Bamberg
Klima-Debatte

Fridays for Hubraum: So tickt der Gründer hinter der Bewegung

Die "Fridays for Future"-Proteste sind derzeit in aller Munde. Aktuell wächst eine Gegenbewegung heran: "Fridays for Hubraum" gründete sich am vergangenen Wochenende. Zwischenzeitlich war die Facebook-Gruppe deaktiviert, seit Freitag ist sie wieder online - und nun hat sich auch der Gründer erstmals zu Wort gemeldet.
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Fridays for Hubraum: Via Facebook wächst derzeit der Protest gegen den Protest. Viele Autofahrer fühlen sich als Sündenbock in der Klimaschutz-Debatte. Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpa
Fridays for Hubraum: Via Facebook wächst derzeit der Protest gegen den Protest. Viele Autofahrer fühlen sich als Sündenbock in der Klimaschutz-Debatte. Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpa
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Seit 2018 gehen Menschen freitags für das Klima auf die Straße. Zunächst verliehen vor allem Schüler bei "Fridays for Future"-Demonstrationen ihrem Protest Ausdruck und kritisierten die aktuelle Politik. Insbesondere Greta Thunberg rückte dadurch in den Fokus der Öffentlichkeit. Die 16-Jährige Schwedin stieg zur Anführerin einer Bewegung auf, die weltweit für Aufsehen sorgt. Zuletzt versammelten sich Bürger jeglicher Altersklassen auf Demonstrationen in den Städten der Republik.

Die Demonstranten fordern eine radikale Wende der Klimapolitik. Dabei rückten unter anderem SUV - "Sport Utility Vehicles", kurz: Geländelimousinen, Stadtgeländewagen - in den Fokus. Die Autos wurde teilweise alleine für den Wandel des Klimas verantwortlich gemacht. Die Kritik an SUVs ist grotesk und lenkt von den wahren Problemen ab, meint unser Autor: Ein Kommentar zur Debatte.
Der Hintergrund: "Verbotskultur" und "Tugendterror" - gibt es in Deutschland eine neue Lust am Verbot?

Update vom 1. Oktober 2019: So tickt der Gründer der Bewegung

Nach der Reaktivierung der "Fridays for Hubraum" Facebook-Gruppe, hat sich nun erstmals der Gründer der Bewegung zu Wort gemeldet. In einem YouTube-Interview erklärt Autotuner Chris Grau, wie "Fridays for Hubraum" entstanden ist und mit welcher Absicht er die Gruppierung ins Leben gerufen hat.

Angefangen habe das Ganze als Witz im Internet. Aus dem Scherz heraus habe ein Freund die Gruppe gegründet und Chris zum Administrator gemacht. Der Erfolg und der Zuspruch kamen dann von ganz alleine.

Doch mit der steigenden Zahl an Gruppenmitgliedern kamen es auch immer wieder zu "krassen Vorfällen": "Wir waren völlig platt davon, wie radikal manche Menschen sind und wie asozial. Die haben auf Greta rumgehauen, das glaubt man nicht. Das geht gar nicht, das muss alles wieder weg. Das meiste haben wir ja sofort gelöscht."

Dennoch seien die Administratoren der Gruppe mit der Moderation überforder gewesen, weswegen die Gruppe vorerst geschlossen werden musste. "Die Menschenmenge zeigt uns, dass sehr viele Menschen so denken wie wir. Wir wollen damit richtig umgehen, und darum machen wir die Gruppe auch wieder auf."

Zur Politik bezüglich des Klimawandes hat Grau eine klare Meinung: "Wir haben klar Probleme mit dem Klima." Allerdings seien Lösungsansätze, die ihre Kosten auf den Bürger abwälzen keine Lösung. "In unserer Gruppe das sind tolle Menschen, die nur einfach die Schnauze voll haben, dass sie wieder zahlen sollen."

Auch gegenüber dem WDR gab Chris Grau einige Statements. Dort sprach der Autotuner über seinen Konflikt mit der "Fridays for Future"-Bewegung: "Man muss gucken, dass man die Fronten wieder weicher kriegt. Eine Gesellschaft kann nicht funktionieren, wenn zwei völlig radikalisierte Seiten aufeinander losgehen."

Update vom 28. September 2019: "Fridays for Hubraum"-Facebook Gruppe reaktiviert

Aufgrund von fragwürdigen Posts und rechtsextremen Vorwürfen wurde die offizielle Facebook-Gruppe der "Fridays for Hubraum"-Bewegung für kurze Zeit archiviert. Am Freitag (27. September 2019) wurde die Gruppe allerdings wieder freigegeben und ist somit wieder offiziell online. Am Sonntagabend hatte die Gruppe bereits mehr als 510.000 Mitglieder.

Um den Vorwürfen und der Hetze entgegenzuwirken, beschlossen die Administratoren klare Regeln aufzustellen. In einem Post nach der Reaktivierung heißt es:

"Es herrschen ganz klare Regeln in dieser Gruppe und leider werden diese von sehr vielen nicht berücksichtigt.

Unter anderem werden Morddrohungen ausgesprochen, fragwürdige Texte gepostet, einfach Werbung für Merchandise Artikel geschaltet und zu guter letzt sogar Spendengelder gesammelt ( Mit denen wir nichts zu tun haben). Von Rechtem Gedankengut mal ganz abgesehen. Deshalb räumen wir auf! So geht das nicht. Danach ist die Gruppe wieder offen. Alle Anfragen werden kontrolliert und die Postings werden von uns kontrolliert.

Weiterhin möchten wir von euch, daß ihr bitte zur Unterstützung, Regelverstösse meldet. Nur so geht es, denn wir wollen etwas erreichen. Das können wir nur zusammen als Einheit. Kanalisiert eure Wut doch bitte nicht auf ein 16 Jahre altes Mädchen, was soll sowas? Und Rechte Hetze geht gar nicht!!"

Somit ist die Gruppe zwar wieder offiziell online, allerdings nicht mehr für jeden zugänglich. Ab wann die Gruppe wieder der Öffentlichkeit zur Verfügung steht, bleibt abzuwarten.

Erstmeldung:

Fridays for Hubraum: Gegenbewegung mobilisiert sich

Autofahrer geraten im Streit um Klimapolitik in die Schusslinie. Vielen Autoliebhabern geht das gegen den Strich. Ein Gefühl von schwindender Freiheit schwingt mit. Einschränkungen im Straßenverkehr werden gemunkelt. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, haben Gegner der "Fridays for Future"-Bewegung am Sonntag (22. September 2019) eine Gruppe auf Facebook ins Leben gerufen. Ihr Titel: "Fridays for Hubraum". Ihr Ziel: "Diese Gruppe möchte dem überhandnehmenden Klimawahn mit Spaß entgegentreten." Parolen, wie "Klimahysterie beenden" waren zu lesen. Ins Zentrum der Kritik rücken dabei Fahrverbote, CO2-Steuern oder Umweltzonen in deutschen Städten.

Die Facebook-Gruppe wuchs seitdem rasant. Am Dienstag (24. September 2019) befanden sich schon über 80.000 Menschen darin. Am Mittwoch erreichte die Gruppe einen Meilenstein: Über 350.000 Menschen waren der Gruppe bereits beigetreten. Einer der Administratoren schrieb daraufhin: "Mit diesem Wachstum hätte niemand im Ansatz gerechnet." Diese Mitgliedermenge brachte jedoch auch Tausende Posts und Kommentare mit sich.

Zwar schrieb einer der Moderatoren noch am Dienstag, dass sich "Fridays for Hubraum" alle Mühe gebe, die Gruppe frei von Diskriminierungen, Hassbotschaften und Beleidigungen zu halten. Diesem Anspruch wurden die Administratoren jedoch nicht gerecht. In den Kommentarspalten tummelten sich neben Fotos von Autos und Motoren auch zahlreiche grenzwertige Bildmontagen, die beispielsweise Greta Thunberg zeigten, oder geschmacklose Beleidigungen gegen Politiker, wie Angela Merkel.

Neben dem Vorwurf, dass die Gruppenbetreiber mit der Datenmenge überfordert waren, müssen die Administratoren auch in Schutz genommen werden, da die Motivation zum Zeitpunkt der Gruppeneröffnung keineswegs dem Endprodukt an Beleidigungen und Hetze entsprach. Am Mittwochabend erklärten die Gruppenbetreiber schließlich, dass die Gruppe archiviert werde. Das bedeutet, dass auf unbestimmte Zeit nichts mehr in der Gruppe gepostet oder kommentiert werden kann. Einer der Administratoren begründete dies damit, dass zu viele fragwürdige Inhalte mit zum Teil rechtsextremem Gedankengut bis hin zu Morddrohungen eingegangen seien.

Kritik an Fridays for Future: Was schlägt Fridays for Hubraum vor?

Umweltschutz, aber "mit Verstand": Die Initiatoren und Unterstützer kritisieren die Protestbewegungen "Fridays for Future". Die Kritik bleibt allerdings allgemein. Die Gründer forderten die Mitglieder bei der Gruppeneröffnung auf, einen Baum zu pflanzen und ein Beweisbild davon zu posten. Dabei blieb es. Keine weiteren politischen Forderungen folgten. Parolen wie "es müsse endlich wieder Vernunft herrschen" schwirrten durch die Gruppe. Neben dem moralischen Appell für Umweltschutz, blieb es jedoch relativ unkonkret. Klare politische Statements oder Forderungen waren nicht zu finden.

Neben dem Aufruf, einen Baum zu pflanzen und das Foto hochzuladen, bestand das vorrangige Ziel der Facebook-Seite, mehr Mitglieder zu haben als die "Fridays for Future"-Seite, Likes. Zum Vergleich: Die "Fridays for Future Deutschland"-Seite hat aktuell 77.340 Gefällt-mir-Angaben. Dieses Ziel hat die "Fridays for Hubraum"-Gruppe jedenfalls erreicht.

Video: Zehntausende demonstrieren in Franken für Klimaschutz