Berlin

Altmaier und Länder wollen bürgerfreundlichen Netzausbau

Im Zuge der Energiewende müssen viele neue Stromleitungen gebaut werden. Dagegen gibt es an vielen Orten Protest. Eine der größten Baustellen, so der Wirtschaftsminister, soll nun geschlossen werden.
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Erdkabel
Nach massenhaften Bürgerprotesten sollen die Leitungen nun größtenteils unterirdisch verlegt werden. Foto: Roland Weihrauch

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat sich mit den Ländern auf einen Vorschlag zum umstrittenen Ausbau von Stromnetzen im Dreiländereck Bayern, Hessen und Thüringen geeinigt.

Der Ausbau solle auf das «erforderliche Maß» beschränkt werden, sagte der CDU-Politiker am Mittwoch in Berlin. Bürgerfreundliche Lösungen sollen verstärkt zum Einsatz kommen, insbesondere durch die Erdverkabelung weiterer Abschnitte.

«Dadurch werden die Länder Bayern und Thüringen entlastet, ohne dass es in Hessen zum Neubau weiterer Leitungstrassen kommt», sagte Altmaier. «Das ist ein wichtiger und guter Tag für die Energiewende und ihr Gelingen. Wir haben einen entscheidenden Durchbruch erreicht für den Netzausbau in Süddeutschland.»

Altmaier sagte, mit der Vereinbarung werde eine der größten Baustellen beim Netzausbau geschlossen. Vorausgegangen waren monatelange Verhandlungen. Altmaier und die Energieminister legen aber Wert auf die Feststellung, dass eine Entscheidung über Stromtrassen nur im gesetzlich dafür vorgesehenen Verfahren von den zuständigen Behörden erfolgen könne. Die Bundesnetzagentur solle nun die Vorschläge prüfen.

Konkret ist etwa vorgesehen, dass die Kapazität der neuen Stromautobahn Suedostlink erhöht werden soll, damit die Trasse nicht so breit wird. In den Abschnitten, in denen Suedostlink als Freileitung errichtet werde, solle die Option einer gemeinsamen Führung mit bestehenden Drehstromleitungen verfolgt werden. Die insgesamt rund 580 Kilometer lange Gleichstromleitung soll nach Angaben des Übertragungsnetzbetreibers Tennet dafür sorgen, dass in erster Linie Strom aus Erneuerbaren Energien von Nord nach Süd transportiert werden kann.

Eine Tennet-Sprecherin begrüßte die Vereinbarung der Minister. Dies zeige, dass die Politik den Netzausbau unterstütze. Am Zug sei nun die Bundesnetzagentur, die unter anderem die geplante Kapazitätserhöhung bei Suedostlink prüfen müsse.

Außerdem sehen die Vorschläge vor, dass auf die Trasse P44 von Schalkau in Südthüringen nach Grafenrheinfeld in Unterfranken verzichtet werden soll. Diese Trasse gehört nicht zu Suedostlink. Gegen den Bau von P44 hatte es vor Ort Proteste gegeben. Als Netzknotenpunkt sei die Region Grafenrheinfeld bereits hoch belastet, hieß es. Mit der Thüringer Strombrücke hätten Südthüringen und die betroffenen Regionen in Bayern bereits wesentlich zur Steigerung der Transportkapazitäten beigetragen. Die Trasse P43 solle in der Ursprungsvariante von Mecklar in Hessen nach Grafenrheinfeld gebaut werden, aber so weit möglich in Erdverkabelung. Diese Variante sei die kürzeste und bringe die geringste Gesamtbelastung.

Notwendig sind neue Stromleitungen wie Suedostlink, weil Deutschland bis Ende 2022 aus der Atomkraft und bis 2038 aus der Kohle aussteigt. Der Ökostromanteil von heute mehr als einem Drittel soll massiv steigen. Damit im Süden nicht die Lichter ausgehen, muss der an Nord- und Ostsee erzeugte Windstrom dorthin fließen. Der Ausbau der Netze kommt aber nicht schnell genug voran, auch weil es vor Ort viele Proteste gegen neue Leitungen und Masten gibt. Altmaier sagte, mit den nun erzielten Vorschlägen sei ein Gelingen der Energiewende ein Stück wahrscheinlicher geworden.