• Meteorologe: "Extreme Unwetter" am heutigen Freitag über Deutschland
  • Gewitter, Hagel, Platzregel, Orkanböen erwartet
  • Superzellen-Gefahr am Freitag
  • Wetter im Mai: "Große Hitze, schwere Unwetter" - als wäre man im Hochsommer

"Was für eine extreme Wetterwoche mitten im Mai", urteilt Wetterexperte Dominik Jung. "Hört man sich aktuell Wetterberichte an, so könnte man meinen, man sei mittendrin im Hochsommermonat Juli oder August. Große Hitze, schwere Unwetter. Dabei sind wir erst mitten im 'Wonnemonat' Mai." Nach den Unwettern im Westen und Süden Deutschlands am Donnerstag, die glücklicherweise ohne größere Schäden abliefen, erwartet Meteorologe Jung für Freitag "den großen Knall" mit extremen Unwettern in einigen Landesteilen. Stellenweise kann es zu Hagel, Platzregen und Orkanböen kommen. Sogar die Bildung von Tornados sei möglich, so Jung. Tipp: So kannst du die Gewitter-Entfernung einfach berechnen - wie weit ist es noch weg?

Unwetter-Warnung für Freitag: "Es wird heftig zur Sache gehen!"

Die für die aktuelle Jahreszeit rekordverdächtige Hitze ende am Freitag ab den Mittagsstunden "mit einem heftigen Wums", so Wetterexperte Jung. "Gewittertief Emmelinde zieht einmal von West nach Ost über Deutschland hinweg." Die Wettermodelle seien allesamt in Alarmbereitschaft, doch die Prognosen seien teilweise "erstaunlich". Laut Jung sagte das französische Wettermodell AROME eine Schneise der Verwüstung mit Böen von über 200 km/h einmal quer über Deutschland vorher. "Diese Rechnung war aber schnell wieder verschwunden." Trotzdem rechne dieses Modell auch heute mit heftigen Orkanböen. Auch das deutsche Wettermodell rechnet mit Orkanböen. Trotz der Ungenauigkeiten ist sich Jung sicher: "Fakt ist: Es wird irgendwo heftig zur Sache gehen, kurz, aber es kann ordentlich krachen!"

Am Freitagvormittag gelten für weite Teile Deutschlands Vorwarnungen zur Unwetterwarnung, erklärt Jung. "Ab 12 Uhr heute Mittag erreicht das Gewittertief Emmelinde den Westen Deutschlands und zieht dann einmal quer über Deutschland hinweg. Orkanböen, großer Hagel und Sturzregen sind möglich. Dabei gilt: Es wird nicht jeden treffen, aber dort wo ein Unwetter ablädt, kann es heftig werden. Das ganze dauert meist nur 1 bis 2 Stunden, dann ist es vorbeigezogen."

Der Meteorologe warnt: "Besonders die Sturm- und Orkanböen können Schäden verursachen. Bäume stürzen um, können Straßen und Bahnschienen blockieren. Die Bäume tragen aktuell schon ihr volles Laubkleid, da haben Sturm- und Orkanböen leichtes Spiel, wenn sie mit voller Wucht in die Bäume wehen. Selbst die Bildung von Tornados ist bei dieser Wetterlage möglich. Die Betonung liegt dabei auf möglich. Sie können auftreten, müssen aber nicht, sie können auch über unbewohnten Gebiet auftreten und keiner bekommt etwas mit. Das wäre dann auch besser so."

Höchste Warnstufe: Heute extreme Unwetter möglich

"Das Gewittertief zieht über Nachmittag weiter bis in den Osten", erklärt Dominik Jung. "Zum Abend kommt es dann in Berlin und Brandenburg an. Auch dort kann es Unwetter geben. Es sind heute auch extreme Unwetter möglich. Das wäre die höchste Warnstufe."

Dieses Unwetter sei jedoch nicht mit den Unwettern im Juli 2021 zu vergleichen. Damals sei schon Tage vorher klar gewesen, wo das riesige Dauerregenband liegen werde. Dieses Mal handele es sich um regional eingelagerte Gewitter. Die könne man im Vorfeld nur schwer auf einen Punkt genau lokalisieren.

"Trotzdem sollte auch diese Wetterlage nicht unterschätzt werden. Sie ist in den betroffenen Regionen lebensgefährlich“, so Diplom-Meteorologe Dominik Jung.

Eine gute Nachricht: Es wird ruhiger und schöner

"Morgen wird es wieder ruhiger und schöner", prognostiziert Jung. "Die Sonne kann sich wieder durchsetzen, die schwülen Luftmassen sind verschwunden. Heute Nachmittag kann es im Südwesten bis zu 34 Grad geben. Morgen erwarten wir dort maximal noch um die 25 Grad. Das ist für die Jahreszeit auch noch warm genug."

Auch der Sonntag sei meist schön bei einem Mix aus Sonne und Wolken, es werden bis zu 27 Grad erwartet. Zum Montag drohe dann aber neue schwüle Luft und auch eine neue Gewitterlage. "Im Tagesverlauf ziehen aus Südwesten neue Gewitter heran, teilweise auch wieder mit Unwetterpotential."

Ab Dienstag gehe es leicht wechselhaft weiter. Die Höchstwerte lägen dann um 16 bis 24 Grad.

"Bisher ist der Monat 3,3 Grad wärmer als das 30-jährige Klimamittel", erklärt Dominik Jung. "Es ist damit einer der wärmsten Mai-Monate seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Am Donnerstag (19.05.2022) gab es den bisher heißesten Tag des Jahres: 32,9 Grad wurden in Waghäusel gemessen. Heute könnten es im Südwesten sogar bis zu 34 Grad werden."

Ursprüngliche Meldung: Wetterprognose für die nächsten Tage - Sturzregen und Überschwemmungs-Gefahr

"Bis zu 34°C im Wonnemonat Mai! Das ist schon eine Hausnummer", schreibt Wetterexperte Jung. Dazu gibt es in dieser Woche immer wieder Platzregen mit Sturzflutgefahr. Wie immer, wird es dabei nicht jeden treffen. Viele kommen darum herum, bei anderen läuft der Keller aufgrund des Starkregens voll. Dazu ist es warm bis heiß und es wird zunehmend schwül und unerträglich - eine Wetterlage wie im Hochsommer.

Am Donnerstag und Freitag werden im Westen und Südwesten über 30 Grad erreicht. Mit der Hitze kommen dann auch die Blitze. Besonders am Donnerstag und Freitag können die Unwetter im Westen heftig werden. Stellenweise werden besonders von Nordrhein-Westfalen bis nach Hessen und Rheinland-Pfalz heftige Unwetterentwicklungen berechnet.  Jung sprach in diesem Fall von einer "ausgewachsenenen Schwergewitterlage". Der Norden von Rheinland-Pfalz habe dabei ein erhöhtes Potenzial für Superzellen und das auch wieder rund um das Ahrtal. Allerdings betont Jung: "Bei dieser Lage handelt es sich um eine klassische Gewitterlage, die lokale Unwetter bringen kann, also kein flächiges Ereignis sein wird, wie die Flutkatastrophe im Juni vergangenen Jahres."  

Die Unwetter können sich bereits am Donnerstag von Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Hessen, Bayern und Baden-Württemberg bis nach Berlin und Brandenburg erstrecken. "Starkregen, Hagel und Sturmböen wären hier möglich. Auch die Bildung von Tornados kann dabei nicht ausgeschlossen werden." Der Schwerpunkt dieses Wetter soll über Nordrhein-Westfalen liegen und sich im Laufe des Abends weiter ausbreiten.

"Lebensgefährlich": Potenzial für Superzellen und Tornadogefahr am Freitag

Am Freitag dann soll es auch Franken treffen, dann werden die Mitte und der Norden von Deutschland betroffen sein. "Besonders am Freitag ist die Wetterlage lebensgefährlich. Bitte wachsam sein und die Unwetterwarnungen verfolgen", warnt Jung. Besonders in NRW seien Orkanböen um 120 bis 130 km/h möglich. Dort sollte man besonders wachsam sein.

Nach den neusten Berechnungen wird es zum Samstag und Sonntag wieder etwas kühler, wir blieben aber immer noch im Bereich sommerlicher Luftmassen. Große Kälte oder gar die verspäteten Eisheiligen sind nicht in Sicht. Vielleicht baut sich sogar ein neues Hochdruckgebiet auf. Eine längere nasse, kühle und sehr wechselhafte Wetterphase ist deutlich unwahrscheinlicher geworden“, erklärt Diplom-Meteorologe Dominik Jung, Geschäftsführer beim Wetterdienst Q.met

Der Mai sei aktuell bereits 3,1 Grad wärmer als das 30-jährige Klimamittel. Woche geht es sehr warm weiter und auch danach könnte es warm bleiben. Vor einigen Tagen wurde noch ab dem Wochenende eine deutliche Abkühlung auf unter 20 Grad berechnet. Davon ist kaum noch etwas geblieben. Wie erwartet hat mal wieder die "Verschieberitis“ eingesetzt in den Modellen. Jede Wetteränderung wird immer wieder schön weiter nach hinten weggeschoben. Daher scheint es nun möglich, dass sich die warme Wetterlage auf unbestimmte Zeit verlängern könnte. 

Sind das bereits die Vorboten für den Hitzesommer 2022? "Nein", sagt Jung dazu klipp und klar. "Dem Sommer ist es total egal, wie der Mai verlaufen ist."