Asteroiden sind steinerne Überbleibsel aus der Entstehungszeit unseres Sonnensystems. Sie brachten womöglich die Grundlagen allen Lebens zur Erde - ein Einschlag heute aber könnte verheerende Folgen haben. Schutzlos ist die Menschheit allerdings nicht. "Das ist die einzige Naturkatastrophe, die wir vorausberechnen können", sagt Detlef Koschny, Asteroiden-Experte der europäischen Raumfahrtagentur Esa im niederländischen Noordwijk, zum Internationalen Asteroidentag am 30. Juni.

Ein Beschuss von Asteroiden wie in Blockbustern ist längst keine reine Fiktion mehr. Bei bestimmten Brocken allerdings gibt es immense Beobachtungslücken.

Asteroiden-Einschläge sind laut Experten ernst zu nehmen - historische Beispiele zeigen Wucht

In unserem Sonnensystem existieren nach Angaben der US-Raumfahrtagentur Nasa über eine Million bisher bekannte Asteroiden, von denen mehr als 20.000 sogenannte Near Earth Objects (NEO) sind, die während ihres Umlaufs unsere Erdumlaufbahn kreuzen. Was solche Brocken anrichten können, zeigen zwei bekannte Ereignisse: Am 30. Juni 1908 fegt - wahrscheinlich - die Druckwelle einer Asteroidenexplosion Millionen Bäume in Tunguska in Sibirien auf einer Fläche fast so groß wie das Saarland um. Mit Blick auf dieses Ereignis rufen die Vereinten Nationen später den 30. Juni zum Internationalen Asteroidentag aus.

Im Februar 2013 explodiert ein etwa 20 Meter großer und 66 000 Kilometer pro Stunde schneller Asteroid über der Millionenstadt Tscheljabinsk. Durch die Druckwelle werden rund 1500 Menschen verletzt, meist von splitterndem Fensterglas. Tausende Gebäude wurden beschädigt.

Am Nachthimmel sind ständig leuchtende Objekte zu sehen - Staub und kleinere Gesteinsbrocken aus dem All, die in der Atmosphäre verglühen. "Die Gesamtmasse, die auf die Erde runterkommt, wird auf 100 Tonnen pro Tag geschätzt", sagt Koschny. Größere Brocken können nach wie vor eine Gefahr darstellen. Ab einer Größe von etwa 20 Metern greifen Warnprotokolle, sagt der Chef-Koordinator der Asteroidenabwehr bei der Esa, Richard Moissl, dessen Team in Frascati bei Rom arbeitet.

Beschuss als mögliche Abwehroption

Esa und Nasa wollen den Beschuss von Asteroiden als mögliche Abwehroption erforschen. Die bereits gestartete Nasa-Sonde "Dart" soll im September auf dem kleineren Brocken eines Doppel-Asteroiden einschlagen und dessen Umlaufbahn um den größeren leicht verschieben. Die Esa-Mission "Hera" soll 2024 starten und dort Messungen vornehmen.

"Dieser sogenannte kinetische Impakt gilt als die vielversprechende Technologie, weil wir die im Grunde schon haben", sagt Moissl. Die Vorgehensweise hänge jeweils von der Vorwarnzeit und der Größe des Objekts ab. "Die letzte Möglichkeit sieht man darin, Nuklearwaffen zu benutzen, weil das die größte zur Verfügung stehende Energiemenge ist, die man in kürzester Zeit in einem Objekt deponieren kann."

Lücken sehen die Experten allerdings noch bei der Überwachung von Asteroiden. Koschny und Moissl zufolge laufen die Beobachtungen derzeit noch fast ausschließlich von der Erde aus. "Wir brauchen in der Zukunft weltraumbasierte Teleskope, um ein besseres Frühwarnsystem zu haben", sagt Moissl. "Wir müssen Beobachtungslücken schließen." Die ganz dicken Brocken sind nicht das Problem. "Die Objekte, die meinen wir alle zu kennen", sagt Koschny. "Was schon eine existierende Bedrohung ist, das ist eben der Größenbereich von 20 bis 40 Metern." Bei einem 40-Meter-Objekt über einer größeren Stadt müsste man diese evakuieren - und in diesem Größenbereich kenne man nur ein paar Prozent der möglichen Kandidaten.

Angst und bange müsse den Menschen aber zurzeit nicht sein. "Eine zivilisationsbedrohende Gefahr kann ich im Moment ausschließen", sagt Koschny. Und auch Moissl sieht derzeit nichts Gravierendes auf die Erde zurasen. "Im Moment kann ich eigentlich sehr gut schlafen."