«Selbst ablehnende Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts erfüllen in der Regel eine wichtige Funktion: Befriedung», sagte Gauck am Donnerstag in Karlsruhe. Das Gericht vergebe eine Art «Gütesiegel» - nach dem Prinzip: «Wenn das Bundesverfassungsgericht nichts auszusetzen hat, dann muss es in Ordnung sein.» So sei es auch nach der Entscheidung zum Rettungsschirm gewesen.

Das Gericht hatte am 12. September mehrere Eilanträge gegen die Ratifizierung des ESM-Vertrags im Wesentlichen abgewiesen und den Weg für den permanenten Euro-Rettungsschirm - mit Vorbehalten - frei gemacht. Vor der Entscheidung hatte das Gericht Gauck öffentlich dazu aufgefordert, mit der Unterzeichnung des Gesetzes zum Euro-Rettungsschirm zu warten, bis die Richter über die Eilanträge entschieden hatten. Sollte es dabei je Verstimmungen zwischen dem Präsidenten und den Richtern gegeben haben, so war davon beim Antrittsbesuch Gaucks in Karlsruhe nichts zu spüren.