Berlin
Stauffenberg-Attentat

Claus von Stauffenberg: Erinnerung an die Widerstandskämpfer vom 20. Juli 1944

Der "Aufstand des Gewissens" jährt sich in diesem Jahr am 20.Juli 2020 zum 76. Mal. Stauffenberg und seine Gruppe an Widerstandskämpfern führten einen Anschlag gegen Hitler in der Wolfsschanze durch. Hitler überlebte diesen und die Verschwörer bezahlten mit ihrem Leben. Was genau passierte und wer Stauffenberg war, lesen Sie in diesem Artikel.
 
Claus Schenk Graf  von Stauffenberg Foto: dpa
Am 20.Juli wird wie jedes Jahr an Widerstandskämpfer Claus Schenk Graf von Stauffenberg und sein Attentat auf Hitler erinnert. Foto: dpa

Der 20. Juli 1944 ist zum Symbol des deutschen Widerstandes gegen die Diktatur des Nationalsozialismus und die Schreckensherrschaft Hitlers geworden. Als "Aufstand des Gewissens" geht dieser Tag in die Geschichte ein. 76 Jahre ist es her, dass Claus Schenk Graf von Stauffenberg eine Bombe im "Führerhauptquartier" in Ostpreußen detonieren ließ.

Zuerst waren alle überzeugt, das kann Hitler nicht überlebt haben. Doch außer einige wenige Verbrennungen, einem geplatzten Trommelfell und ein paar Prellungen geht es dem Führer gut. Seine Tat muss Stauffenberg und die anderen Widerstandskämpfer in der selben Nacht mit ihrem Leben bezahlen, wie Planet wissen berichtet.

Was geschah am 20.Juli 1944? - Der Versuch eines Umsturzes

Es ist circa 12 Uhr als Hitler in der "Wolfsschanze", dem streng abgeriegelten Führerhauptquartier, eine Lagebesprechung abhält. Thema ist, das weitere militärische Vorgehen an der Ostfront. Stauffenberg betritt den Besprechungsraum, ausgestattet mit dem Sprengsatz, der Hitler töten soll. Gedränge im Raum verhindert, dass Stauffenberg die Tasche mit dem Sprengsatz direkt neben Hitler platzieren kann. 

Unter dem Vorwand telefonieren zu müssen, verlässt Stauffenberg den Raum. Die Aktentasche steht nun in der Nähe Hitlers am Tischende. Jemand schiebt die Tasche aber auf die Hitler abgewandte Seite des Tischsockels. 

Um 12.42 Uhr detoniert der platzierte Sprengsatz. 24 Personen sind in dem Raum. Vier von ihnen sterben. 20 werden verletzt, unter ihnen befindet sich Hitler. Die Sprengkraft wurde von der Tischplatte abgeschwächt. Die Sprengkraft einer Bombe alleine reichte nicht aus. Auch die neue Position der Aktentasche war zu weit von Hitler entfernt platziert. 

"Operation Walküre"

Im sicheren Glauben, dass Hitler tot sei, steigt Stauffenberg in den Flieger zurück nach Berlin. Der, in die Verschwörung eingeweihte, General Fellgiebel unterrichtet aus der "Wolfsschanze", die in Berlin wartenden Verschwörer, dass Hitler lebt. Unsicher geworden leiten diese nicht die Schritte für den zweiten Teil des Attentats ein - die "Operation Walküre". 

Operation Walküre - Film jetzt auf Blu-Ray bestellen

Der Walküre-Plan war dazu gedacht, im Falle innerer Unruhen das in der Heimat stationierte Heer zu mobilisieren. Der militärische Widerstand hatte diesen Plan für sich abgeändert. Sie wollten nach Hitlers Tod die Soldaten der Wehrmacht vom Eid auf den Führer entbinden. Das Attentat sollte als innerparteilicher Machtkampf ausgegeben werden und der SS, Gestapo und dem Sicherheitsdienst in die Schuhe geschoben werden. Innerhalb von 36 Stunden sollten die Verbände der Wehrmacht die vollziehende Gewalt im Staat übernehmen. Nach und nach wären somit die Institutionen der NS-Macht ausgehebelt worden und Deutschland wäre zu einer neuen politischen Ordnung gekommen. 

Viel zu viele wertvolle Stunden sind vergangen als Stauffenberg in Berlin im Bendlerblock eintrifft. Albrecht Mertz hat es doch mit entschlossenem Vorgehen geschafft, die Operation in Gang zu bringen. Mithilfe der Mitverschwörer gelingt es Stauffenberg, den Befehlshaber des Ersatzheeres, Generaloberst Friedrich Fromm festzunehmen. Es beginnt ein aussichtsloses Rennen gegen die Zeit. 

Widerstandskämpfer verlieren gegen das NS-Regime

Am Abend entgleitet den Verschwörern die Operation komplett. Kaum jemand befolgt noch die Anweisungen der Verschwörer, die ersten Gegenbefehle aus dem Führerhauptquartier sickern durch. Der Rundfunk spricht fatalerweise bereits von einem gescheiterten Attentat auf Hitler. Der glühende Nationalsozialist und Kommandeur des Berliner Wachbataillons, Major Remer will sich von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels den angeblichen Tod des Führers bestätigen lassen. Dieser ergreift die Chance und stellt ein Blitzgespräch mit dem Führer her. 

Über das Telefon ernennt Hitler ihn zum Oberst und befiehlt ihm und seiner Gruppe den Putsch niederzuschlagen. Remers Wachbataillon belagert den Gebäudekomplex der Bendlerstraße. Der Staatsstreich ist gescheitert. 

Den Verschwörern steht der grausame Tod durch das NS-Regime bevor. General Ludwig Beck wird noch am selben Abend in den Selbstmord getrieben. Er sollte nach dem Putsch das neue Staatsoberhaupt werden. Stauffenberg und vier weitere Verschwörer werden im Scheinwerferlicht der Wehrmachtsfahrzeuge im Hof erschossen. Mitverschwörer Henning von Tresckow nimmt sich einen Tag später an der Ostfront mit einer Handgranate das Leben. Alle anderen werden tagelang verhört und gefoltert. 

Wer war Stauffenberg? - Geschichte eines Wandels

Doch Claus von Stauffenberg war nicht bereits zu Beginn ein Anhänger des Widerstandes. Als Hitler Reichskanzler wurde, waren die politischen Vorstellungen Stauffenbergs verschwommen und widersprüchlich, wie der stern schreibt. Die Nazis waren ihm zu pöbelhaft, das neue Reich ihm aber willkommen. Als Logistiker nahm er am Polenfeldzug teil. Er erlebte das alles mit unbefangenem Hochmut. Auch den Frankreich-Feldzug erlebte er wie im Rausch.

Dem Karriere-Offizier bereiteten nicht mal die Ausrottungs- und Vernichtungsfeldzüge gegen die Sowjetunion Skrupel. Dort begannen Menschen seines Umfelds ihn für den Widerstand zu gewinnen. Sein Vetter Peter Yorck von Wartenburg hatte längst erkannt, dass das absolut ins imperialistische Denken treibe. Dem müsse baldigst entgegengetreten werden. Auch sein späterer Mitverschwörer Helmut Stieff sagte da bereits, "ich schäme mich ein Deutscher zu sein."

Die Versuche ihn zu überzeugen, waren vergebens. Claus wurde zum Major befördert und rückte im Generalstab des Heeres auf. Umdenken setzte ein, als ihn die Gräueltaten in den besetzten Ostgebieten zunehmend belasteten. Hitler offenbarte seinen Wahnsinn nun auch in irrwitzigen strategischen Entscheidungen, die die Offiziere wütend machten. Jetzt kämpfte Stauffenberg mit den anderen vehement gegen das Regime. Er warb auf Frontreisen offensiv um Unterstützung und konfrontierte Kommandeure mit dem grauen hinter der Front. 

Stauffenberg wird Zentrum des Widerstandes 

Er wurde in das Zentrum des Widerstandes nach Berlin gesetzt. Nachdem Henning von Tresckow, einer der brilliantesten Köpfe, an die Front versetzt wurde, trat Stauffenberg an seine Stelle als Organisator. Nach Dienstschluss arbeitete er wie besessen an der Verschwörung. Ein Demokrat war Strauffenberg gewiss nicht, die "Gleichheitslüge verachtete er, der Weimarer Republik weinte er nicht nach. Sein Ziel war es Deutschland zu retten und den Vormarsch der Roten Armee auf Reichsgebiet unter allen Umständen zu verhindern. 

Es wurde darauf bestanden, dass ein anderer den Anschlag auf Hitler verübte. In der Organisation war Stauffenberg zu wichtig. Doch der eine Attentäter schwankte, dem nächsten entwischte Hitler um Haaresbreite, der Dritte kam nicht nah genug an ihn heran und einen Vierten verließ der Mut. Schließlich entschied Stauffenberg selbst zur Tat zu schreiten. 

Der Bedeutungswandel des Attentats in den 60er Jahren 

In den Nachkriegsjahren hat die Widerstandsgruppe um Stauffenberg einen Bedeutungswandel erfahren. Laut Bundeszentrale für politische Bildung wirkte die NS-Propaganda bis in die 1950er Jahre nach. Diese stigmatisierte den Putsch als Vaterlandsverrat und Eidbruch durch eine kleine Gruppe ehrgeiziger Offiziere. Viele Zeitgenossen empfanden das Attentat als letzten Versuch ihren Ruf zu retten. Auch in der DDR war der 20.Juli als reaktionärer Junkeraufstand abgestempelt worden. 

In den 1960er Jahren kam das Umdenken mit dem Herausarbeiten der Motivationslage der Kämpfer. Zumindest in der Bundesrepublik galt ihr Putsch gegen Hitler nunmehr als ein Ausdruck für ein "anderes Deutschland". Trotzdem wird immer kritisch darauf verwiesen, dass die Widerstandskämpfer um Stauffenberg keine geborenen Gegner des NS-Regimes gewesen sind. Die Vorstellungen der Widerstandskämpfer beruhten in keinem Fall auf demokratisch-freiheitlichen Grundsätzen. Die Akteure sollten jedoch im historischen Kontext betrachtet werden.

Bundesregierung erinnert auch in diesem Jahr an den Widerstand

Wie jedes Jahr wird auch am heutigen Montag (20. Juli 2020) in Berlin an die Hitler-Attentäter erinnert. Gedacht wird an die Ereignisse des 20. Juli an der Gedenkstätte am Plötzensee. Die Veranstaltung findet aufgrund der Pandemie- Situation ohne Publikum, aber dafür im Live-Stream statt. 

Gäste sind unter anderem Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke), der Bundesratsvorsitzende Reiner Haselhoff, die Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (beide CDU) und Bundesverfassungsrichterin Susanne Baer. Die Gedenkrede wird von Enkel, Philipp von Schulthess, des Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg gehalten. Der Bürgermeister Berlins, Michael Müller (SPD) wird mit einer Videobotschaft zugeschaltet.

Inzwischen gibt es einen breiten Konsens der positiven Bewertung des Attentats. Nach Stauffenberg sind Schulen unter anderem in Heidelberg, Frankfurt am Main, Heilbronn und auch Bamberg benannt worden.

* Hinweis: In der Redaktion sind wir immer auf der Suche nach tollen Angeboten und nützlichen Produkten für unsere Leser – nach Dingen, die uns selbst begeistern und Schnäppchen, die zu gut sind, um sie links liegen zu lassen. Es handelt sich bei den in diesem Artikel bereitgestellten und mit einem Einkaufswagen-Symbol beziehungsweise einem Sternchen gekennzeichneten Links um sogenannte Affiliate-Links/Werbelinks. Wenn Sie auf einen dieser Links klicken und darüber einkaufen, bekommen wir eine Provision vom Händler. Für Sie ändert sich dadurch nichts am Preis.