Anger erhielt 234 von 290 gültigen Stimmen. Damit rückt der Leitende Angestellte einer Software-Entwicklungsfirma nach sechs Monaten erneut an die Spitze der Hauptstadt-Piraten, die seit Herbst vorigen Jahres im Abgeordnetenhaus vertreten sind.

Vorgänger Hartmut Semken war nach nur drei Monaten wegen diverser Affären zurückgetreten. Anger ist als Landesvorsitzender für die nächsten 400 Tage gewählt. Beim Parteitag Ende Februar hatte er die Piraten durch seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur überrascht. «Ich ertrage diese emotionale Belastung nicht mehr», sagte er damals. Danach war er so frustriert, dass er nach eigenem Bekunden kurz vor dem Parteiaustritt stand. Er sei vor allem so enttäuscht über die Arbeit der Fraktion gewesen, dass er eigentlich nur den Rat geben könne, die Piraten nicht mehr zu wählen, sagte Anger in Interviews.

Anger begründete seine Bewerbung nun vor allem damit, dass die Piraten sich angesichts ihrer auf rund 3800 fast verdreifachten Mitgliederzahl besser organisieren müssten. Er empfahl einen dritten Weg zwischen Weiterwursteln wie bisher und Anpassung an die etablierten Parteien. Anger will alle Informationen über die Piratenpartei «nachvollziehbar und unmittelbar veröffentlichen und sowas wie OpenGovernment machen». Er wolle aber nicht gewählt werden, wenn von ihm als Chef erwartet werde, dass er seine Familie, seine Freunde und seinen Beruf ständig vernachlässige, hatte Anger vor seiner Wahl gesagt.

Semken übte deutliche Selbstkritik. Er ging in seinem kurzen Rechenschaftsbericht allerdings inhaltlich nicht auf seine Fehler ein. Er war wegen diverser Affären und heftig kritisierter Äußerungen zum Umgang mit Rechtsradikalen in der Piratenpartei zurückgetreten.