Bonn

Geschlagen, gedemütigt, vergewaltigt: Ehepaar soll junge Frau über Monate misshandelt haben

Schläge mit dem Gürtel, Vergewaltigungen in der Badewanne: Eine junge Frau soll im Haus eines Ehepaares nahe Bonn immer wieder misshandelt worden sein.
Artikel drucken Artikel einbetten
Schläge mit dem Gürtel, Vergewaltigungen in der Badewanne: Eine junge Frau soll im Haus eines Ehepaares nahe Bonn immer wieder misshandelt worden sein. Symbolfoto: ninocare/pixabay
Schläge mit dem Gürtel, Vergewaltigungen in der Badewanne: Eine junge Frau soll im Haus eines Ehepaares nahe Bonn immer wieder misshandelt worden sein. Symbolfoto: ninocare/pixabay

"Er soll", "er", "er". Richter Klaus Reinhoff wiederholt die Worte ganz bewusst. Ihm gegenüber hat am Landgericht Bonn eine Zeugin Platz genommen, die gerade eine Aussage macht. Links von ihm sitzt am Dienstag die Angeklagte in dem Prozess. Der 29-Jährigen wirft die Staatsanwaltschaft vor, gemeinsam mit ihrem inzwischen verstorbenen Ehemann eine junge Frau vergewaltigt zu haben. Ihr Ehemann, das ist der "Er", den Richter Reinhoff meint. Sein Tod macht den Prozess kompliziert. Er ist eine zentrale Figur in diesem Fall.

Die Anklage geht davon aus, dass es in dem Haus des Paares im Ort Ruppichteroth an der Grenze von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz immer wieder zu den schlimmen Misshandlungen kam. Die junge Frau soll 2013 und 2014 mehrere Monate bei den Eheleuten gelebt haben. Insbesondere der Mann habe sie regelmäßig geschlagen, um sie "hörig zu machen", mit "Kochlöffeln, Reitgerten und Gürteln". Zudem sei die Frau gezwungen worden, sich in die Badewanne zu legen. Dabei sei auch die Ehefrau beteiligt gewesen. Mit erniedrigenden sexuellen Handlungen habe das Paar die Frau "säubern" wollen.


Ehemann starb im Mai 2017


Der einst angeklagte Mann erkrankte vor dem ursprünglich für Mai 2017 geplanten Prozess, mittlerweile ist er gestorben. Seine Witwe muss sich am Dienstag daher alleine dem Vorwurf der Vergewaltigung in zwei Fällen stellen. Verteidiger Peter-René Gülpen erklärt, seine Mandantin werde sich zunächst nicht dazu äußern.

Auch das Opfer, das zur Tatzeit laut Gericht 23 Jahre alt war, spricht am ersten Prozesstag noch nicht. Die Aussage der Frau soll später folgen. Ihre Anwältin Dagmar Schorn berichtet aber, wie sie den Ablauf schildert. Ihre Mandantin habe das Paar über eine Bekannte bei einem Feuerwehrfest kennengelernt. "Sie hatte zu dieser Zeit keine Bleibe", sagt sie. Daher sei sie bei den Eheleuten eingezogen.

Das Ehepaar habe ihr helfen wollen. In dem Haus sei es aber "ganz anders ausgeartet", sagt Schorn. Zeitweise sei sie auch eingesperrt gewesen. "Dann, wenn sie an das Bett gefesselt wurde. Und das war immer dann der Fall, wenn sie blaue Flecken hatte, die man nicht nach außen zeigen konnte." Irgendwann sei ihr die Flucht gelungen.

 


Ähnlich wie im "Horrorhaus Höxter"?


Als der Fall 2016 bekannt wurde, zogen einige Beobachter Parallelen zum sogenannten Horrorhaus von Höxter, in dem zwei Frauen infolge von Quälereien starben. Verteidiger Gülpen tritt dem allerdings entgegen. Er halte das für unsachlich. "Es ist niemand zu Tode gekommen, niemand wurde im Keller angekettet", sagt er der dpa.

Ein Problem bei der Beweisführung: Laut ihrer Anwältin waren bei der jungen Frau körperlich keine Folgen mehr nachweisbar, als sie zur Polizei ging. Für das Gericht entscheidend ist daher ihre Aussage der Frau. "Meine Mandantin ist im Vorfeld einer Glaubwürdigkeitsbeurteilung unterzogen worden, wo man zu dem Ergebnis kam, dass ihre Aussagen auf einem realen Erlebnishintergrund beruhen", betont ihre Anwältin.

 

Verwandte Artikel