• Sieben-Tage-Inzidenz steigt kontinuierlich
  • Grundlage für viele Corona-Einschränkungen und Lockerungen: Aber ist die 7-Tage-Inzidenz noch der richtige Maßstab?
  • Krankenhauseinweisungen sollen stärker berücksichtigt werden
  • Welche Alternativen gibt es? Blick auf ältere Menschen?  Impfquote? Hospitalisierung?
  • Vorteile der Kennziffer "Neuaufnahmen auf Intensivstationen"

Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt seit über zwei Wochen kontinuierlich an. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) von Mittwochmorgen (21.07.2021) lag sie bei 11,4 – am Vortag betrug der Wert 10,9 und beim jüngsten Tiefststand am 6. Juli 4,9. Demnach haben die Gesundheitsämter in Deutschland dem RKI zuletzt binnen eines Tages 2203 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Das geht aus Zahlen vom Mittwochmorgen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 04.36 Uhr wiedergeben. Zum Vergleich: Vor einer Woche hatte der Wert bei 1548 Ansteckungen gelegen. Dies berichtet die Deutsche Presseagentur.

7-Tage-Inzidenz lange maßgebliche Kennzahl in der Pandemie

Die Inzidenz war in der Pandemie bisher Grundlage für viele Corona-Einschränkungen, etwa im Rahmen der Ende Juni ausgelaufenen Bundesnotbremse. Für viele war die 7-Tage-Inzidenz lange die maßgebliche Größe in der Corona-Pandemie. Doch immer mehr branden Zweifel auf, wie aussagekräftig die Kennziffer noch ist. Künftig sollen daneben nun weitere Werte wie Krankenhauseinweisungen stärker berücksichtigt werden.

Deutschlandweit wurde den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 19 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 28 Tote gewesen. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3 748 613 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Inzidenz gilt unter Experten weiterhin als Anzeiger dafür, wie sich das Virus in der Bevölkerung verbreitet. Die zentrale Frage sei, wie die stärkere Verbreitung des Virus zu interpretieren ist, sagte der Statistiker Helmut Küchenhoff von der Uni München der Deutschen Presse Agentur. Der aktuelle Inzidenz-Anstieg sei zwar «vielleicht ein Grund für Nervosität, aber noch kein Grund, um Lockerungen zurückzunehmen». Man müsse erstmal abwarten, um die Auswirkungen auf die tatsächliche Zahl der Erkrankungen absehen zu können.

Abkehr vom Inzidenzwert? Ist der 7-Tage-Inzidenzwert noch der richtige Maßstab?

Viele Fachleute sind sich darin einig, dass mit zunehmendem Impfschutz in der Bevölkerung die Inzidenz in einem anderen Verhältnis zu schweren Verläufen steht als noch vor einigen Monaten. Wie groß dieser Unterschied ist, ist schwer einzuschätzen. Küchenhoff plädiert dafür, bei der Inzidenz in erster Linie auf die älteren Menschen zu blicken, da diese besonders anfällig für schwere Verläufe seien. Zuletzt war der Wert für Menschen ab 60 Jahren laut RKI-Daten weniger als halb so hoch wie in der Gesamtbevölkerung - und stieg laut Berechnungen Küchenhoffs zuletzt auch nicht. Das dürfte auch an der höheren Impfquote bei Älteren liegen.

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Das schon früh ausgegebene Ziel der Politik ist es, das Gesundheitssystem nicht zu überlasten und schwere Erkrankungen sowie Todesfälle zu vermeiden. Aus Sicht von Küchenhoff sollte man genau auf diese Parameter schauen - also beispielsweise wie viele Neuaufnahmen von Corona-Fällen es in Kliniken gibt.

Als Alternative zur Meldeinzidenz rät Küchenhoff und seine Kollegen in einem CODAG Bericht (COVID-19 Data Analysis Group) bereits seit April dazu, die Zahl der Neuaufnahmen auf Intensivstationen als Hauptindikator zu verwenden. Der Vorteil: Diese Zahl misst direkt und zeitnah das Ausmaß der schweren gesundheitlichen Belastung in der Bevölkerung. Im Vergleich zu den bekannten Belegungsstatistiken der Intensivstationen (DIVI) hat die Erfassung der Neuaufnahmen den Vorteil, dass sie nicht abhängig ist von der Belegungsdauer, Therapiezieländerungen oder Verlegungsstrategien.

Alternativen zu Inzidenz-Messwert 

Das Bundesgesundheitsministerium gab am 11. Juli bekannt, dass Krankenhäuser künftig verpflichtet werden sollen, alle Krankenhausneuaufnahmen wegen Corona zu melden. Bisher wird lediglich die Zahl der Intensivpatienten zentral erfasst.

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