Berlin
Klimaschutz

"Fridays for Future": Schüler fordern CO2-Steuer - Söder warnt vor Gelbwesten

Seit Wochen gehen "Fridays for Future"-Schüler für mehr Klimaschutz auf die Straße. Jetzt hat die Bewegung auch eine Agenda. Unter anderem wird eine CO2-Steuer gefordert. Bayerns Ministerpräsident lehnt eine solche Steuer ab und warnte vor einer "Gelbwesten"-Bewegung in Deutschland.
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Schüler beteiligen sich an der «Fridays for Future»-Klimademonstration in München. Foto: Sina Schuldt/dpa
Schüler beteiligen sich an der «Fridays for Future»-Klimademonstration in München. Foto: Sina Schuldt/dpa

Der Ort war bewusst gewählt: Im Berliner Naturkundemuseum künden riesige Skelette längst ausgestorbener Saurier davon, was Klimawandel und Umweltveränderungen anrichten können. Vor dieser Kulisse präsentierten Schüler der "Fridays for Future"-Bewegung für mehr Klimaschutz einen Katalog konkreter Forderungen an die Politik. Bevor hier nichts ins Rollen kommt, so die Botschaft, gehe der "Schulstreik" mit bundesweiten Demonstrationen jeden Freitag weiter.

Fridays for future-Demos sollen weitergehen - bis die Politik mehr für den Klimaschutz tut

So fordert das Bündnis, ein Viertel der deutschen Kohlekraftwerke noch in diesem Jahr abzuschalten. Das sei aufgrund der Überproduktion an "dreckigem Strom" hierzulande machbar. Zudem müsse der Kohleausstieg in Deutschland bis 2030 und nicht wie von der Kohlekommission vorgeschlagen erst 2038 realisiert werden. Der Ausstieg aus der Kohle als wichtige Quelle für das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) spiele eine Schlüsselrolle beim Klimaschutz, sagte Sebastian Grieme, einer der Sprecher der Bewegung.

Er forderte zudem eine CO2-Steuer auf klimaschädliche Treibhausgase. "Der Preis für den Ausstoß muss schnell genauso hoch sein wie die Kosten, die der heutigen und zukünftigen Generationen entstehen", sagte Grieme und verwies auf Berechnungen des Umweltbundesamtes. Demnach verursacht die Emission einer Tonne CO2 Schäden von rund 180 Euro. Umgerechnet auf den Ausstoß Deutschlands 2016 entspreche dies Gesamtkosten von rund 164 Milliarden Euro, hatte das Amt Ende vergangenen Jahres mitgeteilt.

Söder lehnt von Schülern geforderte CO2-Steuer ab und warnt vor "Gelbwesten"

CSU-Chef Markus Söder lehnt eine solche CO2-Steuer ab. "Eine rein nationale CO2-Steuer bringt erhebliche Unwuchten", sagte Bayerns Regierungschef dem "Münchner Merkur" und "tz" (Freitag). "Durch eine CO2-Steuer könnten wir in Deutschland eine Gelbwesten-Bewegung bekommen."

Söder kündigte an, Vertreter von "Fridays for Future" und Sprecher der Schulen im Mai zu einer Sondersitzung "eines Klimakabinetts" einzuladen. Mit den jungen Menschen wolle er besprechen, wie der Klimaschutz ökologisch und ökonomisch gestaltet werden könne.

Greta Thunberg gab den Anstoß für eine globale Bewegung

Seit Monaten gehen Schüler jeden Freitag auf die Straße und fordern mehr Einsatz der Politik für den Klimaschutz. Auch Wissenschaftler schlossen sich dem Anliegen an. Ihren Ursprung haben die Aktionen in Schweden, wo die Schülerin Greta Thunberg als Erste regelmäßig vor dem Parlament demonstrierte. Inzwischen ist daraus eine globale Bewegung geworden. Thunberg sprach Ende März vor gut 20.000 Schülern bei einer "Fridays for Future"-Demonstration in Berlin.

Bisher verwies das deutsche Schüler-Bündnis immer darauf, dass das Ziel einer Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad, das im Klimaabkommen von Paris als wünschenswert beschlossen wurde, nicht gerissen werden dürfe. Andernfalls drohten unabsehbare Folgen für die Menschheit und - wie bei den Sauriern - das nächste "Artensterben".

Die nun formulierten Ziele sollen den Druck auf Politiker erhöhen. So müsse Deutschland bis 2035 seine Energieversorgung vollständig auf Erneuerbare umstellen, fordern die Schüler. Bis 2035 soll zudem beim Ausstoß von Treibhausgasen die "Nettonull" erreicht sein - das Land also nicht mehr CO2 produzieren, als etwa durch die Natur oder Speichersysteme kompensiert werden kann.

Lesen Sie zu dem Thema auch unseren Kommentar: Hört auf zu jammern, die Schüler haben recht!

"Die vergangenen Monate haben gezeigt, wir haben gesellschaftlichen Einfluss", sagte Schülersprecher Linus Steinmetz. "Die Erwachsenen haben das größte Problem unserer und kommender Generationen verursacht und machen nun keine Anstalten, dieses Problem zu lösen." Der Schülerstreik höre erst auf, wenn konkrete Taten der Politiker folgten. "Nur Dialog reicht uns nicht", betonte Grieme.

Nach Einschätzung von Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin und Mitglied der "Scientists for Future", sind die Forderungen der Schüler "alle berechtigt" und umsetzbar. "Deutschland als eines der reichsten Länder muss seine Hausaufgaben machen und hat hier eine Vorbildfunktion."