Erstmals seit April liegt die für die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Coronavirus entscheidende Reproduktionszahl wieder über der Schwelle von 1. So gab das Robert Koch-Institut (RKI) den sogenannten 7-Tage-R-Wert am Mittwoch (7. Juli 2021) mit 1,01 an (Vortag: 0,93). Am Donnerstag (08. Juli 2021) liegt er bereits bei 1,09. 

Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 101 weitere Menschen anstecken. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab; liegt er anhaltend darüber, steigen die Fallzahlen.

R-Wert steigt erstmals seit April über 1 - was bedeutet das?

Der R-Wert lag über viele Wochen deutlich unter 1, stieg aber zuletzt relativ kontinuierlich an. Experten zufolge könnte das an der Verbreitung der ansteckenderen Delta-Variante und an Lockerungen der Corona-Beschränkungen liegen. Eine weitere Corona-Kennzahl - die 7-Tage-Inzidenz - war zuletzt stabil auf niedrigem Niveau. So gab das RKI die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner und Woche am Mittwoch mit 5,1 an (Vortag 4,9; Vorwoche 5,2).

Experten sind schon seit längerem sicher gewesen, dass die Infektionszahlen wieder ansteigen werden, jedoch erst im Herbst. Sollte es zu einer vierten Corona-Welle kommen, wird diese wahrscheinlich anders ablaufen als bisher. Intensivmediziner drängen darauf, die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung nicht allein von der 7-Tage-Inzidenz abhängig zu machen. 

Auch ein weiterer harter Lockdown ist unwahrscheinlich. Laut Kanzleramtschef Helge Braun käme ein erneuter Lockdown zulasten derer, die vollständig geimpft sind, nicht infrage.

In Südamerika wurde inzwischen eine weitere besorgniserregende Corona-Mutation entdeckt: Das ist bisher zur Lambda-Variante bekannt.