Der Bundesnachrichtendienst (BND) will mit einer ungewöhnlichen Aktion mehr Hacker für den Kampf gegen internationale Bedrohungen finden.

Unter dem Hashtag «#followtheglitchkarnickel» versucht der deutsche Auslandsgeheimdienst seit heute, die Hacker-Szene im Internet per Wortwahl, Cyber-Ästhetik und einem besonderen Bildprogramm direkt zu erreichen. «Wir müssen die Sprache derer sprechen, die sich für uns interessieren sollen», sagte BND-Präsident Bruno Kahl der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Unterstützung kommt aus der Union. Aus den Reihen der Grünen wird kritisiert, beim Fachkräftemangel werde viel zu spät gegengesteuert.

«Alle Leute reißen sich um Fachkräfte, die in diesem Bereich Expertise haben», sagte Kahl. Der Cyberraum biete nicht nur Chancen, sondern auch Gefahren. «Diese Gefahren muss der BND erkennen und helfen, sie abzuwehren.» Dazu brauche es das richtige Personal. Die BND-Hacker versuchen, für die Bundesregierung Informationen unter anderem aus den Bereichen internationaler Terrorismus, der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen, Menschenhandel, Organisierte Kriminalität und Wirtschaftsspionage zu beschaffen.

Kahl sagte mit Blick auf finanziell attraktivere Angebote der freien Wirtschaft für IT-Spezialisten: «Viele wollen auf der richtigen Seite arbeiten.» Es gebe immer mehr junge Leute, denen Geld nicht alles bedeute. «Bei uns kann man Dinge legal tun, die woanders vielleicht verboten werden.» Im internationalen Vergleich sieht Kahl den BND gut aufgestellt. «Gemessen daran, dass viele der sehr leistungsstarken Partner mit uns gerne zusammenarbeiten wollen, kann ich mir ausrechnen, dass wir über hinreichend Fähigkeiten und Kompetenzen verfügen.» Notwendig sei aber eine «bessere und breitere Aufstellung, damit wir durchhaltefähig werden».

Der Vorsitzende des parlamentarischen Gremiums zur Kontrolle der Geheimdienste (PKGr), Roderich Kiesewetter (CDU), sagte der dpa, der BND sei «ein zentraler Baustein unserer Sicherheitsinfrastruktur und braucht deshalb nicht nur eine gute finanzielle Ausstattung, sondern gerade auch im IT-Bereich die besten Expertinnen und Experten». Auch wenn dessen Arbeit hervorragend parlamentarisch kontrolliert werde, «müssen wir alles dafür tun, dass der BND auf Augenhöhe mit Partnerdiensten und gegnerischen Diensten arbeiten kann».

Grünen-PKGr-Mitglied Konstantin von Notz sagte, die Arbeit der Nachrichtendienste verlagere sich mehr und mehr ins Digitale. Der Markt für IT-Spezialisten sei leergefegt. «Das Problem ist seit Jahren bekannt. Leider hat man viel zu spät gegengesteuert.» Zudem konkurrierten etliche Sicherheitsbehörden um sehr wenige Köpfe. So solle allein das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) demnächst einen Zuwachs von mehreren hundert Stellen erhalten. «Woher diese kommen sollen, weiß die Bundesregierung allein.»

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