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Hier werden Kunden ausgetrickst - dreiste Verkaufsmaschen erhalten Schmähpreis

Der Schmähpreis "Goldener Windbeutel" wurde auch dieses Jahr wieder an Lebensmittelanbieter verliehen - und bringt sie in Erklärungsnot. Diese würden gewollt falsche Images erzeugen, um Kunden in die Irre zu führen. Dieses Jahr auf Platz Nummer Eins: "Grünländer Käse" von Hochland.
 
Lebensmittel/ Supermarkt
Nicht alles ist so wie es scheint - und manchmal ist eben doch nicht alles drin was draufsteht - oder doch? Foto: Alexas_Fotos/ Pixabay

Das in der Lebensmittelindustrie bewusst getrickst wird, ist eigentlich nichts Neues. Auch viele Kunden wissen mittlerweile, dass nicht immer drin steckt, was darauf steht. Auch dieses Jahr haben Anbieter wieder ganz bewusst mit falschen Aufmachungen geworben, um Kunden vom Kauf ihrer Produkte zu überzeugen. Der Schmähpreis "Goldener Windbeutel" ehrt deswegen jährlich die Hersteller, die besonders stark auf die Täuschung der Kunden abziehen. Auf Platz eins im Jahr 2020: "Grünländer Käse" von Hochland

Obwohl die Packung des "Grünländer Käse" eigentlich recht ansehnlich wirkt, wird hier besonders stark getrickst. Der Käse wirbt mit der Aussage,  dass man ausschließlich Milch von "Freilaufkühen" nutzen würde. Diese Aussage hat mit der Wahrheit leider wenig bis gar nichts zu tun. Kunden werden bewusst in die Irre geführt. Sie sollen das Gefühl bekommen, hier handle es sich um ein Produkt von Kühen, die freilaufend auf der Weide die frische Landluft genießen. Dem ist allerdings nicht so -  liest man hinten auf der Packung das Kleingedruckte, findet man schnell heraus, dass der Hersteller die Milch von Stallkühen verwendet. 

"Freilaufend" hat rein gar nichts mit "Freiheit" zu tun

"Freilaufend" und doch von Stallkühen? Beißt sich das nicht? - Nun ja, eigentlich schon, aber genau das ist es, was zum ersten Platz des "Goldenen Windbeutels" geführt hat. Denn das Wort "Freilaufend" ist eigentlich eine einzige Mogelpackung. "Freilaufend" hat keinesfalls etwas mit "Freiheit" zu tun, es bezieht sich lediglich darauf, ob sich die Kühe frei bewegen können. Somit sind Stallkühe, die sich im Stall frei bewegen können, aus Sicht des Herstellers ebenfalls "freilaufend". Ziemlich heimtückische Masche - das fanden auch 78 Prozent der Verbraucher, die an einer Umfrage von Foodwatch teilnahmen.

Laut spiegel.de führte diese Umfrage dazu, dass Hochland den Schmähpreis 2020 verliehen bekam. Annehmen wollte das Unternehmen ihn nicht. Obwohl in einer Online-Abstimmung mehr als 65.000 Menschen  deren Vorgehen als die "dreisteste Werbelüge" des Jahres bezeichneten. Der Titel ist aber noch nicht alles: Die bewusste Irreführung von Hochland verstößt gegen Artikel 16 der EU-Basisverordnung. Demnach darf die Aufmachung von Lebensmitteln Verbraucher nicht in die Irre führen. Hochland weist die Anschuldigungen zurück und beteuert dem Spiegel gegenüber, dass der Begriff nicht irreführend sei, da sich die Kühe im Stall ja schließlich frei bewegen können. Außerdem verweist Hochland auf eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK, welchem zufolge das Produkt den Erwartungen der Befragten entsprach. 

Hochland ist allerdings nicht der einzige Lebensmittelhersteller, der ein falsches Image verkauft. Auf Platz zwei der Abstimmung wurde der "Volvic Bio Rooibos Tee" gelistet, gefolgt von der haltbaren "Weidemilch" von Arla. Auf Platz vier ist der Fruchtaufstrich mit "50 Prozent weniger Zucker" von Zentis. Auch wenn die Art und Weise, wie Lebensmittelhersteller ihre Kunden zu manipulieren versuchen, eigentlich recht banal ist, klappt es doch immer wieder.

Die Tricks in der Lebensmittelbranche werden immer ausgefallener

Manipulation in der Werbung ist allerdings nichts Neues. Laut utopia.de gehen 60 Prozent der Kaufentscheidung damit einher, ob ein Kunde eine Verpackung ansprechend findet oder nicht. Nicht zuletzt, weil die Konkurrenz immer stärker wird, versuchen viele Anbieter die letzten Schlupflöcher zu finden, um ihr Produkt in das rechte Licht zu rücken. Ähnlich wie es Hochland bei der Verpackung tut, beschreibt der Verpackungstechniker Professor Hans Demnanowski, das Einsetzen der Farbe Grün als "Greenwashing": Dieses sorge dafür, dass der Kunde ein Produkt oder deren Produktion augenblicklich als gesund oder umweltfreundlich einstuft. Selbst, wenn das überhaupt nicht der Fall ist. 

Auch wird versucht, alle Zweideutigkeiten und Geheimtricks zu nutzen, um so mehr Kunden vom Kauf zu überzeugen. Demanowski zeigt das am Beispiel des Wortes "bar" wie zum Beispiel "recycelbar" oder "abbaubar". Laut Ansicht des Professors sollte man sofort spitzohrig werden, wenn ein Hersteller mit derartigen Bezeichnungen wirbt. Denn hier wird beispielsweise mit biologisch abbaubaren Verpackungen geworben, die das aber tatsächlich Grund dar nicht sind. Sie landen meistens trotzdem im Restmüll oder der Verbrennung.

Problematisch ist auch die übermäßige Zunahme an Gütesiegeln in der Lebensmittelbranche. Immer mehr Produkte erhalten ein solches Siegel, ohne dass es wirklich EU-konformen Vorstellungen entspricht. Wie das geht? Hersteller entwickeln einfach eigene Siegel und stellen für diese Kriterien auf, berichtet faz.de im Gespräch mit einem Markenberater. 

Hier wird ebenfalls getrickst 

Alle Produkte wollen als besonders umweltschonend, ressourcenschonend und gesund dargestellt werden. Der "Trend der Nachhaltigkeit" dominiert damit die Verkaufsmaschen.

  • Der Grünland-Käse hat demnach nichts mit freien Kühen auf der Weide zu tun
  • Volvics Tee ist nicht wirklich braun - die Farbe kommt von der Flasche
  • Arlas CO2-Verspechenbezieht sich nicht auf die Milch, sondern auf die CO2-Einsparung beim Milchkarton 
  • Der Fruchtaufstrich hat zwar weniger Zucker, kostet aber mehr, und das, obwohl der Zucker einfach durch Wasser ersetzt wurde. Man bekommt faktisch weniger, muss aber mehr zahlen.

Foodwatch will explizit gegen derartige Täuschungsversuche vorgehen. Dies scheitert aber meist an der Lebensmittelüberwachung selbst. Denn obwohl Foodwatch die Lebensmittelbehörden dazu dränge, gegen derartige Werbemachenschaften vorzugehen,  würden diese nicht genug dagegen unternehmen. Foodwatch will nun von der Lebensmittelbehörde in Kulmbach, welche für Hochland zuständig ist, bis zum 22. September eine eindeutige Reaktion sehen, ansonsten würden sie gegen die Behörde klagen.