Berlin
Pandemie

Düstere Prognose des RKI: 7-Tage-Inzidenz in Deutschland nach Ostern bei über 300?

Das Robert-Koch-Institut hat vor einer dramatischen Zunahme der Corona-Infektionen in Deutschland gewarnt. Schon wenige Tage nach Ostern könnte die 7-Tage-Inzidenz auf einen neuen bundesweiten Rekordwert hochschnellen. Die Experten erklären, warum.
 
Das Robert-Koch-Institut befürchtet eine Eskalation der Corona-Lage nach Ostern: Schon in wenigen Tagen könnte die 7-Tage-Inzidenz auf einen neuen bundesweiten Rekordwert von über 300 hochschnellen.
Das Robert-Koch-Institut befürchtet eine Eskalation der Corona-Lage nach Ostern: Schon in wenigen Tagen könnte die 7-Tage-Inzidenz auf einen neuen bundesweiten Rekordwert von über 300 hochschnellen. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Vor den Oster-Feiertagen hat das Robert-Koch-Institut (RKI) vor einer Eskalation der Corona-Lage in Deutschland gewarnt. Laut einer Prognose, die aus dem Bericht zu Virusvarianten vom Mittwoch (31. März 2021) hervorgeht, könnte die 7-Tage-Inzidenz  schon etwa eine Woche nach den Osterfeiertagen  auf über 300 gestiegen sein.

RKI warnt vor eskalierender Corona-Lage: "Fallzahlen über dem Niveau von Weihnachten"  

Diese düstere Prognose basiert auf der massiven Ausbreitung der sogenannten britischen Variante von Sars-CoV-2 in den vergangenen Wochen, die das Institut analysiert hat. "Es zeigt sich ein exponentiell ansteigender Trend der 7-Tage-Inzidenz der Variante B.1.1.7 seit Kalenderwoche 2", heißt es in dem Bericht. Demnach sei die B.1.1.7.-Inzidenz in jeder Woche um etwa 46 Prozent angestiegen und habe sich alle 12 bis 13 Tage verdoppelt. Die 7-Tage-Inzidenz aller übrigen Varianten sei um etwa 19 Prozent pro Woche gesungen. Diese beiden Trends überlagerten sich laut RKI zurzeit, was insgesamt zu der langsam ansteigenden 7-Tage-Inzidenz zwischen den Kalenderwochen 6 bis 9 führte. Die Extrapolation der Trends zeige, "dass mit Fallzahlen über dem Niveau von Weihnachten ab KW 14 (5. bis 11. April) zu rechnen ist."

„Auf Grund der großen Verbreitung und der erhöhten Übertragbarkeit dieser Varianten muss weiterhin eine stark steigende Inzidenz von Covid-19-Fällen in Deutschland angenommen werden“, fasst das RKI zusammen.

Den bislang höchsten Wert der 7-Tage-Inzidenz erreichte Deutschland nach RKI-Zahlen am 22. Dezember 2020 mit 197,6. Zwischen der zweiten und dritten Welle hatte die Bundesrepublik fast einen Wert von unter 50 erreicht: Am 19. Februar lag die Inzidenz bei 56,8 - seitdem geht es wieder nach oben.

Anteil bei 88 Prozent: B.1.1.7.-Verbreitung "besorgniserregend"

Die zuerst in Großbritannien entdeckte, sehr ansteckende Corona-Variante B.1.1.7 breitet sich rasch in Deutschland aus. Sie habe laut RKI-Bericht einen Anteil von 88 Prozent erreicht, erklärte das Institut mit  Verweis auf Tests der Vorwoche (22. bis 28. März).

Corona-Selbsttest online kaufen: Angebot bei Aponeo anschauen

Die Verbreitung der Variante sei besorgniserregend, weil sie "nach bisherigen Erkenntnissen deutlich ansteckender ist und vermutlich schwerere Krankheitsverläufe verursacht als andere Varianten." Es sei daher mit weiter steigenden Covid-Fällen in Kliniken zu rechnen. In Deutschland war die sehr ansteckende, britische Corona-Variante erstmals an Heiligabend nachgewiesen worden. Gut drei Monate später hat sie die Ursprungsvariante hierzulande weitgehend verdrängt.

Alle in Deutschland verfügbaren Impfstoffe schützten nach RKI-Angaben jedoch sehr gut vor einer Erkrankung durch B.1.1.7 und auch vor schweren Erkrankungen durch zwei andere Varianten. In rund 0,1 Prozent der B.1.1.7-Proben wurde jedoch die zusätzliche Mutation E484K nachgewiesen, die die Wirkung der Antikörper des Immunsystems abschwächt.

Andere Virusvarianten spielen kaum eine Rolle

Die zwei anderen Virusvarianten spielen laut RKI derzeit in Deutschland kaum eine Rolle: Die in Südafrika verbreitete Variante B.1.351 sei in 0,8 Prozent der darauf untersuchten positiven Proben nachgewiesen worden, die stark in Brasilien zirkulierende Variante P.1 sogar nur in 0,1 Prozent. Beide Varianten können die Wirkung der Antikörper des Immunsystems etwas vermindern.

Ihr Anteil sei so niedrig, weil es in Deutschland keine Bevölkerungsimmunität gebe, hatte der Berliner Virologe Christian Drosten kürzlich in einem NDR-Podcast erklärt. "Diese Varianten kommen nur dann hoch, wenn wir in der Bevölkerung schon eine Immunität haben. Sonst profitieren die nicht von ihren Mutationen." Auch nach Drostens Angaben schützen die Impfstoffe jedoch in beiden Fällen vor einem schweren Covid-19-Verlauf.

Der Anstieg der Neuinfektionen insgesamt und der durch die sehr ansteckende Variante B 1.1.7. wird laut RKI zu einer "deutlich ansteigenden" Anzahl von Covid-19-Patienten in Kliniken führen.

Schnelltests nicht die Ursache für steigende Fallzahlen

Auf die Schnelltests ist die steigende Zahl an gemeldeten Corona-Neuinfektionen nach RKI-Erkenntnissen bisher dagegen nicht sonderlich zurückzuführen. Es lasse sich "keine Verzerrung der Anzahl PCR-positiver Testergebnisse durch eine übergroße oder stark ansteigende Anzahl von positiven Antigentests nachweisen".

Zwischen 8. und 14. März, als in Deutschland wöchentliche Gratis-Schnelltests eingeführt wurden, ging nach RKI-Angaben bei 4,4 Prozent der laborbestätigten PCR-Tests ein positiver Schnelltest voraus. Dieser Anteil kletterte leicht auf 5,5 Prozent (15. bis 21. März) und zuletzt auf 6,0 Prozent (22. bis 28. März). Nach RKI-Angaben lag in den Kalenderwochen 11 und 12 (15. bis 28. März) die Zahl positiver PCR-Tests mit vorangegangenem Schnelltest jeweils um etwa 1800 höher als in der Vorwoche. Die Zahl der positiven Tests sei jedoch in jeder der beiden Wochen um über 20.000 gestiegen.

In der vergangenen Woche gab es nach RKI-Angaben 1,40 Millionen PCR-Tests. Laut RKI-Lagebericht der Vorwoche waren es damals 1,35 Millionen. Die Rate der positiven Tests stieg in den Wochen von 7,91 auf 9,33 Prozent und damit wesentlich schneller als die Testzahlen. Positive Schnelltest-Ergebnisse müssen dem Gesundheitsamt mitgeteilt werden. Daraufhin soll ein PCR-Test erfolgen. Das RKI schränkt allerdings ein, dass es über die Vollständigkeit der Meldungen keine Aussage machen könne. Selbsttests für zu Hause sind nicht meldepflichtig.

*Hinweis: In der Redaktion sind wir immer auf der Suche nach nützlichen Produkten für unsere Leser. Es handelt sich bei den in diesem Artikel bereitgestellten und mit einem Einkaufswagen-Symbol beziehungsweise einem Sternchen gekennzeichneten Links um sogenannte Affiliate-Links/Werbelinks. Wenn Sie auf einen dieser Links klicken und darüber einkaufen, bekommen wir eine Provision vom Händler. Für Sie ändert sich dadurch nichts am Preis. Unsere redaktionelle Berichterstattung ist grundsätzlich unabhängig vom Bestehen oder der Höhe einer Provision.