Die neuen Enthüllungen lösten am Wochenende Empörung aus. «Die deutsch-deutschen Pharma-Tests zeigen, dass die Aufarbeitung der SED-Diktatur ein gesamtdeutsches Anliegen ist», sagte der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, der dpa. Die westdeutsche Pharmaindustrie habe sich die autoritären Bedingungen der SED-Diktatur zunutze gemacht. Eine Sprecherin der Jahn-Behörde sagte zudem, es gebe ausführliche Dokumente darüber, dass die Stasi die Beziehungen westdeutscher Pharmafirmen mit dem DDR-Gesundheitssektor sorgfältig im Blick gehabt habe, da es um Devisen gegangen sei.

Der Direktor der Stasiopfer-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, sieht die Bundesregierung und die Pharmakonzerne in der Pflicht. «Wer Menschen, die sich nicht wehren können, als Versuchskaninchen missbraucht, handelt inhuman», sagte Knabe. Sollten tatsächlich mehr als 50 000 Menschen als Testpatienten gedient haben, sei das einer der größten Medizinskandale der Nachkriegsgeschichte.