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Offenbach
Wetterdienst

Experte kritisiert Wetter-Daten vom DWD: Sind Messungen unseriös?

Der Wetterexperte Dominik Jung äußert sich extrem kritisch gegenüber dem Deutschen Wetterdienst. Der Meteorologe hält die Arbeitsweise des DWD für unseriös. Mit seiner Meinung ist er nicht allein.
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Offenbach: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) sieht sich heftiger Kritik ausgesetzt. Diplom-Meteorologe Dominik Jung vom Wetterdienst Q.met äußert drastische Worte. Ihm zufolge sei die Arbeitsweise des DWD mehr als fragwürdig.

Wie der Münchner Merkur berichtet, steht er mit seinen Anschuldigungen nicht allein. Auch andere Wetterportale und Experte Jörg Kachelmann haben sich schon zu der Thematik geäußert. Der DWD kommt dabei nicht gut weg. Dominik Jung findet klare Worte: "Das kann man alles nicht als repräsentativ bezeichnen und hat mit einer seriösen Messung nichts mehr zu tun."

Wetter-Streit: Wetterstation in Lingen im Zentrum der Kritik

Einen Aspekt hebt Dominik Jung besonders hervor: die Sommertage. Darunter fallen alle Tage, an denen die 25 Grad Grenze erreicht wird. In Deutschland freuten sich im Mai 2020 bereits viele Menschen über solche Tage, doch genau da sieht Jung das Problem. Die Spitzentemperaturen lagen am vergangenen Wochenende (09. und 10. Mai) an beiden Tagen im Schnitt bei 28 Grad. Diese offiziellen Werte seien aber laut Jung höchst umstritten.

Denn: Die Messungen stammen von der Wetterstation in Lingen (Niedersachsen). Unter den Experten hat besagte Station bereits letztes Jahr für großen Gesprächsstoff gesorgt. Neben dem Wetterportal wetteronline.de kritisierte damals auch Jörg Kachelmann die dort gemessenen Temperaturen.

Im Sommer 2019 meldete der Deutschen Wetterdienst einen neuen Deutschland-Rekord von 42,6 Grad - gemessen in der Wetterstation Lingen. Auffällig war jedoch, dass dieser Wert die Temperaturmessungen von anderen Wetterstationen bei Weitem übertraf. Weder wetteronline.de noch Kachelmann hielten den Wert für realistisch, weshalb sie die Messung nicht anerkannten. Übrigens: Der DWD warnt 2020 in einer 10-Jahres-Prognose vor immer extremerem Wetter - die Prognose ist besorgniserregend.

Hitze und wenig Wind: Standort Lingen ungeeignet

Die Experten sind sich weitgehend einig: Die Wetterstation in Lingen sei nicht für eine angemessene Temperaturmessung geeignet. Aufgrund der dichten Hecken und hoher Baumreihen in dem Gebiet würde sich die Hitze zu sehr stauen. Außerdem herrsche dort zu wenig Wind.

DWD-Sprecher Andreas Friedrich versuchte daraufhin die Anschuldigungen zu entkräften. Gegenüber dem NDR erklärte er damals, dass Messtechnik und Umgebung geprüft worden seien - und alle Bedingungen den internationalen Standards entsprächen.

Das sieht Dominik Jung jedoch anders. "Der Deutsche Wetterdienst hat damals erklärt, der Standort und die Messungen seien in Ordnung. Das muss man nach diesem Wochenende einmal mehr infrage stellen", wird er vom Münchner Merkur zitiert. Interessant sei die Tatsache, dass alle Wetterstationen in der Umgebung von Lingen Werte gemessen hätten, die bis zu vier Grad kälter waren. Er fordere deshalb die Verlegung der Wetterstation, was der DWD wohl schon seit 2014 plane.

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