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"Fridays gegen Altersarmut": Rentner protestieren im Netz - Facebook-Gruppe formiert sich

Fast jeder fünfte Rentner ist in Deutschland armutsgefährdet - Tendenz: steigend. Die Politik propagiert die Grundrente als Problemlösung. Zeitgleich formiert sich Protest im Netz: "Fridays for Altersarmut".
 
Laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsförderung könnte der Anteil armutsbedrohter Rentner bis 2039 von 16,8 auf 21,6 Prozent steigen. Symbolfoto: Adobe Stock/perfectlab
Laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsförderung könnte der Anteil armutsbedrohter Rentner bis 2039 von 16,8 auf 21,6 Prozent steigen. Symbolfoto: Adobe Stock/perfectlab
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Das ganze Leben in Vollzeit gearbeitet, aber keine Rente, die ausreicht. Mit dieser Problematik sehen sich viele Senioren in Deutschland konfrontiert. Das Thema Altersarmut ist aktueller denn je. Einer Studie der Bertelsmann Stiftung zufolge, könnte sich das Problem bis 2039 sogar noch verschlimmern. Demnach könnte der Anteil armutsbedrohter Senioren von 16,8 Prozent auf 21,6 Prozent ansteigen. Mehr als jeder fünfte Rentner befände sich somit in Altersarmut.

Die Bundesregierung will dem Problem mit der sogenannten Grundrente entgegenwirken. CDU/CSU und SPD brachten erst kürzlich einen Kompromiss als Gesetzesentwurf auf den Weg. Zeitgleich formiert sich Protest in den sozialen Medien. Auf Facebook, Instagram und Twitter gewinnt eine Gruppe rasant an Unterstützern: "Fridays gegen Altersarmut".

 

"Fridays gegen Altersarmut": Wer und was steckt dahinter?

Mehr als 33.400 Mitglieder zählt mittlerweile die größte der "Fridays gegen Altersarmut"-Gruppen auf Facebook. Sie wurde Ende September 2019 erstellt und wächst täglich. Ziel der Gruppe sei es, so viele Menschen wie möglich auf das Thema Altersarmut aufmerksam zu machen, heißt es darin. "Wir können uns selbst zur Lobby machen, in dem wir so viele Menschen wie möglich für unsere Bewegung gewinnen" schreiben die Organisatoren.

Ziel sei es zudem, den Protest auf die Straße zu tragen. Bisher kommt es in deutschen Innenstädten eher verhalten zu Demonstrationen gegen Altersarmut. Vorbild der Bewegung dürfte nicht nur wegen der namentlichen Orientierung, "Fridays for Future" sein, sondern nicht zuletzt, weil diese Bewegung regelmäßig Tausende mobilisiert. Bereits Ende November 2019 kommt es zum nächsten Protest, dem Weltklimastreik. Auch in Franken ruft "Fridays for Future" zu Demonstrationen auf. Die Proteste der Klimaschutz-Bewegung sind aktuell in aller Munde. Allerdings formiert sich dazu auch eine Gegenbewegung: "Fridays for Hubraum".

Thematisch trifft die "Fridays gegen Altersarmut" den Nerv der Zeit: Einer Umfrage der Beratungsagentur "Ernst & Young" zufolge, machen sich 56 Prozent der Deutschen Sorgen um ihre finanzielle Versorgung im Alter. Dieser Wert stieg im Vergleich zum Vorjahr um 18 Prozentpunkte an.

 

Erst kürzlich hat der Chef der "Tafel Deutschland" Alarm geschlagen: 1,65 Millionen Menschen gehen derzeit regelmäßig zur Tafel, sagte Jochen Brühl der Deutschen Presse-Agentur. Eine Hochrechnung ergab, dass dieser Wert innerhalb eines Jahres um zehn Prozent angestiegen ist. Insbesondere in der Gruppe der Rentner ist ein starker Anstieg zu verzeichnen: Um 26 Prozentpunkte stieg dieser an. "Das ist natürlich sehr erschreckend, weil wir wissen, dass viele Menschen, die Rentnerinnen und Rentner sind, sich oft schämen, Leistungen in Anspruch zu nehmen", sagte Brühl.

In der Tafel arbeiten in der Regel Ehrenamtliche. Eine davon ist Edda Kroos, sie engagiert sich im oberfränkischen Coburg gegen Armut.

Video: Jedem Fünften droht Altersarmut