• Immer wieder Lieferengpässe bei Apotheken und Ärzten
  • Bestimmte Arzneien sind nicht verfügbar
  • Darunter unter anderem Blutdrucksenker, Schmerzmittel und Magensäureblocker

Apotheken und Hausärzten kämpfen weiterhin mit Lieferengpässe bei wichtigen Arzneimitteln. Im vergangenen Jahr waren 16,7 Millionen Packungen nicht verfügbar, für die es Rabattverträge mit den gesetzlichen Kassen gibt, ergab eine Auswertung des Deutschen Arzneiprüfungsinstitutes für den Deutschen Apothekerverband (DAV).

Apotheken ringen mit Lieferengpässen: Blutdrucksenker, Schmerzmittel und Magensäureblocker werden knapp

Am stärksten von Lieferproblemen betroffen waren unter anderem Blutdrucksenker, Magensäureblocker und Schmerzmittel. Während Hausärzte Lieferengpässe als Alltagsproblem beschreiben, betont das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, es stünden oft alternative Medikamente bereit.

Apotheken hätten jeden Tag personellen und logistischen Aufwand, um Patienten mit gleichwertigen Austauschpräparaten zu versorgen, wenn ein bestimmtes Medikament eines Herstellers nicht lieferbar ist, hieß es. In der Pandemie sei dies schwieriger geworden, da zur Reduzierung von Kontakten wiederholte Apothekenbesuche vermieden werden sollten.

Die Lage etwas entschärft hätten rechtliche Erleichterungen bei der Auswahl von Ersatzmedikamenten wegen der Corona-Krise. "Diese pharmazeutische Beinfreiheit beim Einsatz vorrätiger Medikamente sollte unabhängig von der Pandemie erhalten bleiben", sagte der DAV-Vorsitzende Thomas Dittrich am Mittwoch. "Lieferengpässe waren schon vor Corona da, und es wird sie auch danach geben."

Lieferengpässe durch Corona-Pandemie zeitweise verschärft

Die Corona-Krise habe das Problem vorübergehend verschärft, erklärte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Im vergangenen Jahr sei die Zahl der gemeldeten Lieferengpässe zeitweise wesentlich höher gewesen. Daher habe man gegengesteuert. Das Institut forderte Pharmaunternehmen und den Großhandel auf, Arzneien nicht über den normalen Bedarf hinaus zu beliefern, um eine übermäßige Bevorratung zu verhindern. Derzeit schätze der beim BfArM angesiedelte Beirat zu Liefer- und Versorgungsengpässen die Lage aber "insgesamt als stabil ein".

Lieferengpässe bei Arzneien gibt es seit Jahren. Gewerkschaften sehen die komplexen Lieferketten in der Globalisierung als Ursache: Viele Wirkstoffe für Medikamente werden aus Kostengründen in China und Indien hergestellt. Kommt es in Fernost zu Fertigungsproblemen, Verunreinigungen oder gar zum Stillstand in der Produktion, kann sich das in Deutschland niederschlagen. Die Versorgungsengpässe will auch die EU mit ihrer neuen Arzneistrategie angehen.