• Debatte zu Ende der Maskenpflicht in Deutschland
  • Kaum Widerspruch gegen Masken-Verzicht im Freien
  • Sollte die Maskenpflicht im Innenraum und an Schulen fallen?
  • Experten bringen Impfquote als entscheidenden Faktor ins Spiel

Es ist ein heiß diskutiertes Thema: Seit gestern herrscht unter Politikern und Experten Uneinigkeit, was die Maskenpflicht in Deutschland betrifft. Während sich der Bund für deutliche Lockerungen ausspricht, kritisierte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder den Vorstoß heftig - und mahnte zur Vorsicht vor vorschnellen Entscheidungen. Jetzt hat sich auch der SPD Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zu der Debatte geäußert. Bei einem Interview im ZDF-Morgenmagazin unterstützt er die Forderung nach einem schrittweisen Ende der Maskenpflicht - im Außenbereich.

Lauterbach mahnt zur Vorsicht: Weiterhin Maskenpflicht in Schulen und Innenräumen

Aufgrund der aktuell niedrigen Inzidenzen halte Lauterbach eine Maskenpflicht draußen nicht mehr für zwingend nötig. Der Verzicht ist hier laut dem Gesundheitsexperten unter bestimmten Voraussetzungen "ohne Wenn und Aber" machbar. Anders sieht das Ganze seiner Meinung nach in Schulen und im Innenraum aus. Da das Infektionsrisiko in geschlossenen Räumen erwiesenermaßen hoch sei, mahnt der Gesundheitsexperte zur Vorsicht. Auch den Verzicht auf Masken in Schulen sieht Lauterbach zu diesem Zeitpunkt kritisch. Lockerungen im Innenraum seien höchstens da sinnvoll, wo die Inzidenz stabil einstellig ist. 

Zuspruch bekommt Lauterbach unter anderem von Helmholtz-Virologin Melanie Brinkmann. Wie die dpa berichtet hält auch die Expertin den Verzicht auf Masken in Schulen für "ein Stück zu früh": "Wir haben doch bald Sommerferien. Die paar Wochen hätten wir doch noch warten können." Sie kritisiert dabei das Vorgehen in Niedersachsen. Dort müssen Schüler bei weniger als 35 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner und Woche im Unterricht keine Masken mehr tragen, obgleich Kinder in der Regel nicht geimpft und Schnelltests nur bedingt zuverlässig sind.

Wie am Montag bereits der Lehrerverband, warnte auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) davor, die Maskenpflicht in Schulen jetzt abzuschaffen. "Viele Klassenräume lassen sich nicht richtig lüften. Zudem gibt es bei der Bereitstellung und Einrichtung von Lüftungsanlagen noch erheblichen Nachholbedarf", erklärte GEW-Chefin Maike Finnern beim Redaktionsnetzwerk Deutschland (Dienstag). Viele Lehrkräfte seien auch noch nicht vollständig geimpft.

Infektiologe: Keine Masken mehr für Schüler unter 10 Jahren

Der Bonner Infektiologe Peter Walger, Experte der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene, sagte am Dienstag im ZDF-Morgenmagazin, die Maske sei eine der effektivsten Maßnahmen zum Schutz vor Infektionen. Trotzdem ist er der Meinung, eine sofortige Beendigung der Maskenpflicht bei allen Kindern unter zehn Jahren sei in Schulen machbar. Bei älteren Kindern müsse man differenzierter schauen. Daten belegten, dass die Dominanz der Übertragung des Coronavirus auf Kinder eindeutig von Erwachsenen ausgehe. "Die Schule ist insgesamt ein relativ sicherer Ort für Kinder, sicherer als das private Milieu. Und dem sollten wir endlich Rechnung tragen", sagte der Infektiologe.

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Generell müsse man aber wachsam bleiben, mahnte Walger. Den Sommer sollte man nutzen, die Erfahrungen der dritten Infektionswelle zu analysieren.

Was einen generellen Verzicht auf Masken betrifft, sind sich Gesundheitsexperte Karl Lauterbach und der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx, einig: "Wenn wir in puncto Impfquote bei 70 Prozent angelangt sind, und die Inzidenzen weiterhin auf niedrigem Niveau bleiben - dann ist der richtige Zeitpunkt für solche Diskussionen gekommen", sagte Marx, der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Dienstag) mit Blick auf Innenräume. Auch Karl Lauterbach bringt die 70 Prozent-Impfquote ins Spiel. Erst dann könne man seiner Meinung nach überhaupt über den Verzicht auf Masken im Innenraum sprechen. 

Experten halten Lockerungen der Maskenpflicht im Außenbereich für sinnvoll

Derzeit haben rund 26 Prozent der Bürger die für den vollen Impfschutz nötige Impfdosis bekommen - wenn man die zweiwöchige Wartezeit bis zur vollen Wirkung einbezieht, sind erst knapp 18 Prozent voll impfgeschützt. Bis zu 70 Prozent Impfquote wird es also noch Monate dauern. 

Im Falle des Außenbereichs sind sich die Experten geschlossen einig: "Da die Verbreitung der Erreger über Aerosole draußen kaum ein Thema ist, könnten wir im Freien gut auf Masken verzichten", sagte Brinkmann der "Braunschweiger Zeitung" (Dienstag). Marx riet aber, in Menschenansammlungen auch draußen eine Maske zu tragen, etwa beim Schlangestehen oder an Bushaltestellen.

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