Vor wenigen Tagen gab der bekannte Virologe Christian Drosten bekannt, aus dem Corona-Sachverständigenausschuss der Bundesregierung auszusteigen. Kritiker wie FDP-Vize Wolfgang Kubicki hatten ihm vorgeworfen, sich in einem Interessenskonflikt zu befinden: Denn Drosten ist Berater der Bundesregierung und soll gleichzeitig die eigens vorgeschlagenen Corona-Maßnahmen kritisch hinterfragen. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach verteidigte Drosten dagegen. Nun erklärte der Virologe selbst die Gründe für seinen Rücktritt.

Drosten sei bei der Bewertung der Corona-Strategie nicht befangen, stellte er in einem Interview mit dem Deutschlandfunk klar. Das Problem bestehe viel eher darin, dass vom Gremium eine "Herkules-Aufgabe" abverlangt werde. Die Experten des Gremiums könnten die Bewertung der Maßnahmen nicht wie verlangt umsetzen, da es beispielsweise an Epidemiologen und anderen hauptberuflichen Mitgliedern fehle.

Drosten kritisiert Corona-Gremium: "erhebliche Zweifel"

"Das ist nicht zu schaffen. Und ich bin nicht der einzige in der Kommission, der sagt: Ich habe da meine Zweifel", machte Drosten klar. "Ich habe in der ersten Sitzung gleich angemahnt, dass das so nicht geht, dass wir Epidemiologen bitte nachberufen müssen in die Kommission. Das wurde dann verneint. Und an der Stelle kamen mir dann doch erhebliche Zweifel", so der Virologe.

Eigentlich war vorgesehen, dass das Gremium bis zum Sommer 2022 seine Ergebnisse vorlege. Dabei geht es beispielsweise um die Frage, ob die Corona-Maßnahmen in den Schulen sinnvoll und effektiv waren. Doch das Gremium, "wie es zusammengesetzt ist und wie es ausgestattet ist", könne bis zum 30. Juni keine wissenschaftliche und qualitative Evaluation erarbeiten. "Der ist nur leider etwas langsamer, als die Politik sich das vorstellt", sagte der Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte Drostens Ausstieg bereits am am Donnerstag (28. April 2022) bei Twitter verkündet. "Das ist ein schwerer Verlust, weil niemand könnte es besser." Drosten bleibt aber Mitglied des Corona-Expertenrats der Bundesregierung. Drosten sei unterstellt worden, er ziehe sich nur deshalb zurück, weil er nicht über Corona-Maßnahmen urteilen und diese bewerten wolle, wenn er selbst an ihrer Erstellung beteiligt war.

Drosten zieht sich von wichtigem Posten zurück - Lauterbach verteidigt ihn

Lauterbach wies die Vorwürfe jedoch zurück: "Das war falsch und bösartig", betonte der Bundesgesundheitsminister in einem Interview mit dem Sender Phoenix. Die Bewertung werde dennoch kommen.

Eine Charité-Sprecherin bestätigte auf Anfrage, dass Drosten dem Ausschuss seinen Rückzug mitgeteilt hat. Er sei zu der Überzeugung gelangt, dass Ausstattung und Zusammensetzung nicht ausreichten, um eine wissenschaftlich hochwertige Evaluierung gewährleisten zu können.

Darüber hinaus seien in den vergangenen Wochen wiederholt und in umfangreicher Form Inhalte der Beratungen zum Gegenstand einer irreführenden und falschen Berichterstattung geworden. "Dies steht aus Sicht von Prof. Drosten einer konstruktiven, zielgerichteten Zusammenarbeit im Gremium entgegen." Schließlich seien die Mitglieder an strikte Vertraulichkeit gebunden.

Die Charité-Sprecherin erklärte, dass Drosten weiterhin Mitglied des Corona-Expertenrats der Bundesregierung bleibe. Das Gremium ist beim Kanzleramt angesiedelt und legte bereits mehrere Empfehlungen für die Pandemie-Bekämpfung vor. Zuletzt äußerte sich das Gremium mehrfach mit Stellungnahmen vor Bund-Länder-Beratungen zur Corona-Krise.

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Der Bundestag hatte im Infektionsschutzgesetz festgelegt, dass es eine externe Evaluation der Vorgaben im Rahmen der mehrere Monate lang geltenden epidemischen Lage von nationaler Tragweite geben soll. Dafür war ein Sachverständigenausschuss eingesetzt worden, der laut Gesetz bis zum 30. Juni einen Bericht vorlegen soll. Dem Gremium gehören Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen an.

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