Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat am Freitag (18. Dezember 2020) eine Verordnung unterzeichnet, die den Rahmen für den Start von Impfungen schafft. Grundsätzlichen Anspruch darauf haben alle Menschen mit Wohnsitz oder gewöhnlichem Aufenthaltsort in Deutschland. Festgelegt wird aber, dass Bund und Länder vorhandenen Impfstoff in einer festgelegten Reihenfolge einsetzen sollen.

Mit der Impfverordnung, in der die gültigen Stufen festgeschrieben sind, weicht Spahn von den Vorschlägen der (Ständigen Impfkommission) ab, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland aus der Verordnung erfahren haben will, die der Redaktion vorliegen soll. Auf dem Papier ist nur von drei Stufen die Rede. Auch weicht Spahn offenbar von der Empfehlung ab, innerhalb einer Stufe nicht noch einmal zu priorisieren. In der Verordnung soll die Impfung mit drei Stufen geregelt sein. Diese ordnen sich von höchster über hoher zu erhöhter Priorität. Im ZDF-Morgenmagazin stellte Spahn am Freitag diesen Plan vor, auch RND berichtet im Detail darüber.

Corona-Impf-Strategie für Deutschland: So soll geimpft werden

  • Gruppe mit höchster Priorität:
    • Menschen, die älter als 80 Jahre sind
    • Menschen, die in stationären Einrichtungen zur Behandlung, Betreuung oder Pflege älterer, geistig behinderter oder pflegebedürftiger Menschen behandelt, betreut oder gepflegt werden oder tätig sind
    • Angestellte ambulanter Pflegedienste, die regelmäßig ältere, geistig behinderte oder pflegebedürftige Menschen behandeln, betreuen oder pflegen
    • Menschen in medizinischen Einrichtungen, die ein hohes Ansteckungsrisiko im Zusammenhang mit dem Coronavirus haben, vor allem Personal von Intensivstationen, in Notaufnahmen, Rettungsdienste, Mitarbeiter der Impfzentren
    • Menschen, die in medizinischen Einrichtungen arbeiten, bei denen ein sehr hohes Risiko eines schweren oder gar tödlichem Krankheitsverlauf nach einer Infektion haben können, sowie Mitarbeiter der Transplantationsmedizin
  • Gruppe mit zweithöchster Priorität:
    • Menschen über 70 Jahre
    • Menschen mit sehr hohem oder hohem Risiko für eine Ansteckung mit einem schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf (dazu gehören Menschen mit Downsyndrom, Demente oder Menschen mit geistigen Behinderungen sowieso Personen nach Organtransplantationen)
    • Enge Kontaktpersonen zu Schwangeren und Pflegebedürftigen
    • Personal aus medizinischen Einrichtungen mit hohem oder erhöhtem Ansteckungsrisiko, also Ärzte und Pfleger, die regelmäßig Kontakt zu Patienten haben, sowie Mitarbeiter von Blut- und Plasmaspendedienste und Impfzentren
    • Bewohner, Bewohnerinnen und Arbeiter in Obdachlosen- und Asylbewerberunterkünften
    • Menschen, die im Gesundheitsdienst tätig sind oder besonders relevante Positionen zur Aufrechterhaltung der Kranhausinfrastruktur ausüben
  • Gruppe mit erhöhte Priorität:
    • Menschen über 60 Jahre
    • Menschen mit erhöhtem Risiko einer Corona-Erkrankung - dazu zählen Menschen mit folgenden Krankheiten:
      • Adipositas (BMI >30)
      • chronische Nierenkrankheiten
      • chronischen Lebererkrankungen
      • Immundefizienz oder HIV-Infektion
      • Diabetes mellitus
      • Herzinsuffizienz
      • Arrhythmie/Vorhofflimmern
      • Autoimmunerkrankungen
      • Krebserkrankungen
      • COPD
      • Asthma bronchiale
      • rheumatischen Erkrankungen
    • Mitarbeiter medizinischer Einrichtungen, die niedrigen Ansteckungsrisiko haben, also zum Beispiel Personal aus Laboren
    • Personal aus besonders relevanten Positionen in staatlichen Einrichtungen, also Regierungen, Verwaltungen, Streitkräfte, Polizei, Feuerwehr, Katastrophenschutz, Parlamente und Justiz
    • Mitarbeiter in relevanten Positionen in Unternehmen, die die öffentliche Sicherheit aufrechterhalten und kritische Infrastruktur betreuen, also Energie- und Wasserversorger, Abfall- und Ernährungswirtschaft und andere Bereiche
    • Lehrer
    • Erzieher
    • Menschen aus dem Einzelhandel
    • Menschen mit prekären Arbeits- und/oder Lebensbedingungen

Angefangen werde bei jenen, für die der Impfschutz zusätzliche Gesundheit und Lebensjahre bringe. «Wir fangen jetzt mit den über 80-Jährigen, den Höchstbetagten, den Pflegebedürftigen und denjenigen, die sie pflegen und betreuen, an.», erklärte Spahn im Morgenmagazin. Diese Gruppe sei schon sehr groß - und besonders gefährdet. Welche Nebenwirkungen der Impfstoff mit sich bringt, das zeigt ein Blick in den Beipackzettel der Biontech-Version.

Spahn sagte, durch die Impfungen der über 80-Jährigen und der Pflegebedürftigen könne man Krankenhauseinweisungen sowie schwerste und tödlichste Verläufe vermeiden. «Die hohen Todeszahlen haben wir genau in dieser Altersgruppe.» Die Konkretisierung, wer geimpft wird, müsse aber regelmäßig angepasst werden, etwa wenn im Januar neue Impfstoffe zur Verfügung stünden.

Impfstart in Deutschland: Datum steht voraussichtlich fest

«Das Impfen ist der Weg raus aus dieser Pandemie», betonte Spahn. Die Verordnung soll dafür die Grundlage sein. Sie basiert auf einer Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut.

Eine Prioritätensetzung ist nötig, weil zunächst nur begrenzte Mengen an Impfdosen verfügbar sein werden. Voraussichtlich beginnen die Impfungen am 27. Dezember.

Die Stiko, die Ständige Impfkommission der Bundesregierung, erarbeitet seit 1972 in Impfstrategien für Deutschland und steht mit dem Robert-Koch-Institut (RKI) in Verbindung. Auch für Verteilung des Corona-Impfstoffs hat die Kommission die Strategie entwickelt. Sie empfiehlt, wann welche Bevölkerungsgruppen geimpft werden sollen. Das soll in Bayern in insgesamt 99 Impfzentren passieren. Wo sich diese befinden, das zeigt unsere interaktive Impfzentren-Karte.

Corona-Impfung: Sechs Stufenplan der Ständigen Impfkommission

  • Stufe eins:
    • Menschen über 80 Jahre
    • Bewohnerinnen und Bewohner von Senioren und Altenpflegeheimen
    • Personal, das einem besonders hohem Risiko ausgesetzt ist zum Beispiel: Notärzte, Intensivpfleger und Altenpfleger mit intensivem Kontakt zu den Bewohnern.
  • Stufe zwei:
    • Menschen im Alter zwischen 75 und 79 Jahre
    • Ärzte, die bei einer Erkrankung viele Menschen anstecken könnten, also Haus- und Kinderärzte,
    • Menschen mit geistigen Behinderungen in Einrichtungen und deren Pfleger sowie Menschen mit Downsyndrom
  • Stufe drei:
    • Menschen im Alter von 70 bis 74 Jahre
    • Vorerkrankte, die ein hohes Risiko haben
    • Menschen mit transplantieren Organen
    • Enge Kontaktpersonen von Schwangeren und Pflegepersonal
    • Bewohner bzw. Arbeiter von Gemeinschaftsunterkünften
  • Stufe vier:
    • Menschen im Alter von 65 bis 69 Jahren
    • Lehrer
    • Erzieher
    • Menschen mit prekären Arbeits- und/oder Lebensbedingungen
    • Menschen mit weniger riskanten Vorerkrankungen
  • Stufe fünf:
    • Menschen im Alter von 60 bis 64 Jahren
    • Landes- und Bundespolitiker mit Schlüsselpositionen
    • Beschäftigte im Einzelhandel
    • Menschen, die die öffentliche Sicherheit aufrechterhalten müssen
    • Berufsgruppen kritischer Infrastruktur
  • Stufe sechs:
    • alle übrigen Menschen unter 60

srü/mit dpa

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