Corona bringt Reitschulen in finanzielle Notlage - Verband fordert Unterstützung der Politik. Tiere sind für viele Menschen ein wichtiger Teil ihres Lebens: Familie, Partner. Tierliebe wird von vielen Eltern an ihre Kinder vermittelt und weitergegeben, aber auch Kinder aus tierlosen Haushalten zeigen oft von klein auf eine besondere Zuneigung für Tiere. Pferde stehen da bei den meisten Mädchen und Frauen an der Stelle "Lieblingstier", aber auch viele Jungen und Männer sind begeisterte "Pferdemenschen" und Reiter.

Die Pferdeliebe fängt meist beim ersten Ponyreiten auf der Kirchweih oder bei der ersten Longestunde in einer Reitschule an. Dazu muss man erst einmal eine finden. Viele Leute fahren jetzt schon lange Strecken um zur wöchentlichen Reiteinheit zu gelangen. Die Corona-Krise könnte die Situation jetzt noch verschlimmern.

Ein Drittel aller Reitschulen ist durch die Pandemie gefährdet

Wie die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) mitteilte, gibt es derzeit in Deutschland 65.000 Schulpferde und -ponys in Vereinen und Betrieben. Diese Betriebe können nicht nur als Freizeitangebote gesehen werden, sie legen auch das Fundament für den gesamten organisierten Pferdesport. Jeder Reitsportler und Reitlehrer war früher einmal ein Reitschüler. 

Reitsport kann nicht mit herkömmlichem Individualsport verglichen werden. Ein Profiläufer im Vergleich kann auch ohne Sportstätte und ohne Trainer seinem Training nachgehen und auch sehr gut in dem werden, was er tut. Nicht so im Reitsport. Sport mit Pferden ist einerseits gefährlich und setzt besonders für Anfänger eine Unterrichtssituation und ein eingezäuntes Gelände voraus. Andererseits müssen die Tiere irgendwo zur Verfügung gestellt werden, weil sich der Großteil der Pferdenarren kein Pferd leisten kann, geschweige denn genug Erfahrung und Platz für die Haltung der großen Vierbeiner mitbringt.

Etwa einem Drittel der deutschen Reitschulen droht aufgrund der Corona-Pandemie die Schließung. Ausbleibende oder unzureichende staatliche Förderprogramme gefährden die Existenz viele Betriebe, die laufenden Kosten für die Haltung der Schulpferde können viele Betriebe daher nicht mehr decken. Das hat zu Folge, dass viele Reitschulen ihre Schulpferde bald verkaufen müssen, oder es bereits tun.

Kriterien für Fördermaßnahmen schließen viele Betriebe aus

Die FN hat zu den wirtschaftlichen Fördermaßnahmen wie die Soforthilfe, die Novemberhilfe oder die Soforthilfe-Sport, die teilweise von Reitschulen in Anspruch genommen werden können eine Befragung durchgeführt. Diese Befragung repräsentiert die Situation von  30.000 der deutschen Schulpferde. 

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Die Befragung ergab, dass viele Betriebe keine Anträge gestellt haben, da die Definition der Förderkriterien unverständlich oder sehr kompliziert formuliert war. Betriebe und Vereine, die nicht nur Reitschulbetriebe sind, sondern beispielsweise auch Pensionspferde in ihre Ställe einstellten, hatten wegen der daher erhöhten Umsätze keinerlei Anspruch auf die Beantragung von Fördergeldern. Auch Reitschulen, die als Nebenbetrieb geführt werden, hatten keine Anrechte auf Fördermaßnahmen.

Bewilligt wurden die Fördergelder nur etwa 60 Prozent der antragsberechtigten Antragsteller. Da die meisten der Reitschulen keine reinen Reitschulen sind, sondern im Nebenbetrieb oder mit zusätzlichem Pensionsangebot, sollen hier die Kriterien so ausgeweitet werden, dass auch diese Vereine und Betriebe Anspruch auf Fördergelder bekommen. Zudem wäre eine leichter nachvollziehbare Formulierung dieser Kriterien wünschenswert. 

Schulpferde finanzieren sich selbst - auch sie sind gerade arbeitslos

Während die staatliche Corona-Hilfe also oft ausbleibt, fehlen die Einnahmen. Die Pferde verdienen durch den Reit- oder Voltigierunterricht auf ihnen quasi ihr eigenes Geld. Weil aber Reitunterricht in Gruppen vor Monaten verboten wurde und auch in einigen Bundesländern nicht einmal Einzelunterricht stattfinden darf, können viele Betriebsleiter die Versorgung ihrer Tiere nicht mehr sicherstellen. Die FN fordert nun als Ausgleich Kurzarbeitergeld für die tierischen "Mitarbeiter" der Reitschulen: die Pferde.

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Wie sinnvoll die Schließung der Reitschulen aufgrund der Pandemie ist, stellen Sie ebenfalls infrage. Denn wer schon einmal Reiter gesehen hat, der weiß, dass dabei Abstand gehalten wird. Zum Schutz der Reiter und der Pferde ist und war schon immer die Einhaltung des Abstandes von einer Pferdelänge zu anderen Pferden beim Reiten Pflicht. So können Verletzungen und Unfälle vermieden werden - seitens des Tieres und des Menschen.

Experten bestätigen, dass genau aus diesem Grund das Infektionsrisiko bei Reitstunden sehr gering ist. Abstand und Hygienemaßnahmen können zu jedem Zeitpunkt gewährleistet werden. Zudem erfolgt der Pferdesport überwiegend draußen und selbst, wenn in einer Reithalle geritten wird, herrschen nahezu Außenbedingungen und die Reiterzahl bleibt für gewöhnlich im einstelligen Bereich.

Schließungen der Reitschulen führen zum Wegbrechen des Fundaments des Reitsports

Das Zugrundegehen der Ställe, die Unterricht anbieten, beeinflusst aber auch private Pferdehalter. Die meisten Pferdehalter haben keine Möglichkeit, ihr Tier auf dem eigenen Grundstück zu halten, und stellen es daher in Ställen mit Pensionsangebot ein. Mit einher geht die Nutzung der gesamten Reitanlage, deren Angebote sich eine Privatperson zumeist ebenfalls nicht leisten kann. 

Eine ganze Branche, deren Umsatz bei geschätzten 6,7 Milliarden Euro liegt, ist von daher bedroht, wenn das Fundament wegbricht: die Reitschulen. Um die Öffentlichkeit und die Politik auf die Notlage der Reitschulbetriebe aufmerksam zu machen, startet die FN daher nun die Social-Media-Aktion #KEINSchulpferdweniger, die Kurzarbeitergeld für Schulpferde fordert. 

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