Bratwurst sorgt in Deutschland für Diskussionen: Nach einer Impfaktion in Sonneberg in Thüringen trendet das Thema "Bratwurst" tagelang bei Twitter. Die Reaktionen im Netz reichen von begeistert bis fassungslos. Die Zahl der Corona-Impfungen spricht jedoch für sich.

Eine Bratwurst als Belohnung hat der Impfstelle in Sonneberg am Freitag (30.07.2021) einen regelrechten Ansturm auf Covid-19-Impftermine beschert. Bis zum Nachmittag kamen nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) 250 Menschen, um sich neben der Spritze in den Oberarm auch noch die kulinarische Spezialität abzuholen. Normalerweise würden in der Impfstelle pro Tag durchschnittlich bis zu 140 Impfungen verabreicht, sagte der Leiter des KV-Pandemiestabs, Jörg Mertz, auf Anfrage der dpa.

Bratwurst zur Corona-Impfung sorgt für Ansturm in Thüringen - und Diskussionen im Netz

Der Ansturm sei allerdings nicht direkt auf die Gratis-Wurst zurückzuführen. Dass derart viele Impfwillige angereist seien, liege vielmehr daran, dass anders als zuvor keine Anmeldung zur Corona-Impfung nötig gewesen sei, so eine KV-Sprecherin zum Stern. Dennoch sorgt der Erfolg der Impf-Bratwurst für Schlagzeilen, im Netz machen sich viele Nutzer über die Aktion lustig.

"Wer ändern eine Bratwurst brät, der sorgt für Herdenimmunität", schreibt ein Nutzer. "Dass Bratwurst die Impfbereitschaft steigert, ist tatsächlich das Deutscheste, was ich mir vorstellen kann", kommentiert eine weitere Userin. Auch die Satire-Zeitung Der Postillion steigt in den Trend mit ein und twittert einen Artikel mit dem Titel "Er wollte doch nur Würste grillen! Mann im eigenen Garten von hunderten Impfwilligen bedrängt".

Zahlreiche Nutzer zeigten sich allerdings fassungslos, dass eine Bratwurst nötig sei, um Menschen zum Impfen zu motivieren. "Wie abgehoben muss man eigentlich sein, um Nichtgeimpfte mit einer Bratwurst zur Impfung zu locken?", schreibt ein Twitter-User. Eine andere Nutzerin schreibt: "Stell Dir vor, Du bist Top-Virologe an der Charité Berlin und leistest seit Monaten Aufklärungsarbeit zum Thema Impfungen, aber am Ende werden die Menschen durch eine Bratwurst überzeugt."

Für viele andere zählt aber nur das Endergebnis: Mehr Menschen lassen sich impfen. Auch Politiker wie Olaf Scholz sprechen sich für das Konzept Bratwurst-Impfung aus. "Wir müssen die Impfung jetzt an die Leute bringen und so viele Bürgerinnen und Bürger wie möglich davon überzeugen, sich impfen zu lassen. Lebensnahe Angebote gehören dazu", so Scholz auf Twitter. Auch der stellvertretende FDP-Vorsitzende Johannes Vogel hielt gegen den Spott über die Impfaktion: "Genau solche kreativen Lösungen brauchen wir - egal ob #Bratwurst, Impfparty oder Supermarkt!" Die Satire-Partei Die Partei schaltete sich übrigens ebenfalls ein: Martin Sonneborn postete ein Wahlplakat mit der Aufschrift "Thüringen? Bratwurst" mit den Worten: "Ich hatte ganz vergessen, dass die #Bratwurst-Kampagne von uns ist… Smiley!"

Politikberater Erik Flügge nutzte die Diskussion dagegen, um auf ein wichtiges Thema aufmerksam zu machen: Impfaktionen wie in Sonneberg sind gerade für ärmere Familien wichtig sind. "Hier heißt die Rechnung: Bratwurst = gespartes Mittagessen + was Besonders für die Kinder + endlich auch geimpft = Hingehen. Würde auch mit Fritten und kostenfreier Hüpfburg funktionieren. Muss nicht Wurst sein", schreibt Flügge. Dieser Ansicht schließen sich auch zahlreiche andere Twitter-Nutzer an und fordern mehr Impfaktionen oder sogar Impffeste für Familien.

Seit drei Tagen hält sich das Thema Bratwurst nun schon in den Trend-Themen bei Twitter. Neu sind Anreize wie Gratis-Essen oder Getränke bei der Corona-Impfung jedoch nicht. Das in Thüringen erstmals angebotene "Bratwurst-Impfen" ist eine von mehreren Ideen, mit denen das  Land der zunehmenden Impfmüdigkeit begegnen will. Dazu gehören nach Angaben des Gesundheitsministeriums auch Impfangebote bei Fußballspielen des Viertligisten FC Carl Zeiss Jena und nächtliche Impfaktionen etwa in Leinefelde (Eichsfeld).

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