• Kassenärzte-Vereinigung KBV fordert Ende der Corona-Maßnahmen
  • Vizechef Stephan Hofmeister will "Ende der Gruselrhetorik"
  • Vorsitzender Andreas Gassen fordert "Freedom Day" am 30. Oktober 2021
  • Der Vorstoß wird scharf kritisiert

Harte Kritik am "Freedom Day"-Vorstoß von Andreas Gassen

Der Vorstoß von Kassenärztechef Andreas Gassen, zum 30. Oktober alle Corona-Beschränkungen aufzuheben, löst beim Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, Unverständnis aus. «Der "Freedom Day" zur Aufhebung aller Corona-Beschränkungen ist eine tolle Sache. Doch beim Blick in die Arztpraxen, Krankenhäuser und Pflegeheime scheinen solche flotten Sprüche nicht anzukommen», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Hier seien die Einschränkungen für Patienten, Pflegebedürftige und Angehörige allgegenwärtig. «Die Kassenärztlichen Vereinigungen müssen sich zunächst dafür einsetzen, dass ihre Vorschläge im medizinisch-pflegerischen Bereich ankommen.» Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält dies für «nicht ethisch vertretbar». Die Welle der Pandemie, die dann käme, wäre zu groß, warnte der SPD-Politiker auf Twitter. Besser wäre eine Öffnung, wenn 85 Prozent geimpft seien. Bis dahin sollte die 2G-Regel gelten.

Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen widersprach Gassen ebenfalls. «Jetzt so zu tun, als sei die Pandemie ein Privatvergnügen und Ungeimpfte letztlich selbst dran Schuld und wir könnten uns jetzt von allen Schutzmaßnahmen verabschieden, das halte ich für zynisch», sagte Dahmen dem Sender NDR Info. Auch widerspreche die Forderung der Haltung der Mehrheit der niedergelassenen Ärzte. Für eine Lockerung der Maßnahmen bräuchte es eine Impfquote bei den über 60-Jährigen von deutlich über 90 Prozent, in der Gesamtbevölkerung bei den impffähigen Personen von über 80 Prozent. «Es wäre gut, wenn die Kassenärztliche Vereinigung sich hier auf das Impfen konzentriert, hier mehr Tempo macht», riet Dahmen.

Der FDP-Gesundheitsexperte Andrew Ullmann hält eine Diskussion über eine Aufhebung der Corona-Regeln zwar für richtig. Es sei aber zu früh dafür, ein konkretes Datum zu nennen, sagte Ullmann auf NDR Info. «Ob es jetzt der 30. Oktober ist, Allerheiligen oder vielleicht auch Mitte November ist», dazu wage er nichts zu sagen. In den kommenden Wochen müsse man die Corona-Entwicklungen genau beobachten. Gassen hatte sich für das Ende aller Corona-Beschränkungen zum 30. Oktober ausgesprochen. «Nach den Erfahrungen aus Großbritannien sollten wir auch den Mut haben zu machen, was auf der Insel geklappt hat. Also braucht es jetzt eine klare Ansage der Politik: In sechs Wochen ist auch bei uns Freedom Day!», sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung der «Neuen Osnabrücker Zeitung» .

Ursprüngliche Meldung vom 18.09.2021

Bei der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) in Berlin hat stellvertretender Vorstandschef Stephan Hofmeister die Aufhebung aller "staatlich veranlassten Restriktionen der Corona-Pandemie" gefordert.  „Wenn eine Impfpflicht nicht gewollt ist – und auch ich will sie nicht – dann gibt es politisch nur diese Alternative“, sagte der KBV-Vize. Jeder, der sich mit einer Impfung schützen möchte, könne das tun. Die Möglichkeiten dazu seien reichlich vorhanden. Hofmeister: „Jetzt liegt es nicht mehr in der Verantwortung des Staates, sondern in der individuellen Verantwortung jedes und jeder Einzelnen.“ In den Augen des stellvertretenden KBV-Vorsitzenden schade eine mögliche Impfpflicht mehr, als sie nutzt. Für ihn tritt nun Eigenverantwortung an die Stelle staatlicher Fürsorge. 

Hofmeister: Schluss mit Gruselrhetorik und Panikpolitik

Hofmeister äußerte sich mit weiteren deutlichen Worten zur Corona-Politik: „Es muss endlich Schluss sein mit Gruselrhetorik und Panikpolitik!“ Weitere Kritik kam von ihm am Versprechen der Politik zu Booster-Impfungen, ohne dass es dazu bereits eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission gäbe. „Die Kolleginnen und Kollegen in den Praxen könnten sich viele Diskussionen ersparen, wenn es nicht nur ein ministeriell gefühltes Mehr an Sicherheit gäbe, sondern eine echte, evidenzbasierte medizinische Empfehlung für die Booster-Impfungen.“

Hofmeister erinnerte daran, dass die Vertragsärztinnen und -ärzte mit ihren Teams bisher über 42 Millionen Impfstoffdosen gegen Covid-19 verimpft haben - rund 41 Prozent aller hierzulande verabreichten Impfungen. „Der Spitzenwert in den Praxen lag bei 3,4 Millionen Impfungen pro Woche – deutlich mehr, als die Impfzentren je erreicht haben“, so der KBV-Vize. „Fast zwei Drittel aller Vertragsärztinnen und -ärzte haben sich an der Impfkampagne beteiligt, bei den Hausärztinnen und -ärzten waren es knapp 95 Prozent.“

Der Vorsitzende des KBV, Andreas Gassen, fordert die Regierung auf, aus den Erfahrungen in Großbritannien und Dänemark zu lernen und will, dass ein "Freedom Day" am 30. Oktober ausgerufen wird. An diesem Tag soll laut Gassen ein Ende der Corona-Maßnahmen kommen: "Nach den Erfahrungen aus Großbritannien sollten wir auch den Mut haben zu machen, was auf der Insel geklappt hat. Also braucht es jetzt eine klare Ansage der Politik", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". 

„Bei den Briten war das vielleicht noch wagemutig. Die Dänen sind dem Weg schon gefolgt. Auch dort ist kein Gesundheitsnotstand abzusehen. Also, worauf warten wir?“, so Gassen weiter gegenüber der NOZ. Gassen vermutet, dass ein Ausrufen des Endes der Corona-Maßnahmen einen Schub für die Impfquote bedeuten würde. Ende Oktober wären so rund 70 Prozent erreicht, so die Einschätzung Gassens. 

 

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