Laden...
Berlin
Bauernproteste

Bauern fühlen sich "gedemütigt": Massive Proteste in Franken - Söder bügelt Kritik ab

Die Landwirte fühlen sich nicht ernst genommen. Das musste Markus Söder am Wochenende in Bamberg und Coburg hautnah erfahren. Seine Reaktion dürfte nicht jedem gefallen haben.
Artikel drucken Artikel einbetten
Markus Söder war in Bamberg und Coburg unterwegs. Von Bauern musste er sich dabei einiges anhören. Foto: Barbara Herbst
Markus Söder war in Bamberg und Coburg unterwegs. Von Bauern musste er sich dabei einiges anhören. Foto: Barbara Herbst

Man könnte es als "Schweigegeld" bezeichnen - zumindest sehen es so einige Landwirte so, nicht nur in Franken: In der Nacht zum Montag kam es in mehreren Orten Bayerns zu spontanen Demonstrationen von Landwirten. Am Montag diskutierte die Bundesregierung mit Lebensmittelhändlern über Lebensmittelpreise.

Hintergrund ist die sogenannte "Bauernmilliarde": Aufgrund der anhaltenden Proteste der Bauern in den letzten Wochen und Monaten, hatte die Regierung finanzielle Unterstützung in beträchtlicher Höhe für die Landwirte zugesagt. Und wie reagieren die Bauern? "Es geht uns nicht um Geld, sondern um eine fachliche Lösung der Probleme", betonte Coburgs Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, Martin Flohrschütz.

Verschärfung der Düngeverordnung

Die "Probleme", das sind vor allem die verschärften Regeln zum Düngemitteleinsatz. Um die Nitratbelastung des Grundwassers zu senken, sollen Landwirte in Zukunft nur noch sehr eingeschränkt Düngen dürfen. Die seit vielen Jahren funktionierende Praxis und die langjährigen Erfahrungen der Bauern - sie seien bei den neuen Regeln komplett missachtet worden - so zumindest der Vorwurf einiger fränkischer Bauern.

In Bamberg stellten Bauern am Wochenende Ministerpräsident Markus Söder beim 75. Geburtstag der Bamberger CSU. Hier war der Tenor: Die Nöte und Ängste der Landwirte werden nicht Ernst genommen. Auch bei Söders Besuch in Coburg am Sonntag traf er auf heftige Kritik: Statt mit sinnvollen Maßnahmen würden Landwirte mit Geld abgespeist: "Wir fühlen uns gedemütigt", sagten die Landwirte Axel Roth und Klaus Siegelin in Coburg. Was Söder mit der Aussage quittierte, man könne das Geld stattdessen auch für andere Zwecke, beispielsweise für Kinderbetreuung, ausgeben.

Egal wo man zurzeit hinschaut, die Landwirte protestieren: In Nürnberg trafen sich Mitte Januar tausende Landwirte mit Traktoren, am 31. Januar waren es hunderte Traktoren, die in Aschaffenburg auffuhren.

Dabei geht es nicht allein um die neue Düngeverordnung: Insgesamt fühlen sich die Landwirte in Deutschland missachtet und wollen auf ihre schwierige wirtschaftliche Lage aufmerksam machen, für die sie auch die großen Supermarktketten verantwortlich machen: Wie ein Sprecher der Polizei mitteilte, haben sich in Eching, in Landsberg am Lech, in Gaimersheim und in Straubing insgesamt etwa 220 Traktoren vor den Zentrallagern einer Supermarktkette postiert, um die Zufahrtswege für rein- und rausfahrende Lastwagen zu versperren. mit dpa