Zu wenig Inhalt in Lebensmittelverpackungen? Das hat es mit Unterfüllung auf sich. Immer wieder erreichen die Verbraucherzentralen in Deutschland Beschwerden von aufgebrachten Kunden aus dem gleichen Grund: Ein Produkt enthält viel weniger Inhalt, als auf der Verpackung geschrieben steht. Betrügen die Hersteller damit vorsätzlich ihre Kunden?

Diesen Vorwurf äußerte zum Beispiel eine Kundin von Aldi Süd auf Facebook. Ihr kam eine 400-Gramm-Packung "Frische Puten-Ministeaks" zu Hause nach dem Einkauf etwas zu leicht vor. Ein Griff zur Küchenwaage reichte, um ihre Vermutung zu überprüfen: Die Küchenwaage zeigt 333 Gramm mit Verpackung an. Bis zu den angepriesenen 400 Gramm fehlt also noch ein ganzes Stück.

Putensteaks mit zu wenig Inhalt bei Aldi Süd

Die Kundin Annica ist entsetzt und veröffentlicht ihre Bestürzung auf der Facebook-Seite des Discounters. Sie postet das Beweisfoto und schreibt darunter: "Hallo Aldi, es kommt mir schon länger seltsam vor, jetzt hab ich nachgewogen und auch mein Mann hat die Erfahrung schon gemacht... ich fühle mich veräppelt. Leute, da stimmt doch was nicht!!!!"

Eine Beschwerde, die nicht gerade selten auftaucht, wie Anja Schwengel-Exner, Fachberaterin für Lebensmittel und Ernährung der Verbraucherzentrale Bayern auf Anfrage von inFranken.de verrät. "Die Verbraucherzentralen erreichen immer wieder Verbraucherbeschwerden zu Unterschreitungen von Nennfüllmengen bei verschiedensten Produkten: Erdbeeren, Trauben, Käse, Wurst..."

Die Käufer seien häufig schon unzufrieden, wenn die auf der Verpackung angegebene Menge nur geringfügig unterschritten ist. Allerdings ist eine gewisse Abweichung zwischen dem Gewicht, das auf der Packung steht, und dem Gewicht, das tatsächlich darin ist, gesetzlich erlaubt.

Zu wenig drin? So viel "Unterfüllung" ist erlaubt

Auf allen Produkten, die in einer Fertigverpackung verkauft werden, muss die sogenannte Nennfüllmengen angegeben werden. In einer Charge darf bei einzelnen Verpackungen aber auch weniger enthalten sein, solange diese Menge im Durchschnitt der kompletten Charge nicht unterschritten wurde.

Außerdem gibt es eine Toleranzgrenze: Bei Packungen mit einer Nennfüllmenge zwischen 300 und 500 Gramm oder Milliliter darf die tatsächliche Menge bis zu drei Prozent darunter liegen. Im Fall von Annica waren auf der Verpackung 400 Gramm angegeben, bis zu 12 Gramm weniger wären also erlaubt gewesen.

"Im Einzelfall - bei höchstens zwei Prozent der Produkte einer Charge - darf die Abweichung höchstens das Doppelte betragen", so Schwengel-Exner. Doch auch mit einer Ausnahme von 24 Gramm, liegt Annicas Packung noch weit unter der erlaubten Grenze, eine Beschwerde scheint also berechtigt. Wer eine zu gering befüllte Verpackung reklamieren möchte, muss sich an die jeweilige Eichbehörde wenden, die für die Überprüfung der Füllmengen zuständig ist.

Aldi Süd entschuldigt sich

Annicas Beschwerde direkt an Aldi Süd hat auch funktioniert. Der Discounter reagierte sofort: "Es tut mir leid, dass in der Packung zu wenig Inhalt ist. Ich gebe den Hinweis von hier aus auch an meine zuständigen Kollegen aus dem Einkauf weiter."

Einen Tag später teilte Aldi mit, dass der Fall an einen internen Lieferanten übermittelt worden sei und dass Annica das Fleisch zurückgeben könne. 

Dafür war es allerdings schon zu spät, da die Katzen der verärgerten Kundin die Putensteaks schon gefressen hätten. Zukünftig wolle sie immer eine Waage mit zum Einkaufen nehmen, antwortete sie dem Unternehmen auf Facebook - obwohl das laut Verbraucherzentrale keine verlässliche Lösung ist.

Kundin nimmt zukünftig Waage mit zum Aldi

"Ob und in welchem Ausmaß eine Unterfüllung vorliegt, kann nicht mit haushaltsüblichen Waagen ermittelt werden. Die Messungenauigkeit ist hier zu groß", erklärt Schwengel-Exner. Kunden haben also keine wirkliche Möglichkeit zu überprüfen, ob eine Verpackung gesetzeswidrig unterfüllt wurde.

Die Verbraucherzentrale fordere daher ein "Mindestmengenprinzip": In jeder Packung sollte mindestens das drin sein, was drauf steht. "Mit dieser leicht nachvollziehbaren Regelung wäre ein andauerndes Verbraucherärgernis mit einem Schlag vom Tisch und die Eichbehörden könnten wesentlich schneller und problemloser kontrollieren."

sh/lm