• Deutsche arbeiten im Vergleich weniger als Beschäftigte in Nachbarländern
  • Neue Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) sieht hier Potenziel
  • Mehr Arbeit und weniger Urlaub für Deutsche, um Schuldenlöcher zu stopfen?

Dieser Lösungsansatz dürfte für Aufsehen sorgen: Um die Finanzlöcher der Corona-Krise zu stopfen, fordern die Experten des Deutschen Instituts für Wirtschaft weniger Urlaubstage und höhere Arbeitsstunden für Deutsche. In einer neuen Studie beleuchten die Ökonomen diese Alternative zu Steuererhöhungen und halten sie für vielversprechend.

Studie zeigt: Deutsche arbeiten weniger, als Beschäftigte in anderen Ländern

"Ein Ländervergleich mit der Schweiz und Schweden zeigt deutliche Arbeitskräftepotenziale am deutschen Arbeitsmarkt auf, deren Entfaltung entsprechende Wachstumspotenziale eröffnen kann", so leitet das IW die neueste Studie ein. Eine Erhöhung der Erwerbstätigkeitsquote um 2,5 Prozent und der Jahresarbeitszeit um 11 Prozent könnte die Schuldenquote Deutschlands demnach in 10 Jahren um mehr als 16 Prozent senken.

Zum einen seien die Wochenarbeitszeiten in Deutschland kürzer, zum anderen haben deutsche Arbeitnehmer laut Studie mehr Urlaub - und zwar durchschnittlich 31 Tage gegenüber 25 Tagen in der Schweiz und Schweden. Ließe sich diese Arbeitszeitlücke schließen, könnte das die Finanzlöcher stopfen, die die Corona-Pandemie aufgerissen hat.

Weniger Teilzeit und Angleichung der Wochenarbeitszeit von Männern und Frauen

Der "wesentliche Hebel" liege bei den Arbeitszeiten, heißt es in der Studie. "Durch den Abbau unfreiwilliger Teilzeit oder eine Angleichung der Wochenarbeitszeit der Frauen an die der Männer mithilfe gezielter Rahmenbedingungen wie eine verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Beruf" könne man dieses Potenzial ausschöpfen.Gegenüber der "Bild" äußerte sich IW-Direktor Michael Hüther so:"Viele Frauen beispielsweise arbeiten unfreiwillig in Teilzeit, weil Kitaplätze fehlen. Allein für die Unter-Dreijährigen fehlen 340.000 Betreuungsplätze. Diese Versäumnisse aus den vergangenen Jahrzehnten kommen uns jetzt teuer zu stehen."

IW verweist auch auf Bevölkerungsprognose und die "naive Hoffnung der Politik,
aus dem Corona-Schuldenberg herauszuwachsen"

Ein weiterer Punkt für die Erhöhung der Arbeitskraft in Deutschland ist laut der Ökonomen die Bevölkerungsprognose: Die Altersgruppe der 20- bis 64-Jährigen werde bis zum Jahr 2030 von heute fast 50 Millionen um 4 Millionen schrumpfen. Das könnte - ohne einen eindeutigen Lösungsansatz- dazu führen, das Deutschland seine Schulden über Jahre vor sich herschiebt. Die "naive Hoffnung der Politik, aus dem Corona-Schuldenberg herauszuwachsen" halten die Wirtschaftsexperten für unwahrscheinlich. Was die Politik vom Vorstoß des IW hält bleibt abzuwarten.