Berlin
Klimaaktivistin

Bischof vergleicht Aktivistin Greta mit Jesus: "Erinnert an biblische Szenen" - heftige Kritik

Er wollte die Vorbildfunktion von Greta Thunberg hervorstellen - und erntete dafür heftige Anfeindungen: Mit seinem Jesus-Vergleich hat der katholische Berliner Bischof Heiner Koch für Aufregung gesorgt.
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Die schwedische Schülerin Greta Thunberg spricht bei der Klimademonstration "Fridays for Future" während der Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor. Die 16 Jahre alte Schülerin aus Schweden ist mittlerweile quer durch Europa gereist, um Mitstreiter bei ihren Klimaprotesten zu unterstützen. Ist sie deshalb mit Jesus zu vergleichen? Foto: Michael Kappeler/dpa
Die schwedische Schülerin Greta Thunberg spricht bei der Klimademonstration "Fridays for Future" während der Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor. Die 16 Jahre alte Schülerin aus Schweden ist mittlerweile quer durch Europa gereist, um Mitstreiter bei ihren Klimaprotesten zu unterstützen. Ist sie deshalb mit Jesus zu vergleichen? Foto: Michael Kappeler/dpa

Für seine Radioandacht, in der er die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg mit Jesus verglichen hat, wird der katholische Berliner Bischof Heiner Koch angefeindet. Der "Welt" (Donnerstag) berichtete er von "massiven Verurteilungen und Beschimpfungen". "Wenn jemand meiner Sicht nicht folgen will, soll und darf er sie kritisieren", sagte der Erzbischof der Zeitung. "Viele Kommentierungen verdienen aber das Wort 'Kritik' nicht", ergänzte Koch.

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In vielen Rückmeldungen gehe es nicht um den konkreten Text, sondern um den Klimawandel oder um eine allgemeine Kirchenkritik, nach der sich Kirche nicht in Politik einzumischen habe. Demokratie lebe "vom Zuhören, vom Lernen, vom Offensein, vom Wahrnehmen, was der andere eigentlich sagen will", sagte Koch. Diese Bereitschaft vermisse er.

Er wies auch den Vorwurf zurück, er habe Greta Thunberg zu einer Heilsfigur erhoben. "Propheten sind keine Heilsfiguren", sagte Koch. Die Propheten der Bibel seien "unbequeme Mahner, die aus einer tiefen Glaubensüberzeugung mit ihrem Leben für ihre Konsequenz und ihre Widerständigkeit bezahlt haben". Thunberg stehe für eine Botschaft, "die ich für prophetisch halte", betonte der Theologe.

"Mich erinnern die Freitagsdemos ein wenig an die biblische Szene vom Einzug Jesu in Jerusalem."

Koch hatte in seinem Bischofswort im RBB-Hörfunk am vergangenen Samstag die Vorbildwirkung von Greta Thunberg mit der von Jesus Christus verglichen. Die "Fridays for Future"-Demonstranten würden in ihr ein Idol sehen, von manchen Politikern und Medien werde Greta als Heldin verehrt, sagte Koch: "Mich erinnern die Freitagsdemos ein wenig an die biblische Szene vom Einzug Jesu in Jerusalem."

Jesu Einzug in Jerusalem sei für viele "eine Art Triumphzug für einen Volkshelden" gewesen. Manche hätten in ihm einen "Propheten, einen nationalen Retter" gesehen. Ihm gehe es nicht darum, Greta Thunberg mit dem Vergleich zu einem weiblichen Messias zu machen, sagte Koch und ergänzte: "Ich möchte jedoch daran erinnern, dass unsere Gesellschaft und auch unsere Kirche von Zeit zu Zeit echte Propheten braucht, die auf Missstände und Fehlentwicklungen hinweisen und Lösungswege vorschlagen."

Vorbilder, an denen man sich reiben kann

Dies gelte auch, wenn diese nicht auf ungeteilte Zustimmung stoßen oder Wege wie das Schuleschwänzen "höchst zwiespältig zu bewerten sind". Gesellschaft und Kirche würden von Vorbildern leben, die verlässlich und bescheiden seien, an denen man sich reiben und von ihnen lernen könne, sagte der Bischof.

Seit mehreren Wochen gehen junge Menschen weltweit freitags für den Klimaschutz auf die Straße, anstatt die Schule oder die Universität zu besuchen. Vorbild ist die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg, die mit einem mehrwöchigen Schulstreik internationale Aufmerksamkeit erlangte.