Juni impfen.

Spahn wies Kritik an der Verteilung des Impfstoffs zurück. Am Ostermontag seien 12 Prozent der Deutschen erstgeimpft gewesen - sieben Wochen später seien es nun über 40 Prozent. Dass Anfang Juli dann bereits über 50 Prozent mindestens einmal geimpft seien, hätte vor einigen Wochen kaum jemand gedacht.

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