Ein Spaziergang durch das Kanzleramt, ein Plausch mit Angela Merkel: Die Aussicht auf einen Blick hinter die Kulissen der politischen Machtzentralen hat am Samstag und Sonntag in Berlin insgesamt etwa 146 000 Bürger zum Tag der Offenen Tür der Bundesregierung gelockt. Vor Kanzleramt und Ministerien bildeten sich lange Schlangen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte Interessierten ihre Arbeitsplatz. Wie das Bundespresseamt am Sonntagabend mitteilte, war das Besucherinteresse an den beiden Tagen höher als im Vorjahr, als 125.000 Menschen kamen.

Merkel nutzte die Gelegenheit, um sich bei den vielen ehrenamtlich tätigen Bürgern zu bedanken. Für den Bundesfreiwilligendienst gebe es mehr Bewerber als man bezahlen könne, sagte sie. "Wir sind auch deshalb so ein starkes Land, weil sich so viele im Ehrenamt engagieren."

Neben Merkel zeigten auch viele Minister ihre Häuser und rollten dafür den Roten Teppich aus.
Zu ihnen gehörten Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) und Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), die sich den Fragen der Bürger stellten. Am Samstag spielte Rösler Fußball im Hof seines Ministeriums in der Nähe des Hauptbahnhofs. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) nahm sich ebenfalls Zeit.

Auch Ministeriums- und Regierungssprecher standen den Besuchern Rede und Antwort. Ein Sprecher der Bundespressekonferenz merkte dabei an: "So voll wie heute ist der Saal eigentlich nur, wenn die Kanzlerin da ist, ein Koalitionsvertrag unterschrieben oder eine rechtsextremistische Mordserie publik wird." Bei der anschließenden Fragerunde interessierten sich viele Bürger vor allem für die Arbeitsweise der Bundespressekonferenz, in der die Hauptstadtkorrespondenten organisiert sind.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) dankte Fluthelfern für ihren Einsatz beim Juni-Hochwasser und überreichte ihnen Medaillen. Er äußerte sich erfreut über das Interesse der Menschen an seiner Arbeit. "Sonst sehe ich ja immer nur, was die Journalisten interessiert, und das muss ja nicht immer deckungsgleich sein."