• RKI warnt vor beschleunigtem Anstieg der Corona-Fallzahlen
  • Intensivmediziner befürchten Einschränkung der Versorgung in Krankenhäusern
  • Zahl der Impfdurchbrüche nimmt zu
  • Ansteckungen in jüngeren Altersgruppen und bei Menschen mittleren Alters deutlich über dem Durchschnitt

Nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) werden die Corona-Zahlen in Deutschland bald dynamisch anwachsen. "Es ist damit zu rechnen, dass sich im weiteren Verlauf des Herbstes und Winters der Anstieg der Fallzahlen noch beschleunigen wird", schreibt das Institut in seinem neuen Wochenbericht zur Pandemie, der am Donnerstagabend (21. Oktober 2021) erschienen ist.

Immer mehr Corona-Fälle: Mediziner rechnen mit "Einschränkung in der Versorgung der Bevölkerung"

Auch Intensivmediziner schlagen Alarm, weil mangels Pflegepersonals viele Intensivbetten nicht mehr betrieben werden könnten. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass sich die Corona-Lage in bayerischen Krankenhäusern immer mehr zuspitzt: Über ein Dutzend Regionen hatte gemeldet, aktuell kein einziges freies Intensivbett mehr zur Verfügung haben -darunter auch mehrere Städte und Kreise in Franken.

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) teilte am Donnerstagabend (21. Oktober) mit, es sei in der kommenden Zeit "mit einer spürbaren Einschränkung in der Versorgung der Bevölkerung zu rechnen". Derzeit seien 22.207 Intensivbetten als betreibbar gemeldet, zu Jahresbeginn seien es 26.475 gewesen. Laut Mitteilung der Intensivmediziner hätten die vergangenen Monate hätten zu einer Verschlechterung der Stimmung und zu weiteren Kündigungen von Stammpflegekräften geführt.

"Eine absehbar schwere Herbst- und Winterwelle" mit vielen Covid-19-Patienten, aber auch Erkrankten mit anderen Atemwegsinfektionen wie Grippe könne die Intensivmedizin in Deutschland "erneut an und über ihre Grenzen bringen", wurde Stefan Kluge zitiert. Kluge ist Direktor der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Experte: "Die eigentliche 4. Welle hat jetzt begonnen und nimmt weiter Fahrt auf"

"Die eigentliche 4. Welle hat jetzt begonnen und nimmt weiter Fahrt auf", schrieb Divi-Experte Christian Karagiannidis bei Twitter. Es gebe noch immer eine sehr enge Korrelation zwischen Inzidenz und Neuaufnahmen auf Intensivstationen. Dort ist die Zahl der Covid-19-Patienten laut Divi-Intensivregister mittlerweile wieder auf rund 1540 angestiegen (Stand: Donnerstag, 21. Oktober 2021).

Laut RKI-Bericht sind wieder vermehrt Ausbrüche in medizinischen Einrichtungen sowie in Alten- und Pflegeheimen bekannt geworden. Erstmals seit der Woche vom 3. bis 9. Mai sei die Sieben-Tage-Inzidenz bei Menschen über 90 Jahren vergangene Woche wieder auf über 50 gestiegen. Mit Hygienemaßnahmen und zunehmender Durchimpfung seien solche Ausbrüche zwar deutlich zurückgegangen, sie träten aber weiterhin auf und beträfen auch Geimpfte, hieß es. Hochaltrige sind besonders gefährdet, bei einer Corona-Infektion schwere und tödliche Verläufe zu erleiden.

Allgemein schreibt das RKI, es sei "erwartbar", dass mit der Zeit mehr Impfdurchbrüche verzeichnet werden, Erkrankungen bei vollständig Geimpften mit Corona-Nachweis durch einen PCR-Test. Das liege daran, dass immer mehr Menschen geimpft seien und sich das Virus derzeit wieder vermehrt ausbreite. "Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, als vollständig geimpfte Person mit dem Virus in Kontakt zu kommen." Schwere Krankheitsverläufe sind laut RKI bei Geimpften sehr selten.

Überdurchschnittlich viele Ansteckungen in zwei Altersgruppen

Aufgefallen war in Deutschland ein hoher Anteil von Infektionen nach der einmaligen Impfung mit Johnson & Johnson. Menschen, die diesen Impfstoff bekommen haben, empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) mittlerweile unabhängig vom Alter, den Schutz mit einer zusätzlichen Dosis mRNA-Impfstoff zu verbessern, da sie den Impfschutz des Vakzins inzwischen als "ungenügend" einstuft. 

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Deutlich höhere Inzidenzen als Senioren verzeichneten laut RKI-Bericht wie bereits in den Vorwochen jüngere Altersgruppen, in denen die Impfquoten niedriger sind. Bei den Kindern und Jugendlichen von 10 bis 14 Jahren waren es vorige Woche 182 Ansteckungen pro 100.000 Einwohner.

Aber auch bei Menschen im mittleren Alter (35 bis 44) lagen die Inzidenzen über dem Durchschnitt.

Mögliche Super-Spreading-Events: RKI rät zu Verzicht auf unnötige Kontakte

"Insbesondere bei jetzt deutlich steigenden Fallzahlen sollte unabhängig vom Impf-, Genesenen- oder Teststatus das grundsätzliche Infektionsrisiko und der eigene Beitrag zur Verbreitung von Sars-Cov2 reduziert werden", appellierte das RKI. Alle Menschen wurden aufgerufen, weiter die Verhaltensregeln zum Schutz vor Ansteckungen einzuhalten (Abstand, Hygiene, Maske, Lüften, Corona-Warn-App).

Unnötige enge Kontakte sollten laut RKI-Empfehlung reduziert und "Situationen insbesondere in Innenräumen, bei denen sogenannte Super-Spreading-Events auftreten können" möglichst gemieden werden.

Besonders von der Pandemie betroffen ist derzeit Bayern: Neun von zehn Landkreisen mit der höchsten 7-Tage-Inzidenz in Deutschland liegen im Freistaat.

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