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Berlin/Brüssel
Corona-Gipfel

Merkel deutlich: Impfung kann noch dauern

Der Impfgipfel endete mit ernüchternden Ergebnissen. Spahn sieht noch "harte Wochen der Knappheit" beim Impfstoff und Merkel machte deutlich, dass sich die Corona-Impfung über Jahre erstrecken könnte.
 
Corona-Gipfel Ergebnisse
Beim "Impf-Gipfel" verteidigte Merkel das langsame Impftempo, gleichzeitig stellte Spahn klar, dass noch "harte Wochen der Knappheit" des Impfstoffs auf uns zu kommen werden. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
  • Ernüchternde Ergebnisse des Corona-Gipfels
  • Merkel: Bis Ende des Sommers sollen alle ein Impfangebot bekommen
  • Spahn: Harte Wochen der Knappheit stehen bevor

Der Corona-Gipfel - beziehungsweise "Impf-Gipfel" - endete mit ernüchternden Ergebnissen. Merkel stellt klar, dass die Corona-Impfung noch über Jahre dauern könnte, wenn das Virus mutiert. Außerdem verteidigte sie das langsame Impftempo. Sie hält jedoch daran fest, dass allen Bürgern ein Impfangebot bis Ende Sommer gemacht werden kann.

Update vom 02.02.2021, 06.30: Merkel: Jeder bekommt bis Ende des Sommers Impfangebot

Auch nach viel Kritik am Start der Corona-Impfkampagne in Deutschland hält Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an der Prognose fest, dass jedem Bürger bis zum Ende des Sommers ein Impfangebot gemacht werden kann. Vor dem Hintergrund der aktuellen Lieferzusagen der Hersteller könne diese Aussage aufrechterhalten werden, sagte Merkel am Montag in Berlin nach einem Spitzengespräch zum Impfen. Zum Ende des dritten Quartals, also zum Ende des Sommers, könne ein Impfangebot gemacht werden. Dies gelte sogar, wenn lediglich die bereits zugelassenen Impfstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca verimpft werden könnten, ohne dass bis dann weitere Impfstoffe zugelassen sind. Auch in diesem Fall könne den 73 Millionen erwachsenen Menschen hierzulande ein Impfangebot gemacht werden, für Kinder seien die Impfstoffe nicht vorgesehen. Sollten andere Hersteller dazukommen, gebe es ein größeres Angebot.

Impfungen zur Eindämmung des Coronavirus könnten nach Angaben von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) noch über Jahre hinweg nötig sein. "Es kann sein, dass wir noch viele Jahre impfen müssen. So ähnlich wie beim Grippeimpfstoff, wo man jedes Mal die neue Mutation des Virus wieder verimpft", sagte Merkel am Montag in Berlin nach einem Spitzengespräch zum Impfen. "Wenn sich dieses Virus weiter verändert, haben wir noch ein Problem", fügte sie hinzu. Merkel sagte, eine absolute Gewissheit könne es auch beim Thema Impfungen nicht geben. "Wenn zum Beispiel eine Mutante auftritt, auf die der Impfstoff nicht wirkt, dann fangen wir wieder von vorne an."

Merkel begründete das langsamere Impftempo in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern unter anderem damit, dass etwa in Europa die Produktionskapazitäten im Vergleich zu den USA begrenzt seien, dass die EU lange über Haftungsfragen verhandelt habe und sich zudem nicht für eine Notzulassung von Impfstoffen entschieden habe. "Aus guten Gründen: Es geht hier nämlich auch um Vertrauen." Zudem habe man sich für die empfohlenen Abstände zwischen erster und zweiter Impfung entschieden und in anderen Ländern, wie Israel, gebe es einen anderen Umgang mit Daten.

Trotz des angekündigten Nachschubs der Hersteller sieht Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) keine schnelle Entspannung bei den Corona-Impfstoffen. Beim "Impfstoff-Gipfel" sei allen Teilnehmern klargeworden, dass es in diesem ersten Quartal bis in den April hinein noch "harte Wochen der Knappheit" geben werde, sagte Spahn am Montagabend in den ARD-"Tagesthemen". "Das lässt sich nicht schneller beschleunigen, übrigens auch mit Geld nicht", hätten die Hersteller klargemacht. Geld sei nicht der begrenzende Faktor. Erst im zweiten Quartal werde es nennenswert mehr Impfstoff geben.

Update vom 1.2.2021, 14.50 Uhr: "Impfgipfel" von Bund, Ländern und Herstellern hat begonnen 

Nach wochenlangen Problemen bei der Lieferung von Corona-Impfstoff sind Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder am Montag zu einem "Impfgipfel" zusammengekommen. An der Videokonferenz nehmen auch mehrere Bundesminister, Vertreter der Impfstoffhersteller sowie der EU-Kommission teil. Letztere kauft die Vakzine für die gesamte Europäische Union bei verschiedenen Produzenten ein.

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Die Impfungen gegen das Coronavirus hatten in Deutschland und der EU kurz vor dem Jahreswechsel begonnen. Begleitet waren die ersten Wochen von Lieferschwierigkeiten einzelner Hersteller, Problemen bei der Terminvergabe und viel Unmut über fehlenden Impfstoff. Mehrere Ministerpräsidenten sowie Verbände wie der Deutsche Städtetag forderten zuletzt vehement Klarheit über Menge und Zeitpunkt der Impfstoff-Lieferungen, damit etwa Impfzentren besser planen könnten.

Kurz vor dem "Impfgipfel" stellten Hersteller zusätzliche Lieferungen in Aussicht. Die Lieferungen von Corona-Impfstoff für Deutschland sollen im Laufe des Jahres deutlich anziehen, wie aus einer neuen Übersicht des Bundesgesundheitsministeriums hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Nach 18,3 Millionen Impfdosen im laufenden ersten Quartal könnten demnach laut einer aktuellen Schätzung im zweiten Quartal voraussichtlich 77,1 Millionen Dosen und im dritten Quartal 126,6 Millionen Dosen verschiedener Hersteller folgen. Im vierten Quartal könnten es dann weitere 100,2 Millionen Dosen sein.

Die Erstmeldung: Vor "Impfgipfel" am Montag - Kritik an Impfkampagne reißt nicht ab 

Bei der Video-Telefonkonferenz dabei sind neben den Politikern auch Vertreter der EU-Kommission - und die wichtigsten Pharma-Unternehmen. Bei letzteren handelt sich es sich dem Wirtschaftsportal Business Insider zufolge um alle Firmen, die derzeit an einem Corona-Impfstoff arbeiten. Das seien Biontech, Pfizer, AstraZeneca, Curevac, IDT Biologie, Johnson & Johnson, Sanofi und Schott.

In Deutschland reißt die Kritik am schleppenden Impfstart, den Lieferschwierigkeiten einzelner Hersteller und den Problemen bei der Terminvergabe dagegen nicht ab. Deshalb will Kanzlerin Merkel (CDU) an diesem Montag (1. Februar 2021) mit den Ministerpräsidenten, Bundesministern und Vertretern der Pharmabranche über die Lage beraten.

Zahlreiche Politiker und Verbandsvertreter haben mehr Klarheit über Zeitpläne, Prioritäten für Bevölkerungsgruppen und verfügbare Impfstoffe gefordert. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) plädierte in einem Brief an Merkel für einen "nationalen Impfplan".

Spahn dämpft Erwartungen: "Durch einen Gipfel alleine noch nicht mehr Impfstoffe"

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) warnte vor übertriebenen Erwartungen: "Wir können durch einen Gipfel alleine noch nicht mehr Impfstoffe produzieren", sagte er am Sonntagabend in der Talkshow Die richtigen Fragen auf Bild live. Wichtig sei, dass man zunächst ein einheitliches Bild bekomme, wo die Schwierigkeiten lägen. Die Bundesregierung könne den Ländern auch nur die Lieferdaten und -mengen nennen, die sie von den Herstellern bekomme.

Auch der Verband der deutschen Pharma-Unternehmen dämpfte die Hoffnung auf schnelle Lösungen. "Eine Impfstoff-Fabrik ist kein Bücherregal aus dem Möbelhaus, das man schnell aufbauen kann", sagte der Präsident des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller, Han Steutel, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Montag). "Wäre es so, hätten wir es doch längst gemacht." Für die komplexe Herstellung von Impfstoffen seien geeignete Produktionsanlagen und qualifiziertes Personal nötig.

Spahn wandte sich auch gegen Forderungen, Impfstoff-Hersteller zur Vergabe von Lizenzen zu zwingen. Das mache nur dann Sinn, wenn die Firmen nicht kooperieren würden - was aber nicht der Fall sei. Wirtschaftsminister Peter Altmaier schloss staatliche Eingriffe nicht generell aus. Bisher arbeiteten viele Pharma-Unternehmen freiwillig zusammen, sagte der CDU-Politiker in der ARD-Talkshow Anne Will. "Sollte es aber Fälle geben, wo ein Unternehmen aus Egoismus sagen würde, wir haben solche Anlagen, helfen aber nicht mit, dass das Nachbarunternehmen dort seinen Impfstoff produzieren kann - dann müssen wir natürlich auch über strengere Maßnahmen nachdenken."

Bewegung im Streit mit Astrazeneca

Kurz vor dem "Impfgipfel" bei Bundeskanzlerin Angela Merkel ist Bewegung in den EU-Konflikt mit dem Pharmakonzern Astrazeneca gekommen. Laut EU will das Unternehmen im ersten Quartal nun doch mehr Impfstoff an die Europäische Union liefern als angekündigt. Es kämen neun Millionen Dosen hinzu, insgesamt seien es also 40 Millionen Dosen, teilte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen mit. Das ist die Hälfte der ursprünglich anvisierten Menge von 80 Millionen Dosen. EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides sprach von einer guten Nachricht und einem Schritt nach vorn. Am Montag hatte zudem der Impfstoff-Hersteller Biontech bis zu 75 Millionen zusätzliche Impfdosen für die EU im zweiten Quartal in Aussicht gestellt.

Der britisch-schwedische Konzern Astrazeneca hatte vor gut einer Woche überraschend mitgeteilt, im ersten Quartal statt 80 Millionen nur 31 Millionen Dosen Impfstoff an die EU-Staaten zu liefern. Die EU reagierte empört und setzte die Firma unter Druck, die Lieferkürzung zurückzunehmen. Das soll laut von der Leyen nun zumindest zum Teil geschehen. Außerdem will der Konzern ihren Angaben zufolge eine Woche früher mit der Lieferung beginnen als geplant.

Nach den Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna ist das Präparat von Astrazeneca seit Freitag als Drittes in der EU für Erwachsene ohne Altersbegrenzung zugelassen. In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission das Mittel aber nur für Erwachsene unter 65 Jahren. Spahn will deshalb die Impfverordnung ändern. Die Änderung solle ab dem 8. Februar in Kraft treten, sagte er im ZDF.

Kooperation mit Curevac: Bayer steigt in Impfstoffproduktion ein

Der Pharmakonzern Bayer hat am Montagmorgen (1. Februar 2021) mitgeteilt, dass er in die Produktion von Covid-19-Impfstoffen einsteigen wolle. Eine eingehende Prüfung habe ergeben, "dass wir über die erforderlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten verfügen, den mRNA-basierten Impfstoff von Curevac herstellen zu können", so das Unternehmen.

Das Präparat wird vom Tübinger Biotechnologie-Unternehmen Curevac derzeit noch entwickelt und noch nicht zugelassen.

Der Curevac-Chef Franz-Werner Haas sagte: "Zum Ende des Jahres werden wir mehrere hundert Millionen Dosen zur Verfügung haben." Für das Jahr 2022 seien bisher 600 Millionen Dosen geplant gewesen. Durch Ausweitung des bestehenden Produktionsnetzwerkes würden es nun mindestens eine Milliarde werden.

Scharfe Kritik an Herstellern

SPD-Chef Norbert Walter-Borjans übte scharfe Kritik an den Herstellern von Corona-Impfstoffen. "Ich bin schockiert über den Mangel an Sensibilität und Verantwortungsbewusstsein bei einigen Herstellern. Es geht hier nicht um Schokolade, sondern um ein Produkt, an dem Existenzen und der Zusammenhalt der Gesellschaft hängen", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Montag).

Trotz der Lieferengpässe sieht Ursula von der Leyen die EU auf dem richtigen Weg. Inzwischen seien zwölf Millionen Menschen in der Europäischen Union geimpft worden, das sei eine "stattliche Zahl" im Verhältnis zu den rund 370 Millionen erwachsenen EU-Bürgern, sagte die Präsidentin der Europäischen Kommission im ZDF-heute journal. Ziel der EU sei es, dass bis zum Ende des Sommers 70 Prozent der Erwachsenen geimpft seien. "Wenn wir das geschafft haben, ist das eine gewaltige Leistung."

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