Es ist erschreckend, wie schnell in der Debatte um die richtige Corona-Politik Aussagen in Windeseile verzerrt werden, bis am Ende etwas völlig anderes stehenbleibt, als ursprünglich gesagt wurde. Beispiel gefällig? 

Virolog*innen kommen zu der Ansicht, dass ein endgültig wirksamer Immunschutz gegen das Coronavirus nur über eine unvermeidbare Durchseuchung zustande kommt. Das ist eine nüchterne Erkenntnis, gewonnen aus der aktuellen Entwicklung sowie aus Grundlagen der Virologie. Was sowohl Christian Drosten als auch Klaus Stöhr sicher nicht damit gemeint haben, ist der „Wann haben wir uns endlich alle infiziert?“-Hype, der in Medien und Politik stellenweise auszubrechen scheint. Nein, es ist sicher niemandem geholfen, wenn wir anfangen, uns gegenseitig abzulecken oder anzuhusten.

Durchseuchung als Erlösung? Das passiert, wenn man nur hört, was man hören will

Dass die Infektionsdynamik der Omikron-Variante des Coronavirus zu einer Quasi-Durchseuchung führt, ist beileibe kein Aufruf, das auch noch zu feiern und als Erlösung herbeizusehnen. Es mag ja sein, dass die Omikron-Variante weniger Hospitalisierungen nach sich zieht und das Verhältnis zwischen Infektionen und der Belegung von Intensivbetten ein anderes ist als zuvor. Aber sollte man deshalb Covid-19 deshalb auf die leichte Schulter nehmen? Das wäre fatal und vernachlässigt völlig die Langzeitfolgen, unter denen viele „Genesene“ noch monatelang leiden. Vielleicht auch jahrelang – das wird erst die Zeit zeigen. 

Wir sind alle müde und sehnen uns nach einem Ende der Pandemie. Das sollte aber kein Anlass sein, Wissenschaftler*innen nur stellenweise zuzuhören und bewusst nur auf jene Teile ihrer Aussagen zu achten, die einem gefallen. 

"Was – Christian Drosten hat gesagt, der Sommer wird entspannt? Super. Corona wird bald endemisch? Genial. Ach, bis dahin haben sich extrem viele Menschen angesteckt? Naja, das scheint ja nicht mehr so schlimm zu sein, haben Virolog*innen gesagt." - So wirkt der Diskurs in Medien und Politik nach Aussagen von Virolog*innen oft. 

Alle sind eingeladen zur Durchseuchungs-Party - Infektionspflicht statt Impfpflicht?

Wenn nach dieser Art des selektiven Zuhörens auch noch Corona-Politik ausgerichtet wird, dann wird es nicht nur ärgerlich, sondern auch gefährlich. Die Änderungen der Quarantäneregelungen spiegeln das wider. Irgendwie soll alles wieder etwas normaler werden und wenn das nicht zum Infektionsgeschehen passt, dann wird es eben passend gemacht. Am Ende gehen dann Menschen statt nach Hause zur Arbeit und infizieren andere, denn sie sind ja geboostert oder zumindest genesen und somit müssen - und können - sie gar nicht in Quarantäne. Für alle, die im Homeoffice arbeiten können, ist das weniger tragisch. Doch für alle, die an ihrer Arbeitsstelle anwesend sein müssen, ergibt sich eine unschöne Zwangslage, in der sie womöglich ungewollt andere gefährden.

Dazu passen leider auch die Bestrebungen, die kostenlosen Möglichkeiten für die teils knapp werdenden PCR-Tests zu reduzieren. Fast hat man den Eindruck, die Bundesregierung will sich durch diesen Kurs in der Corona-Politik um eine allgemeine Impfpflicht drücken und führt stattdessen eine de facto Infektionspflicht durch die Hintertür ein. Man flüchtet sich in die Durchseuchung als vermeintliche Lösung, um die unangenehme und potenziell koalitionsgefährdende Parlaments-Debatte über eine Imfpfplicht nicht führen zu müssen. 

Harte Quarantäneregeln jedenfalls würden bei der bestehenden Infektionsdynamik einem Lockdown nahekommen und den scheut man in der Politik inzwischen wie der Teufel das Weihwasser. Man wird ungeduldig und will mit allen Mitteln irgendein Ende der Pandemie herbeiführen, auch wenn das bedeutet, dass man Millionen von Menschen bisher noch nicht ausreichend erforschten Langzeitfolgen aussetzt. Es ist so: Die Politik feiert gerade eine große Durchseuchungsparty und wir sind leider alle eingeladen. 

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