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Freitag, der 13.: Deshalb bringt dieser Tag Unglück

Freitag, der 13.: Für die einen ein Tag wie jeder andere, für die anderen ein Unglückstag, der nichts Gutes verheißt. Doch warum gilt "Freitag, der 13." als Unglückstag?
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Freitag der 13. - Was steckt hinter dem Aberglauben?
Wer an den verhängnisvollen Ruf von "Freitag, dem 13." glaubt, hat es 2018 nicht leicht: Gleich zweimal wird uns dieses Datum in diesem Jahr beschert. Einmal in dieser Woche am 13. April und einmal am 13. Juli. Im vergangenen Jahr 2017 mussten wir den Tag ebenfalls zweimal hinter uns bringen, 2016 mussten Abergläubige ihn nur einmal ertragen. Dafür waren es 2015 gleich drei Unglücksfreitage.

 


Warum gilt Freitag, der 13. als Unglückstag?
 

Seit wann dieses Datum als Unglückstag gilt, lässt sich nicht genau sagen. Die Theorien dazu sind zahlreich. Klar ist nur, dass sowohl die Zahl 13 als auch der Freitag unglückstechnisch vorbelastet sind:

Die 13 überschreitet das geschlossene Zwölfersystem und ist damit sozusagen die böse Schwester der Zwölf. Diese ist gerade, vielfach teilbar und Basis vieler Zahlen- und Maßsysteme: Das Jahr hat zwölf Monate, der Tag zweimal zwölf Stunden. Auch kulturgeschichtlich ist die Zwölf bedeutend: Herkules etwa vollbrachte zwölf Aufgaben, zwölf Apostel verkünden das Evangelium.

 

 

 


Die 13 - das "Dutzend des Teufels"

Die 13 dagegen ist eine ungerade Zahl, nur durch sich selbst teilbar. Sie galt im Volksmund früher auch als das "Dutzend des Teufels". Der dreizehnte Gast des letzten Abendmahls, Judas, verriet Jesus. Daher mag der Ruf der 13 als Unglückszahl kommen. Außerdem stellt die 13. Tarotkarte den Tod dar. Es gibt sogar Menschen, die sich regelrecht vor der 13 fürchten. Dafür gibt es einen Begriff: Triskaidekaphobie.

Nicht für jeden ist die 13 allerdings eine Unglückszahl. In anderen Kulturkreisen ist sie sogar eine Glückszahl, zum Beispiel in einigen asiatischen Ländern. Auch in der jüdischen Tradition bringt die 13 Gutes. Im Sport scheint sie ebenfalls Glück zu bringen: Michael Ballack oder Thomas Müller waren jedenfalls mit dieser Rückennummer erfolgreich.

 

 

 

 


"Schwarze Freitage" an der Börse

Der Freitag wird auch ganz unterschiedlich gesehen: Im Judentum ist er positiv belegt, denn hier beginnt der Sabbat. Im katholischen Glauben dagegen ist der Tag der Buße, da Jesus an einem Freitag gekreuzigt wurde. Auch heute ist der Karfreitag der Tag, an dem dem Leiden und Sterben Jesu gedacht wird.

"Schwarze Freitage" gab es auch in der Geschichte der Börse immer wieder: Bereits 1745 stürzten die Kurse an der Londoner Börse ab, 1889 führten Goldspekulationen zu einer Finanzkrise in den USA, 1873 gab es den Wiener Börsenkrach. Am Freitag, 25. Oktober 1929 gab es an der Wallstreet einen Börsencrash der Beginn einer Weltwirtschaftskrise war.

 

 

 

 


Die Vereinigung der Zahl 13 und des Freitags

Wie kamen die beiden nun zusammen, der Freitag und die Zahl 13? Zum ersten Mal in Verbindung mit einem Unglück wurde das Datum im Oktober des Jahres 1307 erwähnt. Der damals in Frankreich regierende König Philipp IV. befahl die Festnahme sämtlicher Mitglieder des Templerordens. Die Prozesse zogen sich über Jahre hin und führten letztlich dazu, dass zahlreiche Templer hingerichtet wurden und der Templerorden 1312 aufgehoben wurde. Dennoch gilt Freitag, der 13. Oktober 1307, nicht als Ursprung des Aberglaubens.

Erst im frühen 20. Jahrhundert taucht das unheilvolle Duo wieder auf. Der Börsianer Thomas W. Lawson veröffentliche 1907 den Börsenroman "Friday, the Thirteenth" über das verhängnisvolle Tun eines Börsenmaklers. Im gleichen Jahr erschien die deutsche Übersetzung "Freitag, der Dreizehnte". Das Buch ist das erste bekannte schriftliche Erzeugnis seit dem 14. Jahrhundert, in dem der Freitag und die Zahl 13 in Kombination auftreten. Auch im Online-Archiv der "New York Times" wurde "Freitag, der 13." erstmals nach Veröffentlichung des Romans erwähnt. Es scheint sich also keineswegs um einen alten Aberglauben zu handeln, sondern um ein Produkt der Moderne, entstanden in den Vereinigten Staaten.

 

 

 

 


Wie kam der Unglückstag nach Deutschland?

Der Augsburger Volkskundler Stephan Bachter hat sich ausführlich mit dem Phänomen des Unglückstags beschäftigt. Früher habe es davon viele gegeben, der 1. April oder der 17. August etwa seien Unglückstage gewesen. Auf den "Freitag, den 13." gibt es zu Beginn des 20. Jahrhunderts im deutschen Kulturraum aber keine Hinweise, schreibt Bachter im Magazin "Skeptiker". Lange galt eine Glosse in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung aus dem Jahr 1957 als erste deutsche schriftliche Erwähnung des Unglücksdatums.

Bachter berichtet im "Skeptiker" allerdings von einem Zauberbuch, welches bereits ein paar Jahre früher veröffentlicht wurde. Dabei handelt es sich um ein Buch mit Zaubersprüchen und allerlei abstrusen Weisheiten aus dem Jahr 1949. Darin heißt es "Auf keinen Fall unternehme man etwas Wichtiges an einem Freitag, der auf einen 13. eines Monats fällt, das wird fast immer Unglück bringen." Bachter sieht dies als Ursprung des Trends in Deutschland.

 

 

 

 


Der 11. September war ein Dienstag

Ist der "Freitag der 13." nun frei erfunden und bringt gar kein Unglück? - Nun, tatsächlich gibt es Unglücke, die sich an einem Freitag, dem 13. ereignet haben: Jüngstes Beispiel sind die Anschläge von Paris am Freitag, 13. November 2015.

Auch die Havarie des Kreuzfahrtschiffs Costa Concordia am 13. Januar 2012, bei der 32 Menschen starben, war an einem Freitag.

Viele große Katastrophen haben jedoch weder an einem Freitag, noch an einem 13. stattgefunden: Die Titanic kollidierte mit dem Eisberg am 14. April 1912, einem Sonntag, die Explosion im Atomkraftwerk in Tschernobyl ereignete sich am 26. April 1986, einem Samstag und der 11. September 2001 war ein Dienstag.

 

 

 

 


Selbsterfüllende Prophezeiungen

Für die Angst vor Freitagen, die auf den 13. fallen, gibt es übrigens auch einen wissenschaftlichen Namen - Paraskavedekatriaphobie. Die Bedeutung dieses Datums ist der Bevölkerung heutzutage wohlbekannt. Dadurch wird die Wahrnehmung für Missgeschicke an solchen Tagen sensibler. Ist jemand nun fest von den negativen Folgen des Pechtags überzeugt, könnte sich das im Sinne einer sich selbsterfüllenden Prophezeiung auf das eigene Verhalten auswirken. Das soziologische Phänomen der "selbsterfüllenden Prophezeiung" geht auf Robert K. Merton zurück.

Dabei dürfte es sich jedoch um Ausnahmefälle handeln, denn die wenigsten Menschen begegnen dieser Folklore mit Furcht. Eine repräsentative Befragung der deutschen Bevölkerung zum Thema Aberglaube durch das Institut für Demoskopie Allensbach, ergab im Jahr 2005, dass lediglich 28 Prozent der Befragten an den vermeintlichen Unglücksbringer "Die Zahl 13" und nur 11 Prozent an "Der Freitag" glaubten.

Zum Vergleich: Die höchste Zustimmungsbereitschaft erhielten die Glück versprechenden Symbole "Vierblättriges Kleeblatt" mit 42 Prozent, gefolgt von "Sternschnuppen" mit 40 Prozent und "Schornsteinfeger" mit 36 Prozent. "Freitag, der 13." als Kombination stand zwar nicht zur Wahl, dennoch scheint der Glaube an diese Mär weniger fest im Alltag der Bevölkerung verankert zu sein. Selbsterfüllende Prophezeiungen im Sinne von Merton sind vor diesem Hintergrund unwahrscheinlich, da für solche eine gewisse Erwartungshaltung notwendig ist.

 

 

 

 


Weniger Tote und Verletzte an Freitagen, die auf einen 13. fallen

So konnte bisher bei keiner Untersuchung ein Effekt der selbsterfüllenden Prophezeiung an Freitagen, die auf den 13. fallen, belegt werden. Der ADAC hat sogar herausgefunden, dass an solchen Freitagen geringfügig weniger schwere Verkehrsunfälle passieren als an anderen Freitagen: Eine Auswertung der Unfallzahlen der Jahre 2004 bis 2013 zeigte, dass es an allen Freitagen in diesem Zeitraum im Schnitt 1001 Unfälle mit Toten und Verletzten gab. An den 18 Freitagen, die während dieser Zeit auf einen 13. fielen, waren es im Schnitt nur 999.

Die ADAC-Zahlen zeigen aber auch: Generell ist der Freitag der unfallträchtigste Tag der Woche. Im Jahr 2013 passierten an Freitagen im Durchschnitt 906 Unfälle mit Toten und Verletzten, an allen anderen Wochentagen nur 780. Der Grund dafür sind allerdings keine übernatürlichen Kräfte, sondern das hohe Verkehrsaufkommen an Freitagen: Wochenendpendler, Ausflügler und Urlaubsreisende sind hier verstärkt unterwegs.

 

 

 

 


Durchschnittliches Schadensaufkommen

Zu ähnlichen Ergebnissen kommen auch die Statistiken der Zurich Versicherung. Seit 2009 untersucht der Versicherer das Schadensaufkommen an "Freitagen, den 13.". Insgesamt zehn gab es davon in den Jahren 2009 - 2013. Im Schnitt wurden etwa 2.000 Schäden gemeldet. An allen anderen Freitagen, wurden durchschnittlich über 10 % mehr Schäden vermerkt. Und auch an allen übrigen Tagen gab es im Schnitt um die 2.000 Schadenmeldungen. Damit liegt "Freitag, der 13.", anders als andere Freitage, statistisch gesehen im durchschnittlichen Bereich.

Auch an Freitagen, die auf einen 13. fallen, sollte man im Straßenverkehr also Umsicht walten lassen. Falls man gen Süden fährt, übrigens auch an denen, die auf einen 17. fallen: In Italien ist der "Freitag der 17." nämlich ein Unglückstag. In Spanien, einigen lateinamerikanischen Ländern und Griechenland verheißt hingegen "Dienstag, der 13." Ungutes.

 

Symbolfoto: Victoria Bonn-Meuser/dpa

 

 

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