Flensburg/Berlin

Flensburger Oberbürgermeisterin Lange will SPD-Chefin werden

Bewegung im Bewerberkarussell bei der SPD: Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange will für die Spitze ihrer Partei antreten. Sie sieht sich nicht in einer Außenseiterrolle. Andere sind noch in der Deckung.
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Simone Lange will SPD-Chefin werden
Simone Lange ist Oberbürgermeisterin von Flensburg. Foto: Fabian Sommer

Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange will erneut für den SPD-Vorsitz kandidieren. Die SPD-Politikerin tritt gemeinsam mit dem Oberbürgermeister von Bautzen, Alexander Ahrens, an.

«In einer Außenseiterrolle sehe ich mich nicht», sagte Lange der Deutschen Presse-Agentur. Sie fühle sich bestärkt durch das Ergebnis ihrer Kandidatur des vergangenen Jahres und trete deshalb erneut an. Somit gibt es nun drei Bewerberduos für den SPD-Vorsitz.

Lange war im April 2018 bei der Wahl zwar Andrea Nahles unterlegen, hatte mit 27,6 Prozent der Stimmen aber einen überraschenden Achtungserfolg erzielt. Die SPD müsse die große Koalition verlassen, sagte Lange. «Ich denke, wir sollten da so schnell wie möglich raus». Sie hält vorher aber eine erneute Mitgliederbefragung für nötig.

Die Kommunalpolitikerin Lange sieht Probleme vor allem in der Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland. Es stelle sich deshalb die «Umverteilungsfrage», sagte sie. Deutschland müsse sich ehrgeizige Ziele stecken, die soziale Sicherheit der Menschen sei ein Punkt. «Wir wollen im Jahr 2030 keine Obdachlosigkeit mehr in Deutschland.» Lange und Ahrens wollen der Partei Glaubwürdigkeit zurückbringen und ein unverwechselbares Profil verleihen. «Wir wünschen uns die Unterstützung der Kreisverbände», sagte Lange.

Kandidaten für die Nahles-Nachfolge an der SPD-Spitze können sich bis zum 1. September bewerben. Sie sollen sich dann in mehr als 20 Regionalkonferenzen bundesweit der Basis stellen, die in einer Mitgliederabstimmung über die Personalie befinden soll. Die formale Entscheidung trifft aber ein Parteitag.

Die einzigen Bewerber, die bisher die Mindestunterstützung von mindestens fünf Unterbezirken, einem Bezirk oder einem Landesverband haben, sind Europa-Staatsminister Michael Roth und die nordrhein-westfälische Landtagsabgeordnete Christina Kampmann. Bewerben wollen sich auch die Bundestagsabgeordneten Karl Lauterbach und Nina Scheer.

Roth und Kampmann, die den Wahlkampf bereits begonnen haben, treten mit dem Ruf nach mehr innerparteilicher Fairness an, nachdem der Rücktritt von Nahles vor zwei Monaten von reichlich Streit begleitet war. Die große Koalition sehen sie kritisch. Bereits als quasi gescheitert sehen Lauterbach und Scheer das Regierungsbündnis an.

Ahrens und Lange riefen in einer Videobotschaft zum Eintritt in die SPD auf. «Die Leute haben das Gefühl, dass die Parteien ganz weit von ihnen weg sind, und für die SPD gilt das im besonderen Maße leider», sagte Ahrens. «Wir kommen aus der kommunalen Ebene, aus dem direkten Kontakt mit den Menschen, und das wollen wir auch in die Bundespolitik mit einbringen.» Bereits in der Vergangenheit hatte es geheißen, dass Kandidaten aus dem kommunalen Bereich in der Partei Chancen hätten. Hier erzielte die SPD teils deutlich bessere Ergebnisse als zuletzt etwa bei der Europawahl mit 15,8 Prozent.

Die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Gesine Schwan erneuerte ihre Bereitschaft zu einer Kandidatur. «Allen, die mir vorwerfen, ich sei naiv, sage ich: Und wie weit habt ihr es gebracht mit eurer vermeintlichen Professionalität?», sagte sie dem Magazin «Der Spiegel».

In der SPD wird mit weitere Kandidaturen bis zum Ende der Bewerbungsfrist gerechnet. Dabei ist noch unklar, welche prominenten Politiker antreten. So hat Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil deutlich gemacht, dass er lieber in Hannover bleiben wolle, eine Kandidatur aber auch nicht ausgeschlossen. Ambitionen werden auch dem ebenfalls aus Niedersachsen stammenden Generalsekretär Lars Klingbeil nachgesagt. Genannt wird auch immer wieder Bundesfamilienministerin Franziska Giffey, die aber dem Ergebnis der Überprüfung ihrer Doktorarbeit wegen eines Plagiatsverdachts entgegensieht.