Berlin
Deutsche Bahn

Deutsche Bahn: Mängel an Zügen - Nur jeder fünfte ICE ist "voll funktionsfähig"

Laut einem internen Dokument, das der ARD vorliegt sind die Zustände bei der Deutschen Bahn in vielen Bereichen mangelhaft. Darin werden nicht nur die den Kunden bekannten Verspätungen thematisiert, sondern auch veraltete Züge.
Artikel drucken Artikel einbetten
Laut internen Dokumenten, die der ARD vorliegen, sind nur 20 Prozent der ICE-Züge bei der Deutschen Bahn seien voll funktionsfähig. Foto: Holger Hollemann/dpa/dpa-Bildfunk
Laut internen Dokumenten, die der ARD vorliegen, sind nur 20 Prozent der ICE-Züge bei der Deutschen Bahn seien voll funktionsfähig. Foto: Holger Hollemann/dpa/dpa-Bildfunk

Dass bei der Deutschen Bahn nicht alles optimal läuft, können Bahnfahrende in ganz Deutschland täglich spüren. Wie groß die Mängel allerdings in manchen Bereichen wirklich sind, kam jetzt durch interne Dokumente ans Licht, die dem ARD-Magazin "Kontraste" vorliegen. Die "tagesschau" berichtet in Berufung auf diese Informationen über die Zustände bei der DB.

Nur jeder fünfte ICE ist "voll funktionsfähig"

Den Dokumenten zufolge gebe es unter anderem bei den ICE-Zügen Mängel. Lediglich 20 Prozent der Züge sollen "voll funktionsfähig" sein. Das würde sich laut "tagesschau" in Aufsichtsratsunterlagen der Deutsche Bahn-Tochter Fernverkehr entnehmen lassen. Einer aktuellen Vorstandsvorlage nach sollen seit 2016 zwar mehr beschädigte Züge in den Werkstätten abgearbeitet worden sein, allerdings werde dieser Erfolg "überkompensiert", da im gleichen Zeitraum auch der Schadenseingang angestiegen sei. Auf gut Deutsch: In den Werkstätten trafen auch mehr beschädigte Züge ein, was im Endeffekt dazu führt, dass die Anzahl der Züge, die die Werkstätten mit Mängeln wieder verlassen, um 17 Prozent angestiegen ist.

Die Bahn erklärt das wie folgt: Aufgrund einer "hohen Eingangsverspätung" sei die Zeit für Reparaturen in der Werkstatt knapper. Das liegt daran, dass die ICE auch im Instandhaltungswerk verspätet eintreffen. So können oft nur die Mängel behoben werden, die sicherheitsrelevant sind. Andere Probleme bleiben liegen. Deshalb komme es vor, dass Züge teilweise tagelang mit kaputten Toiletten oder Klimaanlagen auf deutschen Gleisen unterwegs sind.

Probleme durch "umgekehrte Wagenreihung"

Ein Problem, das immer wieder für Verspätungen an den Bahngleisen sorgt, ist die sogenannte "umgekehrte Wagenreihung". Das bedeutet, dass die Züge nicht richtig gereiht im Bahnhof einfahren und somit eine Drehfahrt notwendig wird. Da jedoch vor allem die Bereitschaftsdienste in der Nacht nicht mehr ausreichend besetzt sind, fehlen die Lokführer, die diese Drehfahrten unternehmen, damit die Züge am Morgen richtig gereiht sind.

Durch das Problem verzögere sich häufig das Einsteigen an den Bahngleisen, wodurch der Zug erst mit Verspätung zum nächsten Bahnhof loskommt. Da sich die Geschichte an jedem Bahnhof wiederholt,summieren sich die Verspätungen.

Bahn verabschiedet sich vom Pünktlichkeitsziel

Aufgrund der Vielzahl an Problemen hat sich die Bahn nun offenbar von einer wichtigen Zielsetzung verabschiedet: Dem Pünktlichkeitsziel. Sollte bereits 2018 eine Pünktlichkeitsquote von 82 Prozent für alle Fahrten realisiert werden, werde die Zielsetzung wohl erst 2025 erreicht werden. Das gehe aus den Dokumenten hervor, die "Kontraste" vorliegen. Beim Thema Pünktlichkeit liegt die Quote der Deutschen bahn aktuell bei gerade einmal 73 Prozent.

Die Probleme mit der Pünktlichkeit der Züge hätten laut "tagesschau" sowohl technische als auch personelle Ursachen. So fehlen für Positionen wie die des Lokführers, des Zugbegleiters oder der Instandhaltungskräfte mehr als 5000 Angestellte. Claus Weselsky, Vorsitzender der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer, sprach davon, dass das Eisenbahnsystem zu "kollabieren" drohe, wenn es längerfristig Sparprogrammen unterworfen wäre.



Verwandte Artikel