Am Montagvormittag (19.04.21) haben sich die Grünen entschieden: Annalena Baerbock wird die Kanzlerkandidatin für ihre Partei im Bundestagswahlkampf 2021.

Die Entscheidung muss zwar noch auf einem Parteitag vom 11. bis 13. Juni bestätigt werden, doch die Zustimmung gilt als sehr sicher. Die Bundestagswahl findet am 26. September statt.

Annalena Baerbock: Wer ist die Grünen-Politikerin?

Annalena Baerbock ist bei der 20. Bundestagswahl seit 1949 die zweite Frau nach Angela Merkel, die sich um das höchste Regierungsamt bewirbt. Außerdem ist sie die jüngste Kanzlerkandidatin. 

Doch wer ist die junge, erfolgreiche Frau eigentlich? Baerbock ist am 15. Dezember 1980 geboren und wuchs in der Nähe von Hannover auf dem Dorf auf. Sie ist evangelisch-lutherisch, aber lebt ihren Glauben nach eigenen Aussagen nicht aktiv aus. Sie sei aber trotzdem in der Kirche, da ihr die "Idee des Miteinanders extrem wichtig ist", wie sie gegenüber der Bild äußerte.

Die Grünen-Politikerin studierte Politikwissenschaften und Völkerrecht in Hamburg und London. Baerbock ist Mutter von zwei Töchtern (5 und 9) und scheint generell ein großer Familienmensch zu sein. Im Interview mit der FAZ betont sie, dass sie am liebsten dort leben will, wo ihre "Liebsten" sind und ihr größtes Unglück wäre "ein Kind zu verlieren". Aktuell lebt sie mit ihrer Familie in Potsdam.

Bei den Grünen hat sie schnell Karriere gemacht: 2009 Vorstand der europäischen Grünen und Landesvorsitzende in Brandenburg; 2013 Einzug in den Bundestag; 2018 Bundesvorsitzende der Grünen gemeinsam mit Habeck. 

Baerbock kritisiert Merkel scharf: Kindeswohlgefährdung während Corona

Laut Annalena Baerbocks Homepage sind vor allem die Themen Klimaschutz, Kinder und Familie und der Kohleausstieg ihre Herzensangelegenheiten. Doch die Grünen-Politikerin hat gezeigt, dass sie sich in verschiedene Themen einarbeiten kann. So soll sie vor wichtigen öffentlichen Terminen häufig mit Fachpolitikern telefonieren, um alle Fakten korrekt wiedergeben zu können. Während der Corona-Pandemie hat sie häufig sozialpolitische Themen angesprochen, wie die Themen Schule und Nachhilfe. 

Baerbock hat sich bereits mehrfach deutlich für Kinderrechte ausgesprochen. Am 25. März schrieb sie auf ihrem Instagram-Kanal "Kinder und Jugendliche gehören ins Zentrum der Politik. Deswegen gehören Kinderrechte auch dringend ins Grundgesetz, aber als wirksame Rechte und nicht als Symbolpolitik".

Im Oktober 2020 hielt sie außerdem eine Rede für die Bekämpfung sexualisierter Gewalt im Deutschen Bundestag. In ihrem Vortrag betonte sie, dass Kinder Erwachsene brauchen, die hinschauen und die handeln. 

Laut Annalena Baerbock würde die Kanzlerin kaum Lösungen für Kinder in der Corona-Krise aufzeigen. Sie spricht sogar von einer Gefährdung des Kindeswohls. Besonders Kinder aus sozial benachteiligten Familien würden unter der Pandemie leiden. "Wir verlieren unsere Kinder", sagt die Grünen-Politikerin in der Talkshow Anne Will im Februar. 

Baerbock: "Ich möchte 2050 mit meinen Enkelkindern noch Schlitten fahren gehen"

Neben den Themen Familie und Kinder sind der Grünen-Politikerin selbstredend Klimaschutz-Themen wichtig. In ihrer Instagram-Story postet sie am Montag (19.04.21) ein Foto, auf dem sie nachdenklich in die Ferne blickt und schreibt dazu: "Ich bin Mutter zweier Töchter. Das eröffnet neue Perspektiven. Ich möchte 2050 mit meinen Enkelkindern noch Schlitten fahren gehen. Und ihnen erzählen: Damals, in den Zwanzigern, da haben wir gerade noch so die Kurve gekriegt."

Baerbock ist außerdem der Meinung, dass Klimaschutz weit mehr als nur Umweltpolitik sei, sondern auch Sicherheitspolitik. Denn: Die Klimakrise verschärfe auch die Konflikte dieser Welt. Sie sieht hier das Pariser Klimaabkommen als wichtiges Fundament. Ihrer Ansicht nach ist es die Aufgabe unserer Generation Klimaneutralität zu erreichen. Sie sieht das Pariser Klimaabkommen als ein historisch wahnsinnig großen Schritt, "mit richtig viel Hoffnung". 

Klimaneutralität sei eine große Chance für den Industriestandort Deutschland. Baerbock spricht sich dafür aus "Geld, Ideen und Verantwortung" zu investieren. Die ehemalige Leistungssportlerin gibt sich kämpferisch: "Ich bin in die Politik gegangen, um in der Realität zu verändern und nicht in der Theorie."

Baerbock: "Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass dieses Land einen Neuanfang braucht"

Die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock hat nach ihrer Nominierung als Kanzlerkandidatin ihrer Partei für einen Aufbruch in Deutschland geworben. "Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass dieses Land einen Neuanfang braucht", sagte sie am Montag in Berlin. Sie wolle eine Politik anbieten, die vorausschaue. 

Bezüglich ihrer politischen Erfahrung sagt sie: "Ja, ich war noch nie Kanzlerin, auch noch nie Ministerin. Ich trete an für Erneuerung. Für den Status quo stehen andere." Im Interview mit der FAZ sagte die 40-Jährige, dass ihr Motto: "Wenn nicht jetzt, wann dann" sei.