Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert zusätzliche Bildungsinvestitionen von jährlich 40 Milliarden Euro. Das Geld sei nötig, um von der Politik selbst formulierte Aufgaben wie Ganztagsschulen, kleinere Klassen und gemeinsames Lernen mit Behinderten umzusetzen, sagte der bisherige GEW-Bundesvorsitzende Ulrich Thöne am Mittwoch beim Gewerkschaftskongress in Düsseldorf. Mehreinnahmen durch Steuererhöhungen für Reiche könnten nach den Vorstellungen Thönes zweckgebunden in die Bildung fließen.

Quer durch alle Schulformen habe Deutschland im europäischen Vergleich mit durchschnittlich 17 Schülern pro Lehrer die schlechteste Unterrichtssituation, kritisierte der Gewerkschafter. Frankreich habe nur etwa 14 Schüler pro Lehrer, die Niederlande im Schnitt 16. «Wenn die Bundesrepublik den Anschluss an das europäische Spitzenniveau schaffen will, müssen die öffentlichen Ausgaben für Bildung auf sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen», forderte Thöne. Bislang seien es nur 5,3 Prozent.

Das Steuerkonzept der GEW, die mit rund 260 000 Mitgliedern zu den kleineren Gewerkschaften zählt, hat große Schnittmengen mit den Kernforderungen von SPD und Grünen. Eine Parteien-Empfehlung zur Bundestagswahl werde die rund eine Viertelmillion Mitglieder starke Gewerkschaft aber nicht abgeben, sagte Thöne, der acht Jahre lang Vorsitzender der GEW war.

Am Nachmittag begann in Düsseldorf die Wahl eines neuen Vorstandes, für den Thöne nicht mehr kandidiert. Um seine Nachfolge bewerben sich zwei Kandidaten: Das langjährige GEW-Bundesvorstandsmitglied für Jugendhilfe und Sozialarbeit, Norbert Hocke (61), und das Mitglied des GEW-Landesvorstandes in Schleswig-Holstein, Marlies Tepe (59). Ob die Ergebnisse der Vorstandswahl noch am Donnerstag komplett vorliegen oder erste am Freitag, war am späten Nachmittag unklar.