• Wieso gibt es derzeit so viele Gewitter?
  • Gewitter entstehen, wenn warme, feuchte Luft auf kalte Luft trifft
  • Derzeit besondere Wetterlage über Deutschland: Diese Faktoren steigern das Gewitterrisiko

Der Juli 2021 ist bisher stark von Unwetter geprägt und auch in den kommenden Tagen gibt es keine Aussicht auf Besserung. Besonders in Bayern sorgen Gewitter und Starkregen, teils mit Hagel, für Chaos: Straßen werden überschwemmt, Keller laufen voll, Bäume stürzen um. Doch was ist der Grund dafür, dass sich die Unwetter in letzter Zeit so häufen?

Wieso gewittert es aktuell so oft? Das steckt dahinter

Im Grunde sind Gewitter im Sommer nichts Besonderes. Laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) treten vor allem zwischen Mai und August öfters Unwetter auf. Grund dafür ist, dass in dieser Zeitspanne auch die Sonneneinstrahlung am stärksten ist. Dadurch wird die Luft am Boden sehr heiß, steigt nach oben und vermischt sich dort mit kälterer Luft - was wiederum für Gewitter sorgt. Dabei ist die Rede von einer "Instabilität der vertikalen Schichtung der Atmosphäre". Das kann zum Beispiel auch durch die Anhebung der Luft an Gebirgen oder an einer Wetterfront passieren.

Auch die Luftfeuchtigkeit spielt eine wichtige Rolle, denn erst, wenn die feuchte Luft nach oben steigt und kondensiert, bilden sich Wolken. Unwetter-Wolken, Cumulonimbus genannt,  können aufgrund ihrer Größe mehrere Millionen Tonnen Wasser enthalten. Die Folgen: Starkregen oder sogar Hagel. Letztere entsteht durch die starken Winde, die in den Wolken herrschen. Die Regentropfen wirbeln in eine Höhe, wo die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt liegen. Irgendwann sind sie dann so schwer, dass sie gefroren zu Boden prasseln.

Alle diese Faktoren, die das Gewitterrisiko steigern, spielen aktuell in Deutschland zusammen. Zum einen liegt es an der allgemeinen Wetterlage in Europa: Im Süden Europas wie Spanien oder Italien, aber auch im Osten, zum Beispiel Österreich oder Tschechien, ist es extrem heiß. In Deutschland und dem restlichen Nordwesten Europas ist die Luft dagegen kühler und feucht. In den Regionen, in denen die Luftmassen aufeinander treffen, kann es dadurch heftig gewittern. Deutschland liegt eben genau an so einer Grenze.

Polarjet steigert ebenfalls Risiko für Gewitter

Wie die Wetterkarten zeigen, sorgt auch der Jetstream für mehr Unwetter, vor allem in Bayern: Das Starkwindband liegt derzeit genau über dem Freistaat und verdrängt die heiße Luft. Ein weiterer Faktor ist die hohe Luftfeuchtigkeit. Der Juni war einer der drei heißesten Juni-Monate seit Beginn der Wetteraufzeichnungen und auch der Juli ist trotz Unwetter recht warm geblieben. Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen und so steigen wieder die Chancen auf Unwetter.

Zusammengefasst kann man also sagen: Gewitter kommen im Sommer grundsätzlich häufiger vor. Derzeit kommen in Deutschland aber besonders viele Faktoren zusammen, die Gewitter begünstigen, von der Hitze in Europa über den Polarjet bis zur hohen Luftfeuchtigkeit. Vorerst müssen wir wohl für weitere Unwetter gewappnet bleiben.

Spielt das Wetter 2021 verrückt oder kommt es uns nur so vor? Wir haben uns die Wetter-Daten der vergangenen 50 Jahre genauer angesehen.