Alkoholfreier Wein erfreut sich zunehmend größerer Beliebtheit. Er habe "großes Potenzial, weil Wein an sich ein gewisses Renommee hat", sagt Alexander Bähr, der zusammen mit seinem Bruder Jochen Bähr und der Familie die Bähr Pfalztraube GmbH führt.

Die Familie Bähr aus Neustadt an der Weinstraße hat es sich zum Ziel gemacht, "den besten alkoholfreien Wein zu machen" und das ohne wirtschaftliche Bedenken: "Zu gut oder zu teuer gibt's nicht. Die ausgewählten Weine seien ausnahmslos Prädikatsweine des Weinguts Schäfer aus Musbach in Rheinland-Pfalz", berichtet Alexander Bähr.

Herstellung des alkoholfreien Weins bei unter 40 Grad

Um einen alkoholfreien Wein herzustellen, entzieht man dem Wein durch hohe Temperaturen den Alkohol. Doch anfänglich seien die Temperaturen laut Deutschem Weininstitut zu hoch gewesen, wodurch die meisten Aromen, die den Geschmack ausmachen, verloren gingen. Die Beliebtheit des alkoholfreien Weins sei durch die angepasste Herstellungsweise gestiegen, berichtet das Deutsche Weininstitut. Früher sei alkoholfreier Wein noch nicht so genießbar wie heute gewesen. Man gehe davon aus, dass Verbraucher*innen sich deshalb erst langsam an die alkoholfreie Alternative herantasten mussten.

Um den fertigen Wein "schonend zu entgeistern" oder eben zu "entalkoholisieren", bedarf es eines Vakuumdestillationsverfahrens. "Dabei wird der Alkohol im Vakuum erwärmt und sinkt dabei auf einen Siedepunkt bei unter 40 Grad", erklärt Bähr. Während des Prozesses gehen 15–20 Prozent des Bestandteils verloren, was bedeutet, dass der Wein danach anders schmeckt.

Durch den Entalkoholisierungsprozess verändert der Wein sein Süße-Säure-Verhältnis und auch der Geruch verändert sich. Aber die meisten Aromen, außer die, die sich bei der ersten Hitze verflüchtigen, bleiben dennoch erhalten, sagt der Winzer. Auch die im Wein vorhandenen Rauch- und Fruchtaromakomponenten würden Weinfans weiterhin erkennen. Das bedeutet: "Alkoholfreier Wein schmeckt nicht wie Traubensaft", sagt Bähr, denn die Sekundäraromen bleiben dem Genießer erhalten. "Kinder würden ihre Nasen rümpfen, wie bei normalem Wein", gibt der Winzer zu bedenken.

Das ist bei der Herstellung von Seccos & Weinen ohne Alkohol wichtig

"Alkoholfreie Seccos sind leichter zu machen", erklärt der Winzer Alexander Bähr. Die Kohlensäure erleichtert es, die Mundfülle einigermaßen zu simulieren. Bei einem alkoholfreien Rotwein beispielsweise wäre das nicht so einfach. Denn bei diesem Wein entstehe die Mundfülle im Abgang durch den Alkohol, erklärt der Winzer.

Zusätzlich sorge die Kohlensäure im Secco für Bewegung an der Oberfläche. Dadurch verbreiten sich die Aromen in der Luft und bringen einen spritzigen Duft. Nicht außer Acht zu lassen sei der Fakt, dass alle alkoholfreien Weine und Seccos der Familie Bähr ohne künstliche Aromen hergestellt werden, betont Alexander Bähr.

Großes Marktpotential für alkoholfreien Wein

Alkoholfreie Alternativen, zu denen mittlerweile auch verschiedene Weinsorten wie zum Beispiel, Rotwein, Weißwein, Rosé oder Schaumwein - egal ob trocken oder lieblich - gehören, werden immer mehr zum Trend. Genau das bezeugt auch das Deutsche Weininstitut, denn viele Verbraucher*innen wünschen sich neben alkoholfreiem Bier, mehr alkoholfreie Wein- und Sektalternativen. 

Laut Informationen des DWI sei für alkoholfreie Alternativen ein großes Marktpotenzial vorhanden: "Der Marktanteil der alkoholfreien Weinalternativen am gesamten Weinkonsum dürfte sich derzeit zwar noch unter einem Prozent bewegen, jedoch berichten nahezu alle Anbieter über steigende Absatzzahlen. Beim alkoholfreien Sekt liegt der Marktanteil mit rund fünf Prozent am Schaumweinkonsum bereits deutlich höher". Außerdem sei die Zielgruppe der alkoholfreien Weine überwiegend Frauen - mit einem Anteil von 60 bis circa 70 Prozent übersteigt der Konsum bei Frauen den Anteil der männlichen Konsumenten, berichtet das DWI. 

Orangensaft als alkoholfreie Sektalternative? Da gibt es Alternativen

Das Totschlagargument des Winzers für alkoholfreien Wein ist aber dieses: "Wer zum Henker kam auf die Idee, dass O-Saft eine alkoholfreie Sektalternative bietet?", fragt Bähr. Denn Orangensaft schmecke nicht wie Secco, er sehe auffällig aus und wecke immer wieder unangenehmes Nachfragen von anderen Personen.

Ein anderes Argument sei die Kalorienmenge von alkoholfreiem Wein. Mit unter 20 Kalorien pro 100ml dürften Getränke als kalorienarm durchgehen. Daher sei der alkoholfreie Wein "auch für eine Low-Carb-Ernährung geeignet und zusätzlich vegan", bemerkt Alexander Bähr. So sei der alkoholfreie Wein der Bähr Pfalztraube GmbH perfekt für eine positive Stimmung, denn man trinke einen gesunden Wein. 

Der Wein solle trotzdem nicht weichen, unterstreicht Bähr, denn "wir wollen nicht, dass er ersetzt wird, sondern zukunftsfähiger gedacht wird".