Berlin
Kommentar

Die Kritik an SUVs ist grotesk und lenkt von den wahren Problemen ab

Sind SUV berechtigterweise in der Kritik - oder lenkt die Debatte von den wahren Problemen ab? Letzteres - meint zumindest unser Kommentator.
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Zeichen der Freiheit oder Klimakiller? Die Kritik an SUVs nimmt zu - und geht am Kern der Probleme vorbei. Foto: Daimler AG/dpa-tmn
Zeichen der Freiheit oder Klimakiller? Die Kritik an SUVs nimmt zu - und geht am Kern der Probleme vorbei. Foto: Daimler AG/dpa-tmn

Die Diskussion um SUVs nimmt teilweise groteske Züge an. Die Vehemenz und Häufigkeit, in der die Sportgeländewagen in den letzten Tagen und Wochen kritisiert werden, kann tatsächlich verstörend wirken. Man könnte den Eindruck gewinnen, SUVs seien alleine Schuld an dem Klimawandel und Tausenden Verkehrstoten in Deutschland.

Das ist natürlich Quatsch. Insofern haben all jene Recht, die eine Versachlichung der Diskussion fordern. SUV ist nicht gleich SUV - und nicht jeder SUV-Fahrer ist gleich ein rücksichtsloser Straßen-Rambo.

In den falschen Händen wird jedes Auto zur Waffe

Einen Beleg, dass die Boliden wirklich an mehr schweren Unfällen beteiligt sind, als andere Arten von Kraftfahrzeugen, lässt sich in den Unfallstatistiken nicht so ohne weiteres finden. Im Gegenteil: Die Automobilindustrie wirbt ja gerade damit, dass SUVs den Fahrern größere Sicherheit versprechen.

Der Hintergrund: "Verbotskultur" und "Tugendterror" - gibt es in Deutschland eine neue Lust am Verbot?

Und sowieso ist nicht die Art des Pkw, sondern die Geschwindigkeit entscheidend: Unfallforscher Siegfried Brockmann verweist dabei auf die physikalische Berechnung der Bewegungsenergie. "Die Masse geht hier nur mit der Hälfte in die Formel ein und die Geschwindigkeit mit dem Quadrat.

Und das heißt nichts anderes als: Wenn der Polo 70 fährt, ist er durchaus gefährlicher für einen Menschen als ein Macan mit 40." Oder anders ausgedrückt: In den falschen Händen wird jedes Auto zur Waffe.

Die Art und Weise der Nutzung ist entscheidend

Bliebe der Vorwurf der Klimaschädlichkeit. Tatsächlich sind SUV meist schwerer und weniger aerodynamisch als vergleichbare Kleinwagen - was unweigerlich mit einem erhöhten Spritverbrauch einhergeht. Wenn, ja wenn, alle anderen Aspekte ignoriert werden. Und genau da liegt der Knackpunkt: Ein neuer SUV verbraucht immer noch deutlich weniger Sprit, als ein durchschnittlicher Kombi vor 15 Jahren.

Und letztlich ist nicht die Frage entscheidend, welches Auto wir fahren, sondern wie wir es verwenden: Ob ich nun mit dem SUV zum Bäcker um die Ecke fahre, oder mit dem Smart - die Umweltbilanz ist in beiden Fällen desaströs. Doch viele Menschen sind für die tägliche, oft viele Kilometer lange, Fahrt zur Arbeit auf ein Auto angewiesen. Dass sie dabei lieber in einem großen Auto mit bequemer Sitzposition sitzen, das auch noch mehr Sicherheit verspricht, kann kaum verwerflich sein.rowa/mit dpa

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