Berlin

Früherer Außenminister Kinkel mit 82 Jahren gestorben

Minister, Vizekanzler, FDP-Chef: Klaus Kinkel war in den 1990er Jahren einer der bekanntesten Politiker der Bundesrepublik. Nun ist der politische Ziehsohn von Hans-Dietrich Genscher gestorben. Sein Tod löst Bestürzung aus.
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Klaus Kinkel
Klaus Kinkel ist tot. Foto: Julian Stratenschulte Foto: dpa

Der frühere Bundesaußenminister und FDP-Chef Klaus Kinkel ist tot. Kinkel starb am Montag im Alter von 82 Jahren, wie der heutige Parteichef Christian Lindner unter Berufung auf die Familie am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.

Die Beisetzung soll auf Kinkels Wunsch im engsten Kreis stattfinden. «Er war ein aufrechter und bescheidener Mann mit Charakter, dessen freundschaftlichen Rat ich sehr geschätzt habe», erklärte Lindner, der ihn als «väterlichen Freund» beschrieb.

Kinkel gehörte über viele Jahre zu den engsten Mitarbeitern des früheren Außenministers Hans-Dietrich Genscher (ebenfalls FDP). Nach dessen Abschied aus dem Auswärtigen Amt übernahm er 1992 für sechs Jahre selbst das Ministerium. Kinkel war auch Vizekanzler der damaligen schwarz-gelben Koalition .

In einem Kondolenzbrief an die Witwe Ursula Kinkel würdigte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Verstorbenen als einen Mann, «der sich um unser Volk und unser Land in herausragender Weise verdient gemacht hat». Wie kaum ein anderer habe er sich für Zivilcourage und demokratische Kultur eingesetzt. «Er verkörperte vieles von dem, was wir heute so dringend brauchen: Vernunft, Offenheit und Toleranz», schrieb Steinmeier.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigte Kinkel als großen Liberalen und kompromisslosen Streiter für Freiheit und Demokratie. «Ich trauere um einen treuen Weggefährten aus der Zeit nach der deutschen Wiedervereinigung», ließ die Kanzlerin mitteilen.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) betrauerte in seinem Kondolenzschreiben an die Witwe Kinkels den Tod eines «Weggefährten, der sich in einer für unser Land und Europa bedeutsamen Zeit größte Verdienste erworben hat». Er werde in Erinnerung bleiben als «ein hoch gebildeter, loyaler und warmherziger Freund» .

Außenminister Heiko Maas (SPD) erklärte: «Klaus Kinkel wird uns und wird Deutschland fehlen.» EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sagte: «Uns verlässt ein deutscher Patriot und ein großer Europäer.»

Als «immer humorvoll, pragmatisch, bodenständig und vor allen Dingen auch unkompliziert» beschrieb ihn der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion, Marco Buschmann. «Wer das Glück hatte, ihm persönlich begegnet zu sein, wird ihn nicht vergessen», sagte baden-württembergische FDP-Landeschef Michael Theurer.

Der gebürtige Schwabe Kinkel begann seine berufliche Karriere nach einem Jura-Studium als Beamter im Bundesinnenministerium. 1979 war er der erste Zivilist an der Spitze des Bundesnachrichtendienstes (BND). Nachdem die sozialliberale Koalition 1982 von Schwarz-Gelb abgelöst worden war, kehrte er als Staatssekretär im Justizministerium in die damalige bundesdeutsche Hauptstadt Bonn zurück.

In dieser Funktion war Kinkel nach dem Fall der Mauer auch am deutsch-deutschen Einigungsvertrag beteiligt. «Sein Verdienst um die Deutsche Einheit, als er in einem kaum vorstellbaren Kraftakt das DDR-Recht in den Einigungsvertrag überführte, kann gar nicht genug gewürdigt werden», erklärte die einstige FDP-Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.

1991 wurde der Spitzenbeamte selbst Justizminister. Erst damals trat Kinkel auch in die FDP ein. Ein Jahr später setzte er sich nach Genschers Rücktritt in einer Kampfabstimmung um den Chefposten im Auswärtigen Amt gegen die damalige Bauministerin Irmgard Adam-Schwaetzer (ebenfalls FDP) durch. 1993 wurde Kinkel Vize von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU).

Zusätzlich übernahm Kinkel damals auch noch den Vorsitz der FDP. Nach einer Serie von FDP-Niederlagen bei Kommunal- und Landtagswahlen verzichtete er jedoch 1995 auf eine abermalige Kandidatur. Mit dem Wahlsieg von Rot-Grün verlor er 1998 sein Ministeramt. Bis 2002 saß Kinkel dann noch im Bundestag. Später arbeitete er als Anwalt und übernahm den Vorsitz der Deutsche-Telekom-Stiftung. Zuletzt lebte er in Sankt Augustin bei Bonn. Er hatte vier Kinder; eine Tochter starb bereits mit 20 Jahren bei einem Autounfall.

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