Wird die Maskenpflicht in Deutschland zur unendlichen Geschichte? Die Sorge tragen viele Menschen mit sich umher. Während in vielen Bereichen im Freien die Maßnahmen aktuell gelockert werden, steht die Aufhebung der Tragepflicht eines Mundschutzes in Innenbereichen derzeit nicht zur Debatte. Wie am Mittwoch (9. Juni 2021) bekannt wurde, streichen erste Bundesländer nun die Maskenpflicht an Schulen - so ist der Stand in Bayern.

Das könnte sich jedoch ändern, wie der Bayerische Rundfunk am Donnerstag (27. Mai 2021) berichtet: In Studien und Podcasts äußern Wissenschaftler die Hoffnung auf ein mögliches Ende der Maskenpflicht. Christoph Spinner, Virologe an der TU München, will nicht bedingungslos an der Maskenpflicht festhalten. Um sie aber auch in Innenbereichen zu lockern, müsse die Impfkampagne stark voranschreiten.

Ende der Maskenpflicht: Herdenimmunität durch Impfungen als Voraussetzung

"Solange nicht deutlich über der Herdenimmunität geimpft wurde, macht es natürlich Sinn, die Maske oder überhaupt die AHA-Regeln, Abstand, Hygiene, Alltagsmaske, weiterhin zu nutzen, um dafür zu sorgen, dass das Virus sich nicht explosionsartig weiter vermehren kann", sagt Spinner. Als Zielkorridor gaben diverse Wissenschaftler in den vergangenen Wochen eine Impfquote von 80 Prozent an. Aktuell ist Deutschland davon noch weit entfernt: Rund 15 Prozent aller Deutschen haben bereits beide Impfungen erhalten.

Gerade in Innenräumen solle deshalb gewartet werden, meint Spinner. Auch das Robert-Koch-Institut hält das Ende der Maskenpflicht für möglich - und verweist auf Studien aus Israel, nach denen vollständig geimpfte Menschen weitaus weniger ansteckend sind, selbst wenn sie sich mit dem Coronavirus anstecken.

Eine gemeinsame Studie des Max-Planck-Instituts und der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz hat derweil Daten aus Ländern wie den USA oder China gesammelt. Das Ergebnis: Häufig braucht es keine FFP2-Maske, um das Infektionsrisiko gering zu halten. "Normalerweise enthält nur ein geringer Anteil der von Menschen ausgeatmeten Tröpfchen und Aerosolpartikel Viren. Meist ist die Virenkonzentration in der Luft so gering, dass selbst einfache chirurgischer Masken die Verbreitung von Covid-19 sehr wirksam eindämmen", sagt Yafang Cheng vom Max-Planck-Institut für Chemie.

Wie lange bleibt die Maskenpflicht? Viruskonzentration in der Atemluft entscheidet

Je höher die Viruskonzentration in der Atemluft ist, desto wichtiger wird die FFP2-Maske, zum Beispiel in Krankenhäusern. Darüber hinaus bleibe das Lüften und das Abstandhalten wichtig. Die Wirksamkeit der Masken hängt auch davon ab, dass ein großer Teil der Bevölkerung sie korrekt anwendet, so die Studie.

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Einig sind sich Experten derweil, was das Tragen von Masken draußen angeht: Der Effekt ist sehr gering. "In der Fußgängerzone eine Maske zu tragen, um anschließend im eigenen Wohnzimmer eine Kaffeetafel ohne Maske zu veranstalten, ist nicht das, was wir als Experten unter Infektionsvermeidung verstehen", hieß es in einem im April 2021 veröffentlichen Positionspapier der Gesellschaft für Aerosolforschung.

"Frühestens, wenn wir Impfquoten von 70 bis 80 Prozent erreicht haben, könnte man darüber nachdenken", ergänzt der Virologe Friedemann Weber von der Uni Gießen der Deutschen Presse-Agentur hinsichtlich der Rücknahme der Maskenpflicht. Er meint vollständig Geimpfte. "Wir haben immer noch eine Pandemie mit einem unklaren weiteren Verlauf unter anderem durch Virusvarianten."

Aufhebung der Maskenpflicht: Völlig falsches Signal

Der eingeschlagene Weg sollte aus Webers Sicht beibehalten werden. "Eine Aufhebung der Maskenpflicht beispielsweise im Einzelhandel wäre gerade das völlig falsche Signal und sehr kurzsichtig gedacht." Zumal der Aufwand, Maske zu tragen, gering sei - der Gewinn für die Pandemie-Bekämpfung hingegen groß. "Die Maske tut doch niemandem weh." Zumal nach einer im Fachblatt "Science" veröffentlichten Studie des Virologen Christian Drosten das Maximum der Virus-Ausscheidung ein bis drei Tage vor Beginn der Symptome liegt. Der Infizierte merkt also noch gar nicht, dass er krank ist und andere anstecken könnte. Eine Maske kann da viel ungewolltes Ungemach verhindern.

Gerade in kleinen, engen, unbelüfteten Räumen sei die Gefahr am höchsten, sagt Gerhard Scheuch, früherer Präsident der Internationalen Gesellschaft für Aerosole in der Medizin. Als weiteres Beispiel nennt er Aufzüge. "Hier sind oft nur zwei bis vier Kubikmeter Luft. Wenn Leute drin sind, noch weniger." Schon während einer kurzen Fahrt könne man sich anstecken, auch wenn man alleine ist. "Die Wolke bleibt drin."

Wichtig ist vor allem, die Unterschiede zu kennen und die Masken richtig zu tragen. Der medizinische Mund-Nasen-Schutz, auch OP-Maske genannt, besteht in der Regel aus drei Lagen Kunststoff-Vlies. Für die Masken gelten bestimmte Anforderungen und sie sind grundsätzlich nur zum einmaligen Tragen gedacht. Die dichteren, ebenfalls aus Vlies gefertigten Feinstaubmasken der Klassen FFP2, N95 oder KN95 bestehen in der Regel zusätzlich aus elektrostatischem Material, an dem kleine Partikel gebunden werden. Diese Wirkung schwindet aber mit der Zeit.

Masken werden wohl noch "eine ganze Weile" unsere Gesichter verdecken

Wir sollten uns darauf einstellen, dass solche Masken wohl noch eine ganze Weile halbe Gesichter verdecken werden. Der Leiter des Forschungsbereichs Pneumologie an der Charité Berlin, Christian Witt, prognostiziert: "Masken werden eine wichtige Schutzmaßnahme gegen Sars-CoV-2-Infektionen bleiben – sogar für geimpfte Personen, speziell, wenn der Impfschutz mit der Zeit nachlässt."

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