Nach einer am Freitag veröffentlichten Studie des Bildungsforschers Klaus Klemm würde die weitgehende Umsetzung der UN-Konvention zur sogenannten Inklusion bundesweit 660 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich kosten. Unterm Strich müssten nämlich mehr als 9300 Lehrer neu eingestellt werden, um die Pläne innerhalb des kommenden Jahrzehnts umzusetzen, ergab die im Auftrag der Bertelsmann Stiftung in Gütersloh erstellte Studie.

Vor drei Jahren (26. März 2009) trat die UN-Konvention in Kraft, die die Abkehr vom derzeitigen Sonderschulsystem vorschreibt. Derzeit gibt es in Deutschland knapp eine halbe Million verhaltensauffällige, lern- oder körperbehinderte Schüler, die besonderen Förderbedarf haben. Bundesweit stieg der Anteil der inklusiv unterrichteten Förderschüler im Schuljahr 2010/2011 im Vergleich zum Vorjahr von 20,1 auf 22,3 Prozent, wie es in der Studie heißt.

Zwischen den Ländern gibt es aber große Unterschiede. Spitzenreiter ist Schleswig-Holstein. Hier besuchen 49,9 Prozent aller lern- oder körperbehinderten Schüler eine reguläre Schule. Schlusslicht ist Niedersachsen mit lediglich 8,5 Prozent. Besonders stark aufgeholt haben zuletzt Hamburg und Bayern.

Die von Klemm errechnete Summe bezieht sich nur auf die zusätzlichen Personalkosten, nicht etwa auf Umbaumaßnahmen. Dazu kämen Kosten für rund 85 000 besonders schwer in Regelschulen integrierbare Schüler, die der Bildungsökonom zunächst herausgerechnet hat.

Inklusion stelle die Schulen «vor riesige Herausforderungen, die sie nur mit genügend gut ausgebildetem Personal bewältigen können», sagte Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung. Die Summe von 660 Millionen Euro mache etwas weniger als zwei Prozent der heutigen Gesamtkosten von Schule aus. «Inklusion ist notwendig und bezahlbar.» Notwendig sei die Inklusion auch, weil auf einer Förderschule die Aussichten auf einen Schulabschluss nur gering seien.

«Aber sie wird dort scheitern, wo Länder sie als Sparmodell betrachten», warnte Dräger. Das Geld und die Stellen, die durch die Umstellung an bisherigen Förderschulen frei werden, seien nicht ausreichend, wenn der Umfang der Förderung nicht reduziert werden soll.