Bei der geplanten Reform gehe Gründlichkeit vor Schnelligkeit. Kritiker halten die während des Ost-West-Konflikts eingerichtete Lagerung etwa von Getreide, Reis und Linsen nicht mehr für nötig und verweisen auf Millionen-Ausgaben. Das Ministerium hatte im Frühjahr angekündigt, die Vorsorge auf den Prüfstand zu stellen.

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Rainer Erdel sprach sich für die Abschaffung der Notfallvorsorge aus, da dies eine Verschwendung von Steuermitteln sei. «Ein realistisches Szenario, in dem der Rückgriff auf eingelagertes Getreide notwendig erscheint, kann ich nicht erkennen», sagte das Mitglied im Agrar- und Verteidigungsausschuss. Für den Fall eines ernsthaften Notstands wäre es völlig ausreichend, wenn der Staat dann das Recht bekäme, Vorräte zu beschlagnahmen, die aktuell auf dem Markt seien.

Nach Ministeriumsangaben soll die Neugestaltung des Notvorrats auch mit den Ländern, dem Verteidigungs- und Bundesinnenministerium abgestimmt werden. Dabei geht es unter anderem um die Zusammensetzung und Menge der Waren. Die Vorräte in knapp 150 Lagerorten verursachen beim Bund Kosten von etwa 20 Millionen Euro im Jahr. Die Waren haben einen Wert von rund 200 Millionen Euro. Eingelagert werden Weizen, Roggen und Hafer, um etwa bei Natur- oder Umweltkatastrophen Mehl für die Versorgung mit Brot herzustellen. Zum anderen werden Reis, Erbsen, Linsen und Kondensmilch vorgehalten.

Denkbar wäre aus Expertensicht, beim Notfallvorrat zum Beispiel stärker auf Fertiggerichte zu setzen. Die Wirtschaft könnte verpflichtet werden, bestimmte Waren in vorgegebener Zeit verfügbar zu halten. Die Vorräte werden bisher regelmäßig erneuert und weiterverkauft.